Was mit einem Spiel passieren kann, wenn es unter enormen Zeitdruck fertig gestellt werden muss, lest ihr in unserem Test.
Alles eine Frage des Schwierigkeitsgrades
Perfect Dark Zero
Da staunten wir nicht schlecht, als nach nur guten fünf Stunden Spielzeit der Abspann über den HDTV-Bildschirm flimmerte. Dies wäre selbst für das beste Spiel der Welt deutlich zu kurz und "Perfect Dark Zero" ist weit davon entfernt. Allerdings wurden wir schnell eines Besseren belehrt, als wir mit dem zweiten Durchgang auf dem normalen Schwierigkeitsgrad angefangen haben: Die Spielzeit dürfte bereits auf "Normal" bei locker 8-10 Stunden liegen, da sich nicht nur die Treffsicherheit der Feinde drastisch erhöht, sondern auch das Leveldesign stellenweise eine völlig andere Vorgehensweise erfordert. So werden die Überwachungskameras auf "Schwer" plötzlich zufällig in den Levels verteilt, was jeden Anlauf vor neue Herausforderungen stellt. Auch muss man vom taktischen Deckungs-Feature bei jedem noch so kleinen Feuergefecht Gebrauch machen, sonst ist man bereits nach ein paar Sekunden und damit Treffern erledigt. Irgendwie bekommen die ganzen Agenten- und Schleichfeatures des Spiels erst auf einem höheren Schwierigkeitsgrad eine wahre Bedeutung und erfordern ein äußerst vorsichtiges und gut geplantes Vorgehen. Sogar die Minispielchen zum Schlösserknacken werden dann deutlich kniffliger und das Erreichen der einzelnen Missionsziele ist absolut keine Selbstverständlichkeit mehr.
Schon auf "Normal" hatten wir bereits nach kurzer Zeit ziemlich am Schwierigkeitsgrad des Spiels zu beißen und da es lediglich einen einzigen Checkpunkt zur Halbzeit der Missionen gibt, kommt auch schnell mal ein unschönes Frustgefühl auf. Aus diesem Grund werden wohl viele von euch unseren Fehler machen und das Spiel nach den ersten vier Missionen auf "Einfach" weiterspielen und dann innerhalb viel zu kurzer Zeit das Ende der belanglosen Story erlebt haben. Da die erreichte Punktzahl für jede einzelne der 13 Missionen in einer Rangliste auf Xbox Live gespeichert wird, bleibt die Motivation trotzdem recht hoch: In den Ranglisten sieht man schnell, dass es dort draußen tatsächlich übermenschlich gute Spieler gibt, die diesen Brocken bereits auf dem schwersten Schwierigkeitsgrad (Dark Agent) bezwungen haben - Respekt!
Deutlich mehr Spaß im Mehrspielermodus
Perfect Dark Zero
Der Schwierigkeitsgrad von "Perfect Dark Zero" könnte also glatt als ziemlich unausgewogen bezeichnet werden, dann auf "Einfach" ist man blitzschnell durch und auf "Schwer" hat man eigentlich keine Chance. Abhilfe schafft in diesem Fall der mehr als gelungene Koop-Modus: Nicht nur per Splittscreen und System-link, sondern auch über Xbox Live kann man sich gemeinsam mit einem Freund den Gegnern in den Weg stellen. Dann werden auf einmal unmögliche Situationen gut schaffbar und man merkt endlich, wofür die Entwickler in manchen Levels zwei verschiedene Wege integriert haben: Per Headset hat man sich schnell abgesprochen und kämpft sich von zwei Seiten aus durch die gegnerischen Stellungen. Plötzlich werden die unspektakulären Solomissionen wieder attraktiv und man stürzt sich, zusammen mit menschlicher Unterstützung, überraschend motiviert in den Kampf.
Perfect Dark Zero
Aber auch die restlichen Qualitäten des enthaltenen Mehrspielermodus wissen vom Fleck weg zu überzeugen. All die vielen verschiedenen Waffen entfalten dann erst ihre taktisch vielschichtigen Finessen und aufgrund vieler verschiedener Spielmodi kommt so schnell keine Langeweile auf. Natürlich werden dabei handelsübliche Spielmodi wie "Deathmatch", "Team-Deathmatch", "Capture the Flag" und "Domination" geboten, bei denen ihr euch mit bis zu 32 Spielern (auch Bots) auf sechs verschiedenen Spielkarten austoben könnt. Die Anzahl der Maps ist natürlich nicht gerade üppig, jedoch sind sie in verschiedenen Größen (je nach Spielmodus und Spielerzahl) vorhanden und über Xbox Live sollen schon bald neue Spielkarten hinzukommen. Der große Knaller sind allerdings die Darkops-Spielmodi: Hier hat man sich zwar deutlich bei "Counter Strike" inspirieren lassen, jedoch strahlen die vier teambasierten Spielmodi einen völlig eigenen Charme aus.
