Resident Evil 7 Biohazard: Kein perfekter, aber definitiv ein gelungener Schritt zurück
Test 17,99 €
Resident Evil 7 im Test: Würdige Fortsetzung oder halbgarer Ego-Abklatsch? Nach vielen Monaten des Rätselns gibt unser Test endlich Aufschluss darüber, wie viel Resident Evil noch im siebten Teil steckt. Die Antwort dürfte so einigen Langzeit-Fans der Serie nicht wirklich gefallen.
Was muss ein gutes Resident Evil ausmachen? Sind es die berühmten Gesichter der Serie wie Jill Valentine, Leon S. Kennedy oder Albert Wesker? Ist es der machthungrige wie verbrecherische Umbrella-Konzern? Oder die unzähligen Zombies und anderen Kreaturen, welche einem seit 1996 das virtuelle Leben schwer machen? Fragen wie diese sind es, über die Fans seit der E3 des vergangenen Jahres engstirnig diskutieren. Dort legte Capcom nämlich alle Karten auf den Tisch und zeigte den ersten Trailer der offiziell siebten Resident Evil-Episode. Zwar wurde das Spiel bereits ein Jahr früher in Form der bekannten Kitchen-Demo gezeigt, Assoziationen mit der altbekannten Horror-Saga zogen aber nur die wenigsten Spieler. Zu den gerade schon erwähnten Fragen gesellte sich in den letzten Monaten schnell eine weitere, heiß diskutierte hinzu: Kann man hier aufgrund der Ego-Perspektive noch von einem Resident Evil sprechen? Oder tischt uns Capcom nur einen mageren Lückenfüller auf?
Update: Wir haben unseren Test der Konsolenversion mit Infos zur PC-Technik und Steuerung sowie der finalen PC-Wertung aktualisiert, außerdem reichen wir unsere Eindrücke des VR-Modus nach. Ihr findet die neuen Abschnitte und das PC-exklusive Technik-Video am unteren Ende des Artikels.
Auf dieser Seite
-
1
Resident Evil 7 im Test: Mitten im Nirgendwo
- 1.1 Resident Evil 7 im Test: Volle Taschen
- 1.2 Resident Evil 7 im Test: Blockige Features
- 1.3 Resident Evil 7 im Test: Vorsicht, Spoiler
- 1.4 Resident Evil 7 im Test: Sympathische Irre
- 1.5 Resident Evil 7 im Test: Tolle Wohnlage
- 1.6 Resident Evil 7 im Test: Stimmungsvolle Grafik, gute PC-Performance und VR-Modus
- 1.7 Resident Evil 7 ist der erste richtige Kaufgrund für VR
- 2 Resident Evil 7 Review: Wertung & Meinung zu PC und Konsole
Resident Evil 7 im Test: Mitten im Nirgendwo
Resident Evil 7 versetzt euch in die Haut des neuen Protagonisten Ethan Winters. Der erhält eines Tages eine mysteriöse Videobotschaft von seiner verstorben geglaubten Frau Mia, welche drei Jahre zuvor spurlos verschwunden ist. Dieser Hoffnungsfunke reicht Ethan schon aus, um sich auf die Suche nach ihr zu machen - ignoriert dabei aber wohlwissend ihre im Video geäußerte Bitte, keine Suchaktion zu starten. Als er Mia bald darauf im Keller eines heruntergekommenen Landhauses tatsächlich findet, wird ihm auch schnell klar warum. Scheinbar von einer unbekannten Krankheit infiziert, geht sie während der gemeinsamen Flucht mit Messer und Kettensäge auf ihn los und findet sich kurz darauf in den Fängen der nicht minder wahnsinnigen Familie Baker wieder. Was das Familienoberhaupt Jack und seine Frau Marguerite sowie Sohn Lucas eigentlich verbrochen haben, wird erst im weiteren Verlauf des Spiels bekannt. Für Ethan steht aber fest, dass er definitiv einen Ausweg finden und mit Mia die Flucht antreten muss. Unterstützung erhält er dabei von der unbekannten Zoe, die sich immer wieder telefonisch bei Ethan meldet und anscheinend Informationen über ein Serum besitzt, mit dem man Mia von iher Krankheit heilen kann. Um eine Kooperation mit ihr kommt Ethan also nicht herum.
