Der Port von der Konsole auf den Handheld ist den Entwicklern von Hydravision mehr als ordentlich gelungen.
Geteiltes Leid ist doppelte Freud
Obscure: The Aftermath
Ein besonderes Feature von den bisher veröffentlichten Obscure-Titeln war der kooperative Zweispielermodus, mit dem man sowohl auf den Konsolen, als auch auf dem PC, sich zu zweit der Monsterjagd widmen durfte. Dieses überaus gelungene Feature wurde selbstverständlich mit in die PSP-Umsetzung integriert. Im Gegensatz zu den Konsolen- und PC-Versionen können beide Akteure auch unabhängig voneinander sich in den einzelnen Levelpassagen bewegen, da konsequenterweise für den Zweispielermodus auch zwei Handhelds (und leider auch zwei UMD's) benötigt werden und man dank zweier Bildschirme auch getrennte Wege gehen kann. Leider unterstützt The Aftermath keinerlei Onlinefunktionen, sodass ihr euch nur mittels Ad-Hoc mit einem Freund in unmittelbarer Umgebung gemeinsam gruseln könnt. Wer indes keinen Partner findet, wird sich hingegen mit der CPU-KI beschäftigen müssen, die allerdings in speziell engen Passagen oft die schlechte Angewohnheit hat im Wege zu stehen. Außerdem heilen sich die angeschlagenen CPU's nicht selber, sodass ihr stets wie eine fürsorgliche Krankenschwester auf den Gesundheitszustand achten solltet und gegebenenfalls die Charaktere mittels Dreieckstaste tauschen solltet, um dann das rettende Medipack oder den erfrischenden Energiedrink zu verabreichen. In den Kämpfen hingegen zeigt sich die KI von ihrer besseren Seite, insofern man seinen Partner mit den passenden Waffen versorgt.
Obscure: The Aftermath
Als ein klein wenig problematisch kann sich hin und wieder auch die Verteilung der Speicherpunkte erweisen. Wie auch schon auf Konsole und PC, ist es nicht möglich zu jederzeit individuell zu speichern, sondern ist man auch hier auf schwarze Blumen an der Wand angewiesen, die in einigen Fällen allerdings optisch gar nicht richtig wahrgenommen werden und somit manchmal Frust entsteht, wenn man ellenlange Abschnitte wiederholen muss. Wiederholte Laufwege können zudem auch dann auftreten, wenn sich die gesamte Gruppe an einem Sammelpunkt befindet und wir uns individuell entscheiden müssen, mit welchen zwei Mitgliedern wir den nächsten Akt bestreiten. Worüber man sich hingegen freuen darf, sind kleinere Bonusinhalte wie Bilder im Anime-Look, Artworks und auch den kompletten Soundtrack, den ihr nach Freischaltung der einzelnen Kapitel im Hauptmenü abrufen und genießen könnt.
Gruselige Technik?
Obscure: The Aftermath
Blicken wir zu guter Letzt ein wenig auf den technischen Aspekt der PSP-Umsetzung zu The Aftermath, die im Gegensatz zur PC- und PS2 Version auf den ersten Blick etwas frischer und nicht ganz so angestaubt wirkt. Die einzelnen Areale wie beispielweise ein Krankenhaus, ein düsterer Friedhof oder auch der Campus wurden erstaunlich hübsch beziehungsweise gruselig und zum Teil richtig blutig gestaltet. Selbst kleinste Details lassen sich auf dem TFT-Bildschirm noch sehr präzise erkennen, was speziell beim Auflesen von Munition, Vorratspacks und Hinweisen nicht von unentscheidender Rolle ist, lediglich die Charaktermodelle wirken speziell in den Gesichtszügen wie Schaufensterpuppen, oder als wären sie schon tot, bevor sie gestorben sind. In besonders düsteren Arealen hilft uns hingegen ein Taschenlampenlicht, welches ähnlich gut wie bei Silent Hill: Origins die dunklen Ecken ausleuchtet, ohne dabei das komplette Areal in einen voll beleuchteten Festtagssaal zu verwandeln. Ebenso erstaunlich gut präsentieren sich die eingespielten Cut-Szenen, die zwar nicht ganz an die Qualität eines God of War: Chains of Olympus herankommen, aber immer noch als überdurchschnittliches PSP-Niveau bezeichnet werden dürfen. Zudem läuft die Grafik stets flüssig, nur auf vermehrte (allerdings recht kurze) Ladezeiten solltet ihr euch einstellen, die allerdings ohne weiteres noch zu verschmerzen sind und den Spielfluss nicht bemerkenswert stören.
Obscure: The Aftermath
Einen gehörigen Anteil am Schauder- und Gänsehauteffekt in Horror-Spielen hat natürlich auch immer die Soundkulisse und auch hier lässt sich Obscure: The Aftermath nicht gerade lumpen. Zwar setzt der Titel nicht unbedingt auf die mitunter klaustrophobischen Klänge, die man beispielsweise in einem Resident Evil 4 oder auch einem Origins auf die Ohren bekam, doch dafür konnte man, wie schon im ersten Teil der Serie, sich die Dienste des Kinderchors der Opera National de Paris sichern. Zudem sorgen vor allem Geigenklänge, die von Hektik geprägt oder auch ruhig und melancholisch beim Zuhörer ankommen, für eine aufregende und wehmütige Musikakustik. Die englische Sprachausgabe orientiert sich hingegen an dem Beispiel der Teenie-Horror-Filme, sprich selbst in den schlimmsten und aussichtlosen Situationen hat jeder Freak noch einen sarkastischen Spruch auf den Lippen, welcher stellenweise auch unter der Gürtellinie landet.
