Der Prinz kehrt nicht nur spielerisch zu seinen Wurzeln zurück. Ein echter Pflichtkauf!
Königliche Klettereinlagen
Prince of Persia 3: The Two Thrones
Eines der überzeugendsten Eigenschaften der Serie waren von Anfang an die Schwindel erregenden Klettereinlagen des gelenkigen Hauptdarstellers. Immer noch springt der Prinz so elegant wie kein anderer Polygonheld durch die trickreich gestalteten und mit riskanten Fallen gespickten Räume. Die Sprungeinlagen sind diesmal sogar noch kniffliger ausgefallen und benötigten nicht selten eine präzise Planung mit Hilfe der verschiedenen Kameraeinstellungen. Die Kreativität der Entwickler ist auch bei der verbauten Kletterkunst noch lange nicht am Ende und so haben die kanadischen Tüftler für dieses Abenteuer sogar diagonale Wandsprünge realisiert; außerdem kann sich der Prinz nun an bestimmten Stellen in der Wand mit seinem Dolch festhalten und zu einem erneuten Wandlauf oder Sprung ansetzen. Dies hört sich jetzt vor allem für Neueinsteiger vielleicht etwas kompliziert an, ist jedoch dank perfekter Steuerung immer noch so intuitiv und präzise spielbar wie einst in "Sands of Time". Auch die schwierigsten Fallen und Kletteraufgaben sind mit einer ruhigen Hand und einem klaren Kopf leicht schaffbar, das Spiel wird zu keiner Zeit unfair oder unangenehm schwer. Ein wichtiger Grund dafür ist natürlich die aus dem Vorgänger übernommene und punktgenaue Steuerung samt automatischer Kamera, welche absolut keine Wünsche offen lässt.
Prince of Persia 3: The Two Thrones
Ganz besonders die Fans des ersten Teils werden den deutlich erhöhten Fokus auf die Klettereinlagen und mit Fallen gespickten Gänge zu schätzen wissen, ganz besonders in Verbindung mit dem gelungenen Speed-Kill-System. Es ist immer wieder aufs Neue erstaunlich, wie die Entwickler derart knifflige und haarsträubende Geschicklichkeitstests auf den Dächern Babylons realisieren konnten und das Ganze dabei trotzdem zu jederzeit derart gut spielbar und irgendwie auch realistisch geblieben ist. Zusätzliche Abwechslung wurde diesmal aber auch in Form spannender Wagenrennen im Stil von "Ben Hur" integriert. An ein paar Stellen im Spiel schnappt sich der Prinz einen Streitwagen und rast damit die Straßen der Stadt entlang. Die Steuerung ist während dieser ziemlich kniffligen Minigames allerdings etwas fummelig ausgefallen und wer erfolgreich durch die engen Gassen und an gegnerischen Pferdewagen vorbei rasen möchte, benötigt auf jeden Fall mehrere, teils sogar etwas entnervte Anläufe. Glücklicherweise steht euch der Sand der Zeit auch in diesen Levels zur Seite und ihr könnt die tödliche Bekanntschaft mit einer Mauer ganz einfach per Tastendruck ungeschehen machen.
Packende Bosskämpfe
Prince of Persia 3: The Two Thrones
Neben den fordernden aber immer fair bleibenden Umweltpuzzles zählen in "The two Thrones" wohl ganz besonders die Kämpfe gegen die riesigen Endgegner zu den Höhepunkten des Spiels. Doch auch während dieser Kämpfe sind es weniger die schnellen Reflexe als die benötigte Angriffstaktik, die letztendlich zum Sieg führt. Alleine schon der erste Obermotz muss zuerst durch mehrere Klettereinlagen und anschließende Speed-Kills seines Augenlichts beraubt, danach durch ein paar Schläge auf seine Fersen zu Fall gebracht und schließlich mit einem abschließenden Speed-Kill erledigt werden. Derart aufwendig inszenierte und anspruchsvolle Endgegner warten an mehreren Stellen im Spiel auf euch, die eintönigen Zwischenbosse des Vorgängers hat man glücklicherweise entfernt. Allerdings werden auch die Bosskämpfe im Laufe des Spiels ziemlich knackig und ganz besonders ein Kampf gegen zwei riesige Berserker gleichzeitig wird vielen Spielern als großer Frustmoment in Erinnerung bleiben. Zumal man kurz vor diesem extrem schweren Kampf ein extrem kniffliges Wagenrennen absolvieren muss, welches bereits ordentlich am Nervenkostüm zerrt. Diese Situation fällt deshalb so sehr aus der Rolle, weil sie absolut untypisch für den Rest des nahezu perfekt durchachten Spiels ist. Man konzentriert sich während der ersten acht Spielstunden eigentlich voll und ganz auf das fordernde aber immer faire Klettern, weshalb manche Spieler mit diesem sehr plötzlichen und zudem ziemlich knackigen Kampf etwas überfordert sein könnten.