Resident Evil 7 im Test: Volle Taschen
Quelle: PC Games
Das Inventar ist recht übersichtlich ausgefallen und erinnert zum Teil an die frühen Vertreter der Serie. Schlüssel nehmen einen Inventarsplatz ein, größere Waffen sogar zwei.
Um nicht dauerhaft wehrlos durch die Gänge zu schleichen, muss selbstverständlich eine Schusswaffe her. Neben diversen Pistolen bietet euch Resident Evil 7 das typische Serienarsenal aus Schrotflinte, Flammenwerfer, Granatwerfer sowie weiteren Schießprügeln. Jederzeit alle davon griffbereit haben werdet ihr aber nicht, denn wie einst bei den Anfängen der Serie ist euer Platz im Inventar sehr begrenzt. Überschüssiges Zeug kann in dafür vorgesehenen Truhen zwischengelagert und später wieder abgeholt werden. Selbiges gilt für Munition, Medizin und wichtige Schlüssel-Gegenstände, mit denen ihr neue Bereiche erschließen könnt. Jedes Areal sollte dabei gründlich von euch durchsucht werden, da ihr viele Gegenstände und Dokumente sonst sehr schnell überseht. Besonders nützlich sind dabei die roten und gelben Chemikalien, die ihr in Verbindung mit anderen Items in neue Munition oder in Kombination mit grünen Kräutern in Medizin umwandeln könnt. Etwas unglücklich ist die Tatsache, dass ihr Items aus der Umgebung nicht sofort verwenden könnt. Ist euer Inventar voll und ihr findet dringend benötigte Heilkräuter, könnt ihr diese nicht sofort mit einem gelben Chemikalien-Paket kombinieren, sondern müsst erst für genügend Platz im Rucksack sorgen. Auch können einige Gegenstandsarten im Inventar gestapelt werden, andere hingegen nicht.
Quelle: PC Games
Mit der Gewaltdarstellung wird im siebten Teil nicht gegeizt. Nach den vergleichsweise zahmen fünften und sechsten Teil wird es jetzt wieder ganz schön blutig.
Resident Evil 7 im Test: Blockige Features
Seelenruhig nach einem Ausgang suchen könnt ihr natürlich nicht, da ihr stets damit rechnen müsst, der Familie Baker zu begegnen. Ist dies der Fall, stehen sowohl Kampf als auch Flucht und Verstecken zur Auswahl. An dieser Stelle zeigt Resident Evil 7 Anleihen zu Serientiteln der neueren Generation (ab Resident Evil 4 aufwärts). Sprich: Ein Schuss in den Kopf ist effektiver und bringt das Ziel möglicherweise ins Straucheln. Lässt sich ein Gegentreffer partout nicht mehr ausweichen, solltet ihr zum Block übergehen.
Quelle: PC Games
Die neue Block-Funktion solltet ihr euch so schnell wie möglich aneignen, denn so könnt ihr einem Großteil des euch zugefügten Schadens abwehren.
Indem ihr die Hände schützend vor euch haltet, wehrt ihr einen großen Teil des Schadens ab. Ist man anfangs noch dazu geneigt, lieber die Flucht nach hinten anzutreten, solltet ihr euch die Vorzüge der Blockfunktion möglichst schnellstmöglich aneignen. Aufgrund der Ego-Ansicht und des vergleichsweise langsamen Spieltempos lässt sich manchmal schwer einschätzen, ob man dem Hieb noch entgeht oder wie weit der Abstand zum Gegner ist. Insgesamt macht die Steuerung im siebten Teil jedoch keinerlei Zicken und ermöglicht es euch, jederzeit die Kontrolle über das Geschehen zu bewahren. Mit der Maus am PC habt ihr hier natürlich einen nicht zu unterschätzenden Vorteil, der sich aufgrund des Spieldesigns aber nicht zu arg auf die Erfahrung auswirkt.