Perfect Dark Zero
Besonders gut hat uns dabei die Spielvariante "Infektion" gefallen: Hierbei geht es grundsätzlich jeder gegen jeden, allerdings sind die Teilnehmer in zwei unterschiedlich große Gruppen aufgeteilt: Infizierte und nicht infizierte Spieler. Sobald ein Mitspieler das Zeitliche segnet, wird er automatisch Mitglied der skelettförmigen Virusträger und macht fortan gemeinsam mit ihnen auf alle verbliebenen "normalen" Spieler Jagd. Hierbei kommt es regelmäßig zu gut verschanzten Teams, die sich ein einzelnes Haus oder einen verwinkelten Gang als Basis genommen haben und versuchen müssen, bis zum Ende der Spielrunde zu überleben. Das kleine Radar am oberen Bildschirmrand zeigt euch die Gegner als roten Punkt an, allerdings nur dann, wenn diese gerade von ihrer Waffe Gebrauch machen. Somit ist man immer bestens informiert, wo es gerade zur Sache geht und ist selbst die meiste Zeit damit beschäftigt, sich möglichst unauffällig zu verhalten. Aber nicht nur "Infektion" macht überraschend viel Spaß, auch "Sabotage", "Auslöschung" und "Gemetzel" sind rundenbasierte Teamspiele, die nach einem gut organisierten Team verlangen. Während man bei "Sabotage" das Eigentum des Gegners taktisch gezielt zerstören muss, ist bei "Gemetzel" wieder ein Team das Gejagte und muss sich vor den Angriffen der Gegner sicher verschanzen. Schließlich gibt es noch die Variante "Auslöschung" bei der ganz einfach das Team gewinnt, das am Schluss noch die meisten übrig gebliebenen Spieler zählt. Alle Spielmodi bieten wie schon "Counter Strike" zu Rundenbeginn die Möglichkeit verschiedene Waffen und Rüstungen zu kaufen, das virtuelle Konto wird anschließend mit erledigten Gegnern und gewonnenen Runden wieder aufgestockt.
Selbstverständlich wird der überraschend gut gelungene Mehrspielermodus von umfangreichen Ranglisten flankiert und dank der neuartigen Spielerkarten-Funktion hat man jederzeit eine ideale Übersicht über die aktuellen Mitspieler und kann sie bei Bedarf sogar Bewerten und ganz einfach der eigenen Freundesliste hinzufügen. Auch hat der Titel viele freischaltbare Erfolge zu bieten, wovon allerdings ein Großteil für Mehrspieler-Errungenschaften reserviert ist. Nicht nur daran merkt man sehr deutlich, dass die Entwickler mit "Perfect Dark Zero" anscheinend in erster Linie einen guten Mehrspieler-Shooter realisieren wollten und der Einzelspielermodus während der kurzen Entwicklungszeit nur sehr stiefmütterlich behandelt wurde.
NextGen-Grafik oder technisch schwacher Starttitel?
Perfect Dark Zero
Mit der Grafik von "Perfect Dark Zero" verhält es sich ganz ähnlich wie mit der Story des Spiels: Das Ganze wirkt irgendwie nicht ganz fertig und leidet stellenweise unter eklatanten Mängeln. So sehen beispielsweise die detail- und farblosen Charaktere aus nächster Nähe nur sehr durchschnittlich aus, sogar "Halo 2" hatte in dieser Hinsicht deutlich mehr auf dem Kasten. Zudem ist die gesamte Grafik mit einem übermäßig stark eingesetzten Glanzeffekt überzogen, was nicht nur die Darsteller, sondern auch die Umwelt wie mit Öl übergossen aussehen lässt. Ähnliches konnte man zwar auch in "Kameo" an einigen Stellen beobachten, jedoch hat man dort solche NextGen-Blendereien nur sehr behutsam eingesetzt und die restliche Grafik war im Gegensatz zu "Perfect Dark Zero" wirklich liebevoll gestaltet und künstlerisch anspruchsvoll. Natürlich werden einem in Joanna Darks Abenteuer hochauflösende Texturen und eine messerscharfe HDTV-Grafik geboten und auch die Explosionen, die Wassereffekte und mit Bump-Mapping überzogene Wände demonstrieren, wie die neuen Standards in Sachen NextGen-Grafik aussehen. Leider hat Rare "Perfect Dark Zero" nicht genügend polieren und von unschönen Fehlerchen befreien können, denn anders lassen sich die häufigen und sehr deutlichen Ruckler nicht erklären. Zudem wirkt die Grafik farblich und vor allem in Sachen Helligkeit oftmals nicht ganz ausgewogen: Das tolle NextGen-Feature des HDR-Renderings simuliert nach hellen Explosionen durch ein abgedunkeltes Bild kurzzeitig einen Blend-Effekt, sorgt allerdings auch dafür, dass man die ohnehin schlecht erkennbaren Gegner überhaupt nicht mehr sieht. Gravierend ist dieses Problem zwar nicht, allerdings ein weiteres Indiz dafür, dass Rare die neuen Möglichkeiten der Technik an den falschen Stellen und in übertriebenen Maßen zum Einsatz gebracht hat.
Zusammenfassend kann man die Optik von "Perfect Dark Zero" im besten Fall noch als "nicht ganz fertig, aber bemüht" bezeichnen. Etwas besser sieht es da schon mit dem Sound aus: Das Titellied und auch viele Songs im Menü und im Spiel selbst sind erste Sahne und schreien geradezu nach einem separat erhältlichem Soundtrack auf Audio-CD. Auch die Waffengeräusche sind knackig und passen sehr gut zu den vielen unterschiedlichen Schießprügeln. Wie bereits angesprochen, ist die deutsche Vertonung der Charaktere leider alles andere als gelungen, denn durch die gelangweilten und unpassend ausgewählten Sprecher wird die unfreiwillig komische Story noch schlechter als sie ohnehin schon ist und jedes Fünkchen von aufkommender Atmosphäre wird sofort im Keim erstickt. Zwar lässt sich das Spiel durch eine Umstellung um Dashboard auch auf englische Sprachausgabe umstellen, sonderlich viel besser ist diese aber leider auch nicht ausgefallen.