Insgesamt wird man das abschließende Abenteuer des persischen Prinzen in ca. 10-12 Stunden durchgespielt haben. Nach dem fantastischen Ende könnt ihr euch noch in der großzügig angelegten Bilder- und Videogalerie umsehen und neues Bonusmaterial mit eingesammelten Sandkrediten freischalten. Wer also im Laufe des Spiels genau auf seine Umgebung achtet und alle versteckten Schatzkisten und Geheimräume ausfindig macht, freut sich nach dem Ende über eine deutlich erweiterte Bonusgalerie.
Die Technik: Eine orientalische Schönheit
Prince of Persia 3: The Two Thrones
Natürlich setzt auch "The two Thrones" auf die viel gelobte Grafikengine der beiden anderen Teile und genau aus diesem Grund kann das Spiel auch zum dritten Mal in Sachen Optik voll und ganz überzeugen. Neben den architektonisch wunderschön umgesetzten Straßen von Babylon begeistern auch diesmal wieder die vielen kleinen Details wie rieselnder Staub, bröckelnde Plattformen, schimmerndes Licht oder einfach nur meisterlich texturierte Wände. Der gesamte optische Stil orientiert sich endlich wieder am wunderschönen, ersten Teil der Serie und anstelle der mausgrauen Insel der Zeit erwarten euch endlich wieder gigantische Tempelanlagen der alten Perser, orientalisch inspirierte Innenhöfe und sogar die hängenden Gärten von Babylon. Auch spielt sich ein großer Teil des Spiels unter freiem Himmel ab und der Prinz turnt dabei über die Dächer und durch die Straßen der babylonischen Hauptstadt. Und natürlich macht er dies mit der gleichen Anmut und Eleganz, die er schon im ersten Teil der Serie an den Tag legte. Die handgezeichneten Animationen des gelenkigen Blaublüters sind immer noch eine Augenweide und wurden derart liebevoll entwickelt, dass jedes noch so kleine akrobatische Kunststück bis zur letzten Spielminute überzeugen kann.
Prince of Persia 3: The Two Thrones
Auch musikalisch hat sich einiges getan: Endlich begleiten euch auf der spannenden Reise keine unpassenden Heavy Metal-Klänge mehr, sondern die gewohnt orchestrale Untermalung, welche mit einer großen Prise Orient versüßt wurde. Die aufwendig produzierten Stücke haben absolutes Kino-Niveau und werden in den entscheidenden Spielsituationen sehr passend eingesetzt. Die Atmosphäre von "The two Thrones" ist dank hervorragender Klangkulisse und einer nicht minder schönen Grafik endlich wieder genau so, wie man sie sich in einem Spiel rund um den persischen Prinzen vorstellt. Auch bei der Lokalisierung wurde nicht gekleckert und man hat für den Hauptdarsteller ein weiteres Mal die deutsche Stimme von Johnny Depp ans Mikrofon geholt. Aber auch die anderen Sprecher können überzeugen und bringen die diesmal wieder deutlich wichtigere Story gekonnt in Gang.
Nicht gerade üblich, aber auch deshalb umso erfreulicher ist die Unterstützung von "Progressive Scan". Wer also einen modernen Fernseher oder einen Beamer mit Komponenten-Eingang besitzt, darf das Spiel in dieser deutlich schärferen Darstellung erleben. Leider ist das System zum Speichern des Spielstands weniger vorbildlich ausgefallen: Anstelle eine Option zum automatischen Speichern zu integrieren, nerven einem die Entwickler mit mehrfachen und völlig unnötigen Sicherheitsabfragen beim Speichern. Heutzutage ist so etwas auch im Hintergrund und ohne Eingriffe seitens des Spielers möglich, warum Ubisoft in dieser Hinsicht immer noch auf den veralteten Standard setzt, ist uns ein Rätsel. Was allerdings an unnötiger Speicherzeit hinzukommt, fällt bei den Ladezeiten auch wieder weg: Wie bei seinen Vorgängern, wird auch bei diesem Teil der Serie nur einmal zu Beginn des Spiels geladen, danach werden alle weiteren Daten unauffällig im Hintergrund in den Speicher geschaufelt.