Resident Evil 7 im Test: Vorsicht, Spoiler
Kommt man zur Frage, inwieweit Resident Evil 7 mit dem Rest der Serie verbandelt ist, lassen sich eventuelle Spoiler nicht vermeiden - auch deshalb nicht, weil viele der größeren Kritikpunkte auf die zweite Hälfte des Spiels zurückzuführen sind. Sofern es euch also wichtig ist, so wenig wie möglich über die Spielinhalte zu erfahren, solltet ihr erst wieder beim nächsten Abschnitt weiterlesen. Die Antwort dürfte so manchen Fan leider nicht gefallen: Lässt man den Abspann und einige Dokumente im Spiel mal außen vor, steht Resident Evil 7 komplett auf eigenen Beinen und hat nicht wirklich viel mit dem Rest der Serie am Hut. Grundsätzlich muss das kein Problem darstellen, hat doch auch Resident Evil 4 nicht wirklich unter diesen Umstand gelitten. Hardcore-Serienfans hingegen dürften damit ihren Hauptkritikpunkt gefunden haben, um in den kommenden Monaten jedes Resident Evil-Forum damit zu torpedieren.
Quelle: PC Games
Fieses Balg: Kennt ihr noch die Red Queen aus dem ersten Resident Evil-Film? Oder Alma aus F.E.A.R.? Dann wisst ihr im Grunde auch schon alles über Eveline ...
Über die fehlenden Zusammenhänge kann man zwar noch hinwegsehen, nicht aber die teils konfuse (wohlgemerkt nicht komplizierte) Story. Wie sich später herausstellt, ist ein junges Mädchen namens Eveline, an der geheime Experimente durchgeführt wurden, die Drahtzieherin hinter den Ereignissen. Nicht nur hat sie mit ihrer sonderbaren Gabe die Familie Baker unter ihre Kontrolle gebracht, sondern ist auch für die Erschaffung der fungusartigen Monster verantwortlich, welche euch immer wieder als Standardgegner vors Visier laufen. Durch diverse Flashbacks, in denen auch Zoe und Mia eine tragende Rolle spielen, kommt man leider gerne mal etwas durcheinander. Da zudem auch das Schicksal von Lucas nach seiner vermeintlichen Flucht ein Geheimnis bleibt, ist zu befürchten, dass hier noch mit dem einen oder anderen DLC-Inhalt nachgeholfen wird. Letztendlich zeigt man sich schon ein bisschen enttäuscht darüber, dass hier wieder einmal das "Böse kleine Mädchen mit langen schwarzen Haaren"-Klischee ausgepackt wurde. Auch das Verhalten von Hauptcharakter Ethan ist nicht immer ganz nachvollziehbar. Manchmal ist er über die Ereignisse, die er gerade durchlebt, aufs Tiefste schockiert, an anderer Stelle geht ihm vieles am Allerwertesten vorbei.
Resident Evil 7 im Test: Sympathische Irre
Die Gegnervariation samt ihrer Art, in Erscheinung zu treten, beeinflusst natürlich auch den in Resident Evil 7 zur Schau gestellten Horror. Das klare Highlight, und das sollte wohl niemanden verwundern, ist ganz klar die Familie Baker selbst. Wenn Jack mit einer riesigen Schaufel um die Ecke getrabt kommt, euch ins Visier nimmt und energischen Schrittes näherkommt, geht auch abgebrühten Zockern der Arsch auf Grundeis. Soweit muss es aber nicht immer kommen: Wer sich geschickt anstellt und nicht wie ein Elefant im Porzellangeschäft durchs Haus trampelt, kann seinen Peinigern möglicherweise sogar leisen Fußes entkommen. Sobald euch eine Waffe zur Verfügung steht, könnt ihr wahlweise auch den offenen Kampf suchen. Hier gilt es aber zu beachten, dass ihr Jack und Co. nicht dauerhaft auf die Bretter schicken könnt. Erst wenn es die Story vorsieht, entledigt ihr euch dauerhaft der Familie Baker.
