Keine bisher erhältliche Fußballumsetzung hat den Ablauf zwischen Ballphysik und Spielerbewegung so gut im Griff.
Xbox360: Was EA kann, kann Konami schon lange - Beschnittener Next-Gen-Umfang
Pro Evolution Soccer 6
Soweit die PS2-Version und deren Umfang. Ganz anders - erheblich dürftiger - sieht es bei der Xbox360-Umsetzung aus. Zwar wurden hier in punkto Teams und lizenzierte Mannschaften die PS2-Inhalte beibehalten, dafür setzte Konami bei den Modi - nach dem EA-Vorbild - kräftig den Rotstift an. Das Menü zeigt sich daher logischerweise deutlich übersichtlicher. Wer die beiden Modi "internationale Herausforderung" und "Überraschungsspiel" sucht, wird auf der Umsetzung für die MS-Konsole nicht fündig werden, denn sie wurden einfach nicht integriert. Aber was man nicht kennt, geht einem vielleicht auch nicht ab. Anders sieht es da schon beim bekannten Training und vor allem dem sehr beliebten Editier-Modus aus. Bei ersteren wurden sämtliche Herausforderungen gestrichen, was den Modi mehr oder weniger zu einer dürftigen "Probekickerei" verkommen lässt. Noch schlimmer hat es den Bearbeitungsbereich getroffen. Einzig der Name der Spieler und ein paar ihrer Attribute können geändert werden, das war's. Keine Logos, keine Schuhe, kein Stadion und kein Team kann editiert werden. Damit ist auch klar, dass man bei "PES 6" für die Xbox360 mit den meisten verfremdeten Namen und Objekten einfach leben muss. Als ob dies noch nicht genügen würde, haben sich die Entwickler aber noch zu mehr Beschneidungen der Next-Gen-Version entschlossen. So werdet ihr auf der Xbox360 nur 10 Stadien, im Gegensatz zu ganzen 30 auf der PS2, betrachten können und auf eine Speicherfunktion der Wiederholung, sowie das Belohnungssystem samt Shop (also keine freischaltbare Goodies) komplett verzichten müssen. Schade, denn dadurch verliert diese Version doch enorm an Tiefe und Spielspaß.
Die Grafik bleibt das Sorgenkind
Pro Evolution Soccer 6
Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Grafik bleibt auch heuer deutlich hinter der Konkurrenz zurück. Auch auf der Xbox360. Während die PS2 in "gewohnter Qualität" daherkommt, was soviel heißt, als dass ihr auch heuer eine Unzahl von tollen Animationen, eine ziemlich schwache Hintergrundgrafik bzw. Stadiengestaltung, passende Wettereffekte und Flimmer an jeder Ecke betrachten könnt, erwartete man bei der neu entwickelten Grafikengine für die Next-Gen-Hardware dann doch deutlich mehr "Optik". Trifft in vielen Bereichen ja auch zu, leider aber nicht in allen. So werdet ihr auf der leistungsfähigen Konsole mit noch mehr und noch flüssiger ablaufenden Animationen verwöhnt - wie etwa die beidfüssige Ballbehandlung, Torhüter, die sich auf den Ball bzw. den heranstürmenden Spieler stürzen, Tacklings, die den Namen auch verdienen und noch vieles mehr. Ja, die Animation der Protagonisten ist wirklich toll gelungen. Aber nicht nur die. Auch das Schiedsrichter-Trio wird vollständig (also samt den beiden Linienrichtern) in der Next-Gen-Version dargestellt. Endlich kommt man in den Genuss eine Abseitsstellung auch optisch angezeigt zu bekommen. Deutlich realistischer zeigt sich auf der Konsole von Microsoft natürlich auch der Rasen. Der Unterschied zum sehr matt wirkenden PS2-Pentanten fällt sofort ins Auge, auch wenn er auf der Xbox360 im allgemeinen etwas zu "weich" wirkt. Doch wenn man ehrlich ist endet hier auch schon die Grafikherrlichkeit, denn viele Unzulänglichkeiten wurden aus der Current-Gen einfach mit übernommen. So müsst ihr euch immer noch mit sehr schwachen Hintergrund- bzw. Stadiengrafiken, Spielermodellen mit Designfehlern, ziemlich blassen Zwischensequenzen und leichten Performanceproblemen auseinandersetzen. Auch der Schnee wurde bei der Xbox360-Version komplett wegrationalisiert. Die Menüs sind zwar moderner als die letzten Jahre und auch einige neue Präsentationselemente geben dem Titel mehr Pep, allgemein wirkt er aber immer noch ziemlich bieder - egal welche Hardwarevariante genutzt wird. So bleibt es wie es schon seit Jahren ist: Gameplay Top - Grafik eher Flop. Ein kleiner Hinweis noch zum Abschluss: Alle Röhren-TV-Besitzer sollten darauf achten, dass die Xbox360-Umsetzung nur 60 Hz unterstützt, während die PS2-Version noch beide Varianten (50 und 60 Hz) zulässt.
Nervige Hintergrundmusik, verbesserter Kommentar und passende Stimmung
Pro Evolution Soccer 6
Vieles ist Geschmackssache und ganz besonders der Bereich Sound oder besser Musikuntermalung. Doch was Konami hier als Hintergrundmusik implementiert hat, ist wirklich der reinste Witz. Während andere Sportspielumsetzungen mittlerweile schon tolle Soundtracks bieten, dudelt bei "Pro Evolution Soccer 6" total verstaubter, sich ständig wiederholender Sound aus den Lautsprechern. Auf Dauer hilft hier wirklich nur der "Aus"-Knopf. Nicht so schlimm, aber immer noch eher unteres Qualitätslevel: Der Kommentar. Zwar wurde hier scheinbar ein wenig an der Verbesserungsschraube gedreht und Wolf Fuß bzw. Hansi Küpper bringen nun deutlich mehr sinnvolle Beiträge, aber insgesamt ist das Kommentatorenduo immer noch äußerst schwach implementiert. Ständige Wiederholungen, monotones "Dahingerede" und unsinnige bzw. schlicht falsche Aussage gehören also immer noch zum Alltag des "PES"-Zuhörers. Ganz anders die Stimmung innerhalb der Stadien. Da wird gepfiffen, gejubelt und gesungen. Zwar fehlen hier die aus "FIFA 07" bekannten originalen Fangesänge und bei "PES 6" klingt alles irgendwie immer gleich, aber trotzdem kann dadurch der nötige Flair erzeugt werden - und wenn wir ehrlich sind mehr braucht es doch nicht.
