Ninja Gaiden Sigma 2 im Gamezone-Test

Test Alexander Winkel

Auch auf Sonys Kiste ein absolut gigantisches und bildgewaltiges Actionfeuerwerk, aber mit Weichspülergarantie.

Ninja Gaiden Sigma 2 Ninja Gaiden Sigma 2 Die unterschiedlichen Klingen und Knüppel, die sich Ryu im Laufe seiner "Ninja Gaiden Sigma 2" Karriere aneignet, laufen dem Ninja sogar den Rang ab und entpuppen sich als die tatsächlichen Stars. Mächtig und für seine guten Dienste stets bekannt, schleppt der Gute Ryu immer sein legendäres Drachenschwert mit sich herum, doch gesellen sich später messerscharfe Klauen, das gemeinsame Säbelpaar Drachenauge und Tigerfang, eine überdimensionale Sense oder der schwungvolle Mondstab dem Tötungsrepertoire hinzu. Auch Bogen und Schusswaffen dürfen natürlich nicht fehlen, welche sich besonders gegen fliegende Feinde auszahlen. Darüber hinaus findet ihr sogar bezogen auf die Konsole exklusive Werkzeuge, um der Hölle mal ordentlich den Hintern zu versohlen.

Ninja Gaiden Sigma 2 Ninja Gaiden Sigma 2 Was Team Ninja nun auf den Bildschirm zaubert, sobald ihr mit den ersten Angriffen gegen eure Widersacher vorgeht und gekonnt Kombination von schwachen und starken Schlägen als Combos verteilt, ist ein bildgewaltiges und absolut atemberaubendes grafisches Kunstwerk - zugleich aber auch eine der größten Schnetzelorgien der Videospielgeschichte. Genau hier fanden die größten Eingriffe zwischen der Xbox 360 und Playstation 3 Fassung statt. Nach wie vor taumeln die Gegner nach einem perfekten Schnitt mit zum Beispiel der Sense völlig kopflos uns entgegen, manchmal zieren auch deren Beine und Arme noch den Boden. Ryu geht da absolut nicht zimperlich sowie mit eiskalter Leidenschaft vor und rammt seine Todesargumente mit teils extrem in Szene gesetzten Kamerawinkeln ordentlich in die Leiber der Biester. Ein jeder Gegner ist aber aus einem harten Holz geschnitten und kämpft bis zum bitteren Ende. Denn auch um Atem ringend und über den Boden robbend kann man noch letzte Shurikens oder Brandbomben werfen und damit vielleicht den Drachenabkömmling mit in die Hölle schicken. Was aber auf dem ersten Blick auffallend fehlt, sind die Blutfontänen, die jegliches Levelinventar der Xbox 360 noch mit einem knallroten Teppich verschandelten und somit zur Indizierung führten. Stattdessen setzt das Entwicklerteam nun, das aber weltweit, auf kunstvolle Nebelschwaden und einen bläulichen Zauber, der aus den klaffenden Wunden entfleucht. Zugegeben, dies verleiht diesem Titel etwas gänzlich mythisches und schmälert erstaunlicherweise nicht den Spielspaß an den brachialen Schnetzelorgien, die wir stundenlang regelrecht genüsslich zelebrieren durften.

Ein sonniger Sonntagsspaziergang

Ninja Gaiden Sigma 2 Ninja Gaiden Sigma 2 Die Zubereitung der Mahlzeit - heute steht Hackfleisch an Zaubersoße auf der Speisekarte - gelingt auf der Playstation 3 erstaunlich gut und macht genau deshalb auch richtig Laune. Die zahlreichen und variantenreichen Combos gehen gewohnt leicht von der Hand, wobei Button-Masseure, die zumindest einen Hauch von Defensive kennen, ebenfalls sehr erfolgreich durch die Hölle auf Erden wandeln. Die Kämpfe wirken zunächst deutlich besser und vor allem ergiebiger, doch auf dem zweiten Blick entpuppt sich "Ninja Gaiden Sigma 2" fast als ein regelrechter Sonntagsspaziergang für Weicheier! Egal ob sich bis an die Zähne bewaffnete Ninjas oder die ekelhaften Untertanen des Erzdämonen uns entgegenstellen, die feindlichen Schergen agieren deutlich weniger aggressiv und tauchen auch nicht mehr in den gewohnten Rudelgrößen auf dem Bildschirm auf.