Quelle: PC Games
Papi ist sauer: Wenn Jack mit seinem Killerwerkzeug auf euch zustürmt, solltet ihr die Fliege machen. Der rote Rand verrät, dass wir schon recht angeschlagen sind.
Auf dieser Seite
-
1
Resident Evil 7 im Test: Mitten im Nirgendwo
- 1.1 Resident Evil 7 im Test: Volle Taschen
- 1.2 Resident Evil 7 im Test: Blockige Features
- 1.3 Resident Evil 7 im Test: Vorsicht, Spoiler
- 1.4 Resident Evil 7 im Test: Sympathische Irre
- 1.5 Resident Evil 7 im Test: Tolle Wohnlage
- 1.6 Resident Evil 7 im Test: Stimmungsvolle Grafik, gute PC-Performance und VR-Modus
- 1.7 Resident Evil 7 ist der erste richtige Kaufgrund für VR
- 2 Resident Evil 7 Review: Wertung & Meinung zu PC und Konsole
Weit weniger rosig sieht es bei den Standardgegnern von Resident Evil 7 aus. Die humanoiden Schleimmonster, von denen es insgesamt drei Variationen gibt, hat man in abgewandelter Form alle schon mal irgendwo gesehen. Vor allem die fette Version, die euch per Distanzangriff natürlich vollzukotzen versucht, langweilt recht schnell und ist nicht viel mehr als Schwamm für eure Munition. Das eindeutige Lowlight bilden die Fliegenschwärme, die selbst beim Einsatz des Flammenwerfers irgendwie noch zu euch durchkommen und zum kollektiven Stich ansetzen. Somit wandert Resident Evil 7 in Sachen Horror immer auf einen schmalen Pfad zwischen nervenzerfetzender Spannung mit den Bakers und einem sich schnell einsetzenden Standardverfahren bei den restlichen Kontrahenten.
Quelle: PC Games
Problematisches Finale: Gegen Ende, das haben Horrorspiele so an sich, wird das Gegneraufkommen erhöht. Panik hat zu diesem Zeitpunkt kein Spieler mehr.
Resident Evil 7 im Test: Tolle Wohnlage
Recht ähnliche Vergleiche können beim allgemeinen Leveldesign des Spiels gezogen werden. Capcom hat im Vorfeld bewusst fast ausschließlich Inhalte des Landhauses der Familie Baker veröffentlicht - immerhin können hier die meisten Parallelen zum vielfach als Pendant hinzugezogenen Herrenraus aus dem ersten Resident Evil geformt werden. Innerhalb dieses Komplexes, der aus zwei Gebäuden sowie einem Außenbereich besteht, überzeugt das Spiel auf ganzer Linie. Da viele Räume noch einen speziellen Schlüssel (Skorpion, Schlange und Krähe) benötigen, könnt ihr diese erst später im Spielverlauf betreten. Das damit verbundene Backtracking haben die Macher aber auf ein angenehmes Maß reduziert, weshalb die Spannung in diesem Fall nicht aussetzt. Gerade in der zweiten Spielhälfte nimmt die Qualität der Lokalitäten - eine seit jeher große Schwäche von Resident Evil - aber spürbar ab. Der von Saw inspirierte Rätselkomplex mag vielleicht noch überzeugen, das Schiffswrack mit seinen identisch wirkenden Etagen und das verlassene Bergwerk dagegen deutlich weniger.
Resident Evil 7 im Test: Stimmungsvolle Grafik, gute PC-Performance und VR-Modus
Quelle: PC Games
Mangelware: Echte Rätsel kommen im siebten Teil sehr kurz und wiederholen sich auch recht schnell. Nur der Schwierigkeitsgrad nimmt mit der Zeit zu.
