Nachdem Naughty Bear nicht zur Geburtstagsparty eingeladen wurde, rächt er sich auf vielfältige Art und Weise.
Sam Fisher-Bär
Naughty Bear
Obwohl man frontal los stürmen kann, schöpft das Spiel seinen Reiz eher aus dem Schleichaspekt, der eigentlich ganz gut funktioniert, was vor allem an der soliden KI der Bären liegt. Diese suchen systematisch nach uns, verbarrikadieren sich in ihren Häusern, versuchen zu fliehen oder verstecken sich. Zum Glück wird uns in einem kleinen Bildschirm stets angezeigt, welche Aktionen gerade durchgeführt werden. Wenn sich also ein liebenswerter Zeitgenosse in einem Schrank versteckt, weiß man als Spieler schnell, was zu tun ist. Und werden wir dennoch mal zu stark verletzt, müssen kleine Kuchenstücke gesucht werden, die überall auf der Insel verteilt liegen. Ansonsten darf man sich noch auf ein nützliches Radar freuen, das schnell verrät, wo sich die Opfer befinden.
Naughty Bear
Das hört sich doch alles sehr gut an, oder? Das wäre es auch, wenn sich der Spielverlauf nicht nach knapp 15 bis 20 Minuten penetrant wiederholen würde. Der Umfang von Naughty Bear ist im Prinzip eine Katastrophe und wurde von den Entwickler auf eine sehr freche Art künstlich aufgebläht. Naughty Bear besteht aus sieben Episoden, die sich nochmals in jeweils fünf Kapitel unterteilen. Je mehr Punkte man erringt, desto mehr Kapitel werden freigeschaltet. Leider unterscheiden sich die einzelnen Kapitel in einer Episoden kaum voneinander. Es werden lediglich andere Herausforderungen gestellt. Mal darf man keinen Bären entkommen lassen, das andere mal gilt es alle Teddys nur durch Erschrecken in den Tod zu führen, während uns zusätzlich fiese Zeitlimits im Nacken hängen. In einigen sehr kniffligen Abschnitte darf man hingegen nicht gesehen werden. Zeitgleich haben wir immer eine kleine Liste im Blickfeld, die uns verrät, was noch für Aufgaben auf dem Programm stehen. Teilweise sind auch optionale Quests dabei, die an Sammelerfolge erinnern.
Wie klein die Welt doch ist
Naughty Bear
Doch auch die anderen Episoden unterscheiden ist kaum voneinander, da lediglich neue Bärenarten hinzu kommen, Das Spielprinzip bleibt stets das gleiche: Man muss eine vorgegebene Punktzahl erreichen. Ist man richtig gut, werden Pokale und diverse Bärenkostüme freigeschaltet. Und damit nicht genug, die Entwickler haben es tatsächlich geschafft, dass man sich immer und immer durch die selben, wenigen Areale bewegt, die nur in geringem Umfang variiert werden. Wenn das Militär nach Naughty sucht, werden über die Häuser beispielsweise Tarnzelte gespannt. Om Prinzip hat man nach 15 Minuten, also nach dem ersten Kapitel in der ersten Episode, alles gesehen, was es zu sehen gibt. Eines der wenigen bespielbaren Areale besteht sogar nur aus Naughty Bear's Hütte, das ist einfach zu wenig, weil schlicht die Abwechslung fehlt.
Naughty Bear
Naughty Bear eignet sich damit nur für ein kleines Spielchen zwischendurch, da die Highscore-Jagd durchaus motivieren kann. Einige Herausforderung sind dabei durchaus schwer ausgefallen und sorgen teilweise für ordentlich Frust, da das Speichersystem nur nach Abschluss eines Kapitels in Erscheinung tritt. Das kann erst nach 20 Minuten mühevoller Arbeit der Fall sein. Aufgrund des Umfangs dürfte man Naughty Bear in rund vier bis fünf Stunden beendet haben, wenn man denn so lange durchhält. Wer jedoch alle Kostüme freischalten will, die Naughty Bear in vier Kategorien wie Gesundheit und Stärke verändern, muss sich schon mehr anstrengen und sitzt entsprechend länger an dem Titel. Der Multiplayer mit seinen vier Varianten für vier Spieler ist nur in den ersten fünf Minuten witzig, danach will man nicht mehr. Es ist ohnehin schwierig eine Lobby zu finden, in der dauerhaft etwas los ist. Aber sei es drum, dafür funktioniert die Steuerung ordentlich, während die Kamera fortwährend herumzickt, vor allem in engen Räumen. Die Übersicht kann deswegen ganz schön schnell verloren gehen.
Grafische Idylle
Naughty Bear
Technisch ist Naugty Bear schlicht und solide. Die Comic-Landschaften sind liebevoll gestaltet, glänzen aber natürlich nicht mit den schönsten Texturen und Effekten. Dafür schleichen sich immer wieder Ruckler ein. Ansonsten darf man von den Animationen der Bären begeistert sein, die, man mag es kaum glauben, mit einer hervorragenden Gestik und Mimik ausgestattet wurden. Man sieht ihnen die Angst und den Schrecken sofort an. Manchmal sperren sich die Freunde in ihren Häusern ein und lachen uns von innen heraus aus. Wenn man aber die Fenster einschlägt, kippt die Stimmung sehr schnell, einfach herrlich. Die Sounduntermalung passt hervorragend zur malerischen Atmosphäre, ebenso wie die niedlichen Schmerzensschreie kurz vor dem Tod, harhar. Die deutsche Stimme des Sprechers, die Naughty Bear immer wieder anheizt, führt ebenfalls zu der ironischen und sarkastischen Grundstimmung. Die Gewalt in Naughty Bear ist explizit, Blut fließt allerdings nicht, nur das Zeug, das Kuscheltiere nun mal in sich haben. Aber seien wir ehrlich, würde die Gewalt an Menschen verübt, hätten die Behörden das Spiel schneller indiziert, als Naughty seinen Baseballschläger hervorholen kann. So stört sich irgendwie keiner an den zahlreichen Kills, die im Stile eines Unreal Tournament von einem Kommentator zelebriert werden. Das ist Gewaltverherrlichung, wie sie im Buche steht.
