Overlord im Gamezone-Test

Test Gonzo09

Overlord ist der unkonventionellste und unterhaltsamste Ausflug in die dunkle Seele des Fantasyfreunds seit Dungeon Keeper.

Große Areale mit kleinen Hindernissen

Overlord Overlord Dafür ist es natürlich essentiell, dass man eine Horde aus vier verschiedenen Gruppen gut koordinieren kann. Es macht wenig Sinn eine Truppe aus Braunen und Blauen gleichzeitig gegen eine Horde betrunkener Zwerge ins Feld zu schicken, denn dann sind die Blauen als erste am Boden und nicht in der Position den gefallenen Braunen aufzuhelfen. Daher kann jede Farbe einzeln gewählt werden. Die so Selektierte ist dann steuerbar, während die anderen treu an der Seite des Overlord bleiben. Diese Wechsel gehen so schnell und bequem, dass der Spieler innerhalb von Minuten perfekt die Truppen im Griff hat. Auch können einzelnen Farben bequem mittels eines einfach zu setzenden Markers in der Landschaft positioniert werden, an dem sie dann geduldig auf die Rückkehr ihres Herrschens warten. Auf diese Weise lassen sich zum Beispiel Wasserareale mit ein paar Blauen auskundschaften, ohne dass die Braunen sich gleich mit in Fluten stürzen (was sie für ihren Herrscher natürlich tun würden, Befehl ist Befehl). Mittels Anvisierens lassen sich auch einzelnen Minions losschicken, z.B. um eine instabile chemische Verbindung vor dem Tor der feindlichen Festung zu platzieren, ein Aufgabe, die man wohl kaum persönlich erledigen möchte.

Overlord Overlord Die Aufgaben und Rätsel sind allerdings selten auf dem Niveau eines ausgewachsenen Action-Adventures, denn mit auch nur kurzem Nachdenken wird jeder relativ schnell auf die Lösung einer bestimmten Situation kommen. Schwieriger ist es da schon überhaupt den Weg in den großen und verzweigten Leveln zu finden, denn von linear kann man bei Overlord kaum sprechen. Es gibt fast immer mehrere lose Enden und Areale, an denen man sich versuchen kann, leider aber keine Automap, die dies unterstützen würde. Das Endziel ist natürlich die Weltherrschaft, für weniger würde man als Metalcoverabziehbild wohl kaum morgens aufstehen, und damit die Vernichtung der sieben degenerierten Helden, aber auch zahlreiche kleine Subplots erheitern eure dunkle Seele. Die meisten davon drehen sich allerdings darum, diverse Dinge in euren dunklen Turm zu zerren und diesen wieder auf Vordermann zu bringen. So kommt man dann mit der Zeit von einer runtergekommen Bruchbude schließlich zu etwas, für das man Isengart sofort in Zahlung geben würde. Ein guter Dungeon gehört genauso dazu, wie eine Schmiede oder die privaten Gemächer, in denen wir unser dunkles Burgfräulein treffen können, ihre vorangehende "Rettung" natürlich vorausgesetzt.

Fleißarbeit: Minion- und Goldhorten

Overlord Overlord Was aber noch wichtiger ist, als nur eine gut ausgestatte Hütte zu haben, oder vielmehr eine hundert Meter hohe schwarze Feste der Nacht um genau zu sein, sind zahlreiche Minions, die die Eroberung voranbringen und Gold um das alles zu bezahlen. Gold schafft man auf den Streifzügen heran, die Minions dagegen werden aus der Lebensenergie von Lebewesen gewonnen. Ihr habt doch nicht gedacht, dass man als finsterer Overlord politisch korrekt an die kleinen Racker kommt? Wer schnell und viele Minions haben will, sollte sich eine Wiese mit einer Schafherde suchen und diese ohne Reue niedermachen, auch ein Feld mit Feuerkäfern oder kleinen Seeelfen ist ein beliebtes Sammelgebiet führender schwarzer Herrscher. Die Seelen werden dann direkt dem Minionvorrat hinzugefügt, die über in der Landschaft verteilte Brunnen angezapft werden können. Die Kleinen lassen sich aber auch anderweitig verwerten, denn Rüstung und Bewaffnung des Overlord muss zwar erst einmal gekauft werden, den richtigen Kick kriegt sie aber erst, wenn Minionseelen in den Prozess miteinfließen und zwar nicht zu wenige.

