Resident Evil 4 (dt.) im Gamezone-Test

Test Alexander Schneider

Nach einer endlos erscheinenden Wartezeit können nun auch PC-Spieler die Präsidententochter vor den Monstern retten.

Immer schön fair bleiben

Resident Evil 4 (dt.) Resident Evil 4 (dt.) Sämtliche Waffen im Gepäck wird man bei so manchem Endgegner auch dringend brauchen, da diese Burschen nicht unbedingt einfach zu besiegen sind. Neben einer zurecht gelegten Taktik benötigt man vor allem schnelle Reflexe wenn mal wieder eine der überraschenden Ausweich-Tastenkombinationen auf dem Bildschirm auftaucht. Besonders bei diesen Kämpfen, aber auch an anderen Stellen im Spiel kann schon mal sehr schnell und unerwartet ein serientypisches "Du bist tot" auf dem Bildschirm auftauchen. Doch im Gegensatz zu der an diesem Punkt normalerweise aufkommenden Enttäuschung, fühlt man sich in "Resident Evil 4" überhaupt nicht bestraft. Dies liegt daran, dass eigentlich jede Tür im Spiel einen kleinen Checkpoint darstellt, zu welchem man nach seinem Ableben sofort zurückgelangt. Besonders lange und aufwendige Endgegnerkämpfe hat man sogar mehrfach mit Checkpunkten gesegnet, also selbst hier muss man nicht wieder von ganz vorne anfangen. Hinzu kommt, dass Speicherpunkte an eigentlich jeder Ecke zu finden sind und für das eigentliche Speichern auch keine Limitierung mehr in Form von seltenen Farbbändern existiert. Man stirbt in "Resident Evil 4" wirklich unglaublich oft, allerdings macht einem dies aufgrund der mehr als fairen Checkpoints überhaupt nichts aus.

Resident Evil 4 (dt.) Resident Evil 4 (dt.) Im Gegensatz zur Gamecube-Version habt ihr bei der PC-Fassung gleich zu Beginn die Wahl zwischen den beiden Schwierigkeitsgraden "Leicht" und "Normal". Aber auch auf der Standard-Einstellung ist kein Endgegner und kein Puzzle wirklich schwer - alles ist sehr gut schaffbar aber dennoch anspruchsvoll und fordernd realisiert worden. Trotzdem kann Resident Evil 4 mit einem mehr als ordentlichen Umfang aufwarten: Satte 17 Stunden benötigten wir für den ersten Durchgang, weitaus mehr als man von der Serie oder typischen Shootern gewohnt ist. Dort, wo bei anderen Spielen dieser Art schon längst der Abspann über dem Bildschirm geflimmert ist, legt ihr bei "Resident Evil 4" erst so richtig los. Und selbst nachdem man sich durch diesen Leckerbissen des Spieldesigns geballert hat, bleibt die Motivation noch ziemlich hoch, da Capcoms Entwickler in bester Tradition vorbildliches Zusatzmaterial integriert haben: Im Bonusspiel "Separate Ways" spielt ihr euch mit einem anderen Charakter (der heißen Agentin Ada Wong) durch mehrere, eigens für sie entwickelte Missionen. Hierbei erfahrt ihr Teile der Story aus einem anderen Blickwinkel und einige der offenen Fragen aus Leons Abenteuer werden hier im Nachhinein beantwortet. Nach dem USK-Chaos um die beiden Bonusspiele in der Gamecube-Version hat sich Capcom auch diesmal nicht auf ein derartiges Experiment eingelassen und der PC-Version wie auch der PS2-Fassung lediglich den umfangreichen Spielmodus "Separate Ways" spendiert.

Gute Umsetzung, leider mit deutlichen Schwächen

Größter Schwachpunkt der PC-Fassung ist die eingangs erwähnte Steuerung, die von Capcom ganz im Stile alter PC-Resident-Evil-Fassungen übernommen wurde. Unverständlich, steuert man doch heutzutage so ziemlich jedes Spiel mit der Maus. Resident Evil 4 geht hier jedoch einen anderen Weg und setzt lediglich auf die Tastatur, eine optionale Gamepad-Steuerung ist möglich und all diejenigen, die ein Gamepad für den PC haben, sollten auch auf dieses zurückgreifen, denn mit Controller steuert sich das ganze auch auf dem PC viel Angenehmer und Präziser. Vor allem das Zielen funktioniert mit dem Controller deutlich besser als mit den Cursor-Tasten.

