Ein handfester und Adrenalin treibender Arcade-Racer im Hot Pursuit Gewand mit Burnout-Anleihen.
Da es aber trotz der zwei Karrieren faktisch keinen Storystrang gibt und man sich eigentlich immer nur von einer zur nächsten Herausforderung hangelt, beginnt sich das Gameplay recht bald zu wiederholen. Das schöne dabei ist, dass der Schwierigkeitsgrad langsam aber sicher ansteigt, so ab der Hälfte des Spiels muss man sich wirklich anstrengen um noch an die Gold-Belohnungen zu kommen, das üble daran aber ist, dass die Freie Fahrt recht sinnlos ist. Denn abseits der Herausforderungen gibt es nichts zu tun, gar nichts. Die Freie Fahrt macht damit kaum Sinn, außer vielleicht um eine schöne Stelle zu finden um seinen Wagen zu fotografieren. In diesem Zusammenhang muss man auch erwähnen, dass die Rennen selbst grundsätzlich auf abgesteckten Pisten ausgetragen werden, man kann sich also nicht, wie in Burnout beispielsweise, selber den besten Weg suchen. Allerdings gibt's durchaus mehrere Möglichkeiten abzukürzen, welche uns auf dem Streckenradar auch angezeigt werden, so dass es schwer fällt sie zu übersehen.
Was den Singleplayer dafür wieder sehr aufwertet, ist das sogenannte AutoLog-Feature, welches ähnlich dem System funktioniert wie wir es aus BLUR schon kennen. Denn welchen Spieler interessiert es schon, dass er bei einer bestimmten Herausforderung den Platz 14.385 in der Weltrangliste belegt? Viel interessanter ist es, welchen Platz man im Vergleich mit seinen Freunden eingenommen hat. Und genau das zeigt uns das AutoLog an "der Wand" an. Dort können wir unsere Leistung mit der unserer Freunde vergleichen und auch direkt diejenigen starten, bei denen wir von diesen überboten wurden. Zudem werden wir benachrichtigt, sobald ein Freund eine unserer Bestleistungen überboten hat. Das ist in der Praxis natürlich motivierender als eine vorgegebene Zeit zu schlagen und bewegt einen dazu, bestimmte Rennen immer wieder zu fahren, bis man wirklich an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit gelangt ist. Ebenfalls teil des AutoLog-Features ist die Möglichkeit einen eben online spielenden Freund direkt herausfordern zu können. Doch auch hier muss man anmerken, dass der Online-Mode im Grunde nur zwei Spielvarianten anbietet, nämlich die Rennen oder die Verfolgung. Leider überhaupt nicht vorhanden ist eine Splitscreen-Variante für zwei oder mehr Spieler an einer Konsole, will man gegen menschliche Fahrer antreten muss man online gehen. Auch das AutLog selbst macht natürlich nur Sinn, wenn man auch Freunde hat die selbiges Game zocken, ansonsten steht man wahrlich im Regen, um es bildlich auszudrücken.
Burnout, welches bekanntlich ebenfalls von den Criterion Studios programmiert wurde, hinterlässt im aktuellen Need for Speed durchaus seine Spuren. So kommt einem die Inszenierung der Unfälle durchaus bekannt vor, was nicht negativ gemeint ist. Ebenfalls bringen die "Takedowns" bekannte Erinnerungen wieder ans Tageslicht. Ebenso zu begeistern versteht der Soundtrack, der einen breiten Mix aus treibenden Beats bereithält die wunderbar zu der Raserei passen. Und stolpert man doch mal über einen Song der einen nicht gefällt, genügt ein Tastendruck und es wird zum nächsten Track gewechselt.
Grafisch spielt Need for Speed: Hot Pursuit in der oberen Liga mit. Die Stadt ist herrlich detailliert und hübsch gestaltet, bietet uns vom Küstenabschnitt bis hin zu verschneiten Berggipfeln sehr viel Abwechslung und viele herrliche Aussichten. Auch die Fahrzeuge selbst sind gut gelungen und es mangelt ihnen eigentlich nur an einer Cockpitsicht, auf die man wohl verzichtet hat, da man per Verfolgerkamera einfach einen besseren Überblick wahren kann, was hinter einem abgeht. Vielleicht ist auch das der Grund des seltsamen Rückspiegels. In diesem nämlich sehen wir nicht das reale Bild, sondern eine Art elektronisches Abbild. Die komplette Welt besteht nur aus einer blaugrauen Vektormasse aus der die Polizeiautos in blau und die Racer in gelb hervorstechen. Das sieht nicht besonders hübsch aus, hilft aber, die Dinge hinter einem schon im Augenwinkel verfolgen zu können ohne nach oben zum Rückspiegel blicken zu müssen.
Natürlich ist auch dieses Need for Speed wieder ein reinrassiger Arcade-Racer, was man zum Beispiel an der fehlenden manuellen Schaltung merkt, was aber nicht erklärt, warum es kaum fühlbare Unterschiede zwischen den verschiedenen Fahrzeugen gibt, von der Höchstgeschwindigkeit einmal abgesehen. Zwar lassen sich die einen etwas leichter zum Driften bringen als die anderen, wohingegen manche wieder nicht so gerne in die Kurve gehen, aber besonders groß sind die Unterschiede nicht. Dafür hören sich die verschiedenen Fahrzeuge wenigstens recht unterschiedlich an, man kann also vom Klang her einen Lamborghini durchaus von einer Viper unterscheiden. Wobei die Motorsounds, neben der Grafik, eines der Highlights des Titels darstellen. Genau so muss es sich anhören, will man das Adrenalin in gewünschter Menge zur Ausschüttung bringen.