Vermag die Auswahl mancher Settings also nicht jedermann zu begeistern, dürfte bei den technischen Aspekten des Spiels weitaus mehr Einigkeit herrschen. Capcoms neue RE Engine leistet einfach hervorragende Arbeit und überzeugt mit gut gemachten Schatteneffekten und detailreichen Umgebungen. Auch die Charaktere selbst setzt die Engine schön in Szene, lediglich die Darstellung längerer Haare sorgt manchmal für Probleme. Dass die Texturen auf Playstation 4 und Xbox One hin und wieder ein paar Augenblicke benötigen, um vollständig geladen zu werden, überrascht mittlerweile wohl auch keinen mehr - so auch nicht bei Resident Evil 7. Die PC-Version kann da im direkten Vergleich punkten, auch wenn die Qualität der Texturen nicht höher ist als beim ausgewaschenen Konsolen-Original.
Quelle: PC Games
Das Interface wurde gut an Maus und Tastatur angepasst, die Karte ist funktionell. (PC)
Auch sonst ist Resident Evil 7 am PC einfach mehr auf Zack. Die Ladezeiten fallen an der Konsole mit einer Länge von gut über einer Minute gewaltig aus, müssen aber immerhin nur bei Spielstart erduldet werden. Ist einmal alles im Speicher drin, müsst ihr keinen Ladebalken beim Betreten neuer Räume und Abschnitte fürchten. Zudem läuft Resident Evil 7 auf PS4 und Xbox One jederzeit flüssig und geht in Sachen Bildrate nie in die Knie. Am PC macht die Technik ebenfalls einen sehr soliden Eindruck, hier sind anders als auf der Konsole auch 60 Fps und mehr möglich. Allerdings kann es auf manchen Systemen zu kleinen Hängern kommen, die sich im PC-Test stellenweise sogar zu ausgewachsenen Rucklern mit Framedrops auf 20 Bilder pro Sekunde entwickelten (System: Core i7-4790 mit 3,6 GHz, 16 GB RAM und Geforce GTX 980).
Quelle: PC Games
Bei Resident Evil 7 fällt der grafische Unterschied zwischen Konsolen-Fassung und PC-Version sehr gering aus. (PC)
Quelle: PC Games
Solch hässliche Texturen gibt's in Resident Evil 7 leider auch am Rechner. (PC)
Aber wenn Resident Evil 7 ruckelt, gibt es dafür eine einfache Lösung: Im umfangreichen Grafikmenü sollten Betroffene die Schatten-Einstellung von Maximum "Sehr hoch" auf "Hoch" zurücksetzen. Das hat fast keinerlei optische Auswirkungen, resultiert bei Szenen mit aufwändig berechneten Lichtquellen aber in einem massiven Leistungsplus. Daher sind wir insgesamt sehr zufrieden mit der PC-Performance und werten Resident Evil 7 am PC um einen Prozentpunkt auf. Auch weil sich die Steuerung frei konfigurieren lässt und selbst die Menüs sehr gut mit der Maus zu bedienen sind - keine Selbstverständlichkeit bei Konsolenportierungen. Sehr ärgerlich ist dagegen die VR-Exklusivität für Sonys Playstation 4 und dessen VR-Brille - am PC werden HTC Vive und Oculus Rift nicht offiziell unterstützt.
Resident Evil 7 ist der erste richtige Kaufgrund für VR
Quelle: PC Games
Der VR-Modus gibt durch die beweglichere Kamera öfter den Blick frei auf schwebende Hände und Arme.
Wo wir gerade schon von VR sprechen: Resident Evil 7 darf ohne Zweifel als erster richtiger Kaufgrund für Sonys High-Tech-Brille angesehen werden - zumindest was vollwertige Core-Spiele angeht. Wer möchte, darf das gesamte Spiel im VR-Modus durchzocken und wird dabei in seiner Spielzeit grundsätzlich nur vom eigenen Befinden in die Schranken verwiesen. Wie so oft sollte man also zunächst selber abschätzen, ob einem nach wenigen Minuten schon Übelkeit drohen oder man tatsächlich stundenlang mit der Brille auf dem Kopf durch virtuelle Welten wandeln kann. Man merkt zudem früh, dass Capcom diverse Spielabschnitte und Momente klar auf VR getrimmt hat, etwa wenn Jack mit einem Messer im Auge des Spielers herumsticht oder die Riesenkäfer um einen herumschwirren. Spielerisch hat man im VR-Modus sogar diverse Vor-, aber auch Nachteile. Um beispielsweise mit eurer Waffe zu zielen, müsst ihr das Fadenkreuz durch Neigen eures Kopfes einfach auf die gewünschte Stelle bewegen und dann abdrücken. Das klappt mit etwas Übung deutlich besser als mit dem Gamepad und sogar fast so gut wie mit Maus und Tastatur. Das Drehen um die eigene Achse hingegen benötigt schon mehr Einarbeitungszeit, selbst wenn man die Sensibilität hier bis zum Anschlag dreht.