Resident Evil 4 (dt.) Resident Evil 4 (dt.) Da Resident Evil ja mittlerweile auch für Kinogänger ein Begriff ist, verwundert es nicht, dass Capcoms Entwickler so manchen Hollywood-Streifen als Inspiration verwendet haben. Allen voran John Carpenters "The Thing" und Sam Raimis "Evil Dead" über Neuheiten wie "Jeepers Creepers" bis hin zu unerwartetem wie "Terminator 2" fühlt sich der Filmfan in diesem Spiel bestens versorgt. Kombiniert mit den serientypischen Schock- und Ekel-Elementen und einer filmreifen Präsentation entsteht eine derart dichte Atmosphäre, dass man sich auch diesen Teil der Serie jetzt schon auf der Leinwand wünscht. Die neue Perspektive erforderte erstmalig eine Umsetzung in vollem 3D, diesmal sind also nicht nur die Charaktere, sondern auch die Hintergründe in astreiner, polygonaler Form realisiert worden. Die sind fast so schön wie die gezeichneten Vorgänger, aber so richtig kommt "Resident Evil 4" erst beim Einsatz der spektakulären Spezialeffekte in Fahrt: Ganz besonders hat es uns dabei das Feuer angetan, denn spätestens beim Todeskampf eines "El Gigante" in glühender Lava fühlt man sich sofort an "Terminator 2" erinnert, nur das dies hier um ein vielfaches realistischer aussieht als damals im Film, wenn auch technisch auf dem PC definitv mehr drin gewesen wäre. Detailverliebte Spielereien wie im Wind wehende Vorhänge oder mehr als echt wirkendes Licht, das durch blutverschmierte Fenster fällt gehören genauso mit dazu wie die fantastische Arbeit in Sachen Animation, Architektur und Texturdesign. Dieses glänzt noch dazu mit reichlich Abwechslung, denn das neblige Dorf zu Beginn des Abenteuers ist lange nicht die einzige schön in Szene gesetzte Umgebung die ihr im Laufe des Spiels passieren werdet. Ganz besonders im letzten Drittel des Spiels überschlagen sich die Entwickler geradezu mit optischen Höhepunkten und man ist immer wieder aufs Neue begeistert wie dies alles in 3D realisiert werden konnte.

Auf der Konsole bewies Capcom ja bereits, was technisch möglich ist. Die GameCube- als auch die PS2-Fassung treiben die jweilige Konsole an ihre Grenzen, da verwundert es umso mehr, das man bei der PC-Fassung abgesehen von der höheren Auflösung nichts geändert hat, selbst die vielen verwaschenen Texturen finden sich in der PC-Fassung wieder. Das die Grafik nicht verbessert wurde, tut der Atmosphäre des Spiels zwar keinesfalls einen Abbruch, jedoch ist es Schade, das man die Möglichkeiten in keinster Weise ausgenutzt hat. Am komischsten stößt da noch die Tatsache auf, dass das Spiel selbst zwar eine höhere Auflösung hat, die Videosequenzen aber offensichtlich mit einer niedrigeren Version laufen, als das Spiel, denn die vielen Sequenzen sind von Treppchenbildung und Unschärfe geprägt.

Die bereits erwähnte Widescreen-Vorgabe wird sicherlich nicht jedermanns Sache sein, allerdings ermöglicht diese auch ein größeres Sichtfeld. Die musikalische Untermalung des blutigen Spektakels ist in einigen Situationen sehr gut gelungen, manchmal wiederholen sich die Stücke aber zu oft und werden der visuell aufgebauten Atmosphäre nicht ganz gerecht. Hier wäre noch ein Stück mehr drin gewesen. Die stimmige Geräuschkulisse macht dieses akustische Manko aber wieder wett, da die satten Waffengeräusche und die gruseligen Laute der Gegner euch sicher noch lange in Erinnerung bleiben werden.

Resident Evil 4 (dt.) Resident Evil 4 (dt.) Das Geschehen auf dem Bildschirm ist nicht nur realistischer und schöner denn je, auch der Grad an Gewalt und Blut erreicht in "Resident Evil 4" eine neue Höchstmarke. Nicht nur eure Gegner verlieren mitunter gleich mehrere Körperteile und Hektoliter Blut, sondern auch Hauptdarsteller Leon muss sich viele schmerzhafte Angriffe oder unangenehme Todesarten gefallen lassen. Das blutige Spektakel ist ein regelrechtes Fest für die Zombiejäger der alten Schule und auch Fans guter Splatter- und Horrorstreifen werden hier so manches Deja Vu erleben. Da ist es natürlich klar, dass "Resident Evil 4", mehr noch als all seine Vorgänger, nicht in Kinderhände gehört und ausschließlich für Erwachsene mit starken Nerven und standhaftem Magen gedacht ist.

Meinung

Wertung zu Resident Evil 4 (dt.) (PC)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
hervorragendes Designfilmreife Inszenierunggroßartiges Charakterdesignsehr schöne Animationenspannende Storyordentliche Spielzeitabwechslungsreiches Shooter-Gameplay und Leveldesigngroßer Innovationssprung für die Serieextrem faire Check- und Speicherpunktegute KIgroße Waffen- und Upgradeauswahlangenehmer SchwierigkeitsgradBonusspiel "Separate Ways"
Waffenwechseln ist auf Dauer zu umständlichzu wenig Adventure-ElementeMusik eher DurchschnittWidescreen-Effekt nicht jedermanns Sachemäßige Umsetzung der Steuerung
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