Ninja Gaiden Sigma 2 Ninja Gaiden Sigma 2 Es gibt aber durchaus Positives zu vermelden, da Ryu nun endlich effektiv blocken und auch den feindlichen Attacken ausweichen kann. Die Xbox 360 Version kränkelte seiner Zeit ja gewaltig an der Balance zwischen gelungenem und intensiven Kampf und frustrierenden sowie ohne jegliche Chance auf Verteidigung gegebenen Niederlagen, da die Defensive nicht so wirklich klappten wollte und wildes Gekloppe meist den größeren Erfolg versprach - ganz im Gegensatz zum herausfordernden aber stets fairen "Ninja Gaiden" bzw. "Ninja Gaiden Black" auf der alten Xbox. Mancher Bossgegner zwängte den guten Ninja sogar in Situationen, aus denen weder ein Entkommen noch ein Sieg möglich war. Kurz gesagt: Team Ninja rutsche vom schmalen Grad ab und verpatzte das Spiel bzw. die vormals so genial gelungene Handhabe! Sich diesen Problemen bewusst, haben die Entwickler das System für die Playstation 3 völlig überarbeitet und vielleicht auch ungewollt den Schwierigkeitsgrad extrem gesenkt. Richtig auffällig wird dies erst bei den zahlreichen atemberaubenden Bossgegnern, die Bildschirm füllend uns auf der Xbox 360 noch Einhalt geboten. Tausende Tode sterbend wurden diese übermächtigen Gegner noch studiert, deren Angriffsmuster auswendig gelernt und die wenigen Schwachstellen ausgekundschaftet. Erst nach zig Versuchen sollte ein jeder Obermotz kleinlaut nachgeben - nicht so bei Sony! Selbst unerfahrene Spieler werden wohl mit etwas Geschick und gutem Waffeneinsatz so einige einst erfurcht gebietende Dämonen ohne Ableben über den Jordan schicken. Unterstützend kommt hinzu, dass ihr für den Waffenaufbau nun nichts mehr bezahlen müsst (diesen aber stets nur einmal pro Level durchführen könnt) und euer gewonnenes Karma komplett für Kräuter bzw. Körner des spirituellen Lebens, Teufelswegpilze und Talismane der Widergeburt bei Muramasas ausgeben könnt. Das Inventar mit allerlei Hilfs- und Heilmittel gefüllt und den nächsten Shop in akzeptabler Reichweite kann also nichts mehr passieren!

Ninja Gaiden Sigma 2 Ninja Gaiden Sigma 2 All diese "Verweichlichungen" können aber nur knallharte Fans wirklich abschrecken, die sich auf den Schwierigkeitsgrad freuten und nach Abschluss des Spieles natürlich auch Stolz auf die glanzvolle Leistung sein konnten. Die Kehrseite ist aber, dass "Ninja Gaiden Sigma 2" nun deutlich mehr Spielern so richtig Spaß machen wird und somit ein wesentlich breiteres Publikum anspricht. Das Gameplay kommt deutlich flotter und angenehmer rüber und wirkt schlichtweg nicht mehr derart frustrierend. Den Tod wird man dennoch stets vor Augen haben und hin und wieder auf das Speichersystem zurückgreifen müssen. Und wer nach wie vor auf der Suche nach der ultimativen Herausforderung ist, darf sich gerne den höheren Schwierigkeitsgraden bedienen. Denn diese stellen auch auf der PS3 kein Zuckerschlecken mehr dar!

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