Overlord Overlord Darin liegt auch eines der größten Probleme des Spiels, denn um die Massen an Minions und Gold heranzuschaffen, um die wirklich guten Items schmieden zu können oder auch nur die späteren Level zu überstehen, sind zahllose Ausflüge in bereits besuchte Level vonnöten. Dabei entdeckt man zwar auch häufig genug ein paar Kleinigkeiten, die man beim ersten Mal verpasste, aber auch das lässt mit der Zeit natürlich nach, so dass der zehnte Besuch aus einer Schafweide sich dann nicht mehr ganz so frisch anfühlt. Passionierte Jäger und Sammler haben es hier auf jeden Fall besser als linear orientierte Spieler, die einfach nur weiterkommen wollen. Denen dürfte dann auch die Möglichkeit, den Turm mit allen möglichen Krimskrams für viel Geld auszustaffieren relativ egal sein, da nichts davon wirklich Einfluss auf das Spielgeschehen hat. Es ist leider letztlich auch egal, ob man die Bevölkerung eines Dorfes zu ihren Ahnen schickt oder doch lieber am Leben lässt, denn völlig unerklärlicherweise ist den Verschonten der Begriff einer Steuerabpressung, wie es sich ja eigentlich für ein Reich des Bösen gehört, genauso unbekannt wie dem Overlord selbst. Hier wäre deutlich mehr spielerisches Potential herauszuholen gewesen. Trotzdem bleibt mehr als genug Substanz übrig, was an der umfangreichen Solokampagne und deren gewaltigen Leveln liegt. Diese sind auch keineswegs nur Masse und keine Klasse, denn jede Ecke der Welt macht einen durchdachten und geplanten Eindruck, etwas, was bei einem Areal dieser Größe ja nicht selbstverständlich ist.

Zwei Overlords ist einer zuviel: Schwacher Multiplayer

Overlord Overlord Während man also im Solomodus mit Erobern und Horten gut beschäftigt ist, sieht es auf der Multiplayerseite schon wesentlich dünner aus. Gerade mal zwei Modi mit jeweils zwei Karten stehen zur Verfügung, wobei der Deathmatch-Modus, in dem man mit seinen Minionhorden zum Beweis antritt, dass man selbst der einzig wahre Lord der Nacht ist. Der CoOp-Mode lässt zwei Overlords miteinander gegen das Regime des Lichts kämpfen, zwar ohne Aussicht auf einen finalen Sieg, aber so lange es halt geht. Die beiden Modi weisen wenig von dem geschickten Spieldesign des Soloteils mit dem Einsatz der verschiedenen Minions auf und laufen mehr auf recht monotone Metzelorgien hinaus. Dies ist für kurze Zeit und immer mal wieder Zwischendurch sehr launig, aber es ist nichts womit sich ein angehender Schrecken des Landes die ganze Nacht beschäftigen würde. Das Gesamtpaket, das hier von Codemasters geschnürt wurde stimmt aber, denn schließlich ist ja Overlord in erster Linie ein Solospiel und so betrachten wir den Multiplayer mal wohlwollend als vorhanden und ganz brauchbar.

Das Böse: gut kontrollierbar aber nicht immer sichtbar

Overlord Overlord Über die Steuerung kann man allerdings nicht sagen, dass sie ganz brauchbar ist. Das wäre nämlich gemein gegenüber einer der ausgetüftelsten, intuitivsten und trotzdem vielseitigsten Steuerungen, die bisher ersonnen wurden. Die Programmierer hatten mit dem Problem zu kämpfen, dass man zwei Wesen, nämlich den Overlord und die Horde getrennt voneinander bewegen muss. Dazu muss die Miniongruppe in sich auch noch verwaltbar sein. Ich bin fest davon ausgegangen, dass Codemasters hier versagen würde und es tut wirklich gut, wenn man gelegentlich mit der eigenen Einschätzung komplett danebenliegt. Innerhalb von Minuten geht die Bedienung der beiden Elemente ins Blut über und auch komplexe Aktionen mit zwei Minion-Gruppen lassen sich geschickt koordinieren. Da wollen wir es mal nicht zu schwer ankreiden, dass die Kameraführung gelegentlich zickig wie eine Burgmätresse ist, denn die Ausrichtung über den rechten Stick fällt hier zwangsläufig flach. Statt dessen muss der Overlord in die gewünschte Richtung gedreht und dann die Kamera auf Knopfdruck zentriert werden. Es gibt Momente wo man darüber flucht, aber zum Glück nicht allzu viele.

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