Grafisch muss Resident Evil 7 im Vergleich zu den anderen Versionen dagegen etwas Federn lassen. An vielen Stellen ist die Optik ein wenig grieselig, viele Schattenwürfe deutlich grobkörniger und die chromatische Aberration (das Problem, wenn die rot-grünen Farbkanäle nicht exakt übereinander liegen) allgegenwärtig. Besonders unschön sind auch die vielen Unterbrechungen im Spielgeschehen. Sobald ihr eine Leiter nach oben oder unten klettern wollt, wird der Bildschirm kurz schwarz und ihr seid sofort mit Händen und Füßen auf der Leiter - den fließenden Übergang hat Capcom hier entfernt, offenbar um Verwirrung beim Perspektivenwechsel zu vermeiden. Negativ fällt auch der Übergang von Gameplay zu Filmsequenzen auf. Könnt ihr euch während des Spielens jederzeit umschauen, seid ihr bei den Zwischensequenzen auf eine Art "Leinwand" beschränkt. Das schadet zwar ein wenig der Immersion, insgesamt kann sich die VR-Umsetzung von Resident Evil 7 aber definitiv sehen lassen und dürfte auch so manchen Zweifler davon überzeugen, dass Core-Gaming und VR-Brille längst miteinander harmonieren können.
Bugs und Glitches sind uns auf unserem rund zehnstündigen Horror-Trip ebenfalls nicht begegnet. Recht ambitioniert fällt die Lokalisierung aus, denn das gesamte Spiel liegt in komplett deutscher Sprache vor - alternativ dürft ihr in den Optionen auch stets Gesprochenes wie Geschriebenes umstellen.Die deutschen Sprecher sind grundsätzlich alle sehr gut ausgewählt worden, können dem englischen Original aber nicht ganz das Wasser reichen.
Quelle: PC Games
Filmische Wurzeln: Die Entwickler machen keinen Hehl daraus, dass sie sich von Werken wie The Texas Chainsaw Massacre haben inspirieren lassen.
Frohlocken dürfen all jene Spieler, die sich gerne an mehreren Durchgängen probieren. Sobald das Hauptspiel auf dem normalen Schwierigkeitsgrad durchgezockt wurde, dürft ihr euch am Irrenhaus-Modus probieren - mit gravierenden Unterschieden. Nicht nur sind die Gegner deutlich schneller auf den Beinen als ihr, sie treten auch früher in Erscheinung und richten mehr Schaden an. Sogar die Platzierung wichtiger Key-Items wurde geändert, Munition muss nun viel häufiger selbst zusammengestellt werden. Mithilfe verschiedener Schriftrollen könnt ihr Verteidigung und Angriffskraft etwas pushen, müsst sie allerdings im Inventar bei euch haben. Der Irrenhaus-Modus ist somit perfekt für jene Spieler gemacht, die schon Tofu sicher aufs Dach des Polizeireviers geführt oder den unsichtbaren Tyrant beim Remake gemessert haben. Zu den Toptiteln der Serie mag Resident Evil 7 vielleicht nicht ganz aufschließen können, ist aber von einem totalen Horrorausfall wie dem sechsten Teil meilenweit entfernt. Viel wichtiger ist ohnehin, dass Capcom verstanden hat, in welche Richtung sich ein Resident Evil bewegen muss. Und das ist ihnen mit dem siebten Teil zweifelsohne gelungen.
