Risen im Gamezone-Test

Test Alexander Winkel

Kann der Titel an selige Gothic-Zeiten anknüpfen, oder steckte mal wieder zu viel Hype um ein RPG-Mammutwerk dahinter?

Risen Risen Je nach Belieben könnt ihr natürlich entsprechend auf eine Unterhaltung reagieren und passende Antworten geben bzw., wenn es denn nicht anders mehr möglich ist, das Schwert für sich sprechen lassen. Jede Entscheidung hat aber einen weit reichenden Einfluss auf den weiteren Verlauf. Die Frau am Strand mit dem wunderschönen Namen Sara kommt uns ganz gelegen, um die Relevanz solcher Entscheidungen aufzuzeigen. Ihr könnt der holden Maid den Rücken kehren und diese verwahrlost am Strand oder später ohne Hilfe geholt zu haben in einem unbewohnten Haus zurück lassen. Helfen wir der schnuckeligen Kleinen nicht und lassen sie zurück, wird sie später nicht sonderlich gut auf uns zu sprechen sein oder gar als verrottetes Futter den Aasgeiern dienen - womit ein kompletter Questzweig wegfällt. Helfen wir ihr bis zu einem Unterschlupf und schicken ihr einen Banditen zur Hilfe, schließt sie sich den Schurken an und kommt zu einem späteren Zeitpunkt in unser virtuelles Heldenleben zurück - als Banditenbraut mit guten Kontakten. Schließen wir uns dagegen der Inquisition an und schicken deren einsilbige Magier-Gesellen los, um Sara zu helfen, könnte diese urplötzlich an anderer Stelle in wiederum anderer Position auftauchen. So gibt es im ganzen Spiel verteilt zahllose Charaktere, von deren Gunst der Verlauf der Story unweigerlich abhängt, das Ende aber, das können wir schon vorab verraten, läuft immer auf einen grandiosen Showdown hinaus.

Wer bin ich und was mach ich?

Risen Risen Zugegeben, anfänglich war bei uns eine gewisse Skepsis vorhanden. Einerseits weiß man noch nicht, wie der Hase läuft, andererseits könnte jeder Bewohner potenziell zum Feind gehören - woher soll man als schiffsbrüchiger auf einer völlig fremden Insel auch über die politische Lage Bescheid wissen. Dementsprechend sind es auch die zaghaften Versuche in den ersten Abschnitten, welche dem Helden erste Konturen verpassen. Folgt ihr einem bärtigen und mürrischen Wegelagerer, dürfte in Zukunft das Banditendasein euer Leben bestimmen. Werdet ihr stattdessen von den Ordenskriegern geschnappt, müsst ihr eine qualvolle Zwangsrekrutierung in der Inquisition über euch ergehen lassen. Manch einer schafft es zudem zu den Magiern, die sich ebenfalls in der Vulkanfestung tummeln. Die Klassenwahl versteckt sich somit hinter dem Deckmantel eurer Entscheidungsgewalt. Euer Tun bindet euch schlussendlich unwiderruflich an eine Fraktion und damit den gegebenen Möglichkeiten. Nur ein Magier ist in der Lage, mittels Runenmagie magische Geschosse und Feuerbälle gegen Feinde einzusetzen, während das Rudel der Banditen einen bodenständigen Haufen darstellt, welcher sich vor allem im Nahkampf auskennt und sich überhaupt nicht auf Runenmagie versteht.

Risen Risen Obwohl die komplette, aber etwas kleine geratene Insel von Anfang an frei erkundbar ist, liegt der tatsächliche Reiz des Rollenspiels in dem weit verzweigten und sehr gut durchdachten Questsystem. Geboten bekommt ihr darin nicht nur unterschiedliche Aufgaben je nach angeschlossener Fraktion, sondern auch verschiedene Lösungsmöglichkeiten und ein beeindruckend vertieftes Subquest-System, dessen Ausgang ganz essentiell zum Verlauf der Story beitragen wird. Die Missionen reichen über sinnlose "Töte 10 Monster" oder "Bringe mir 20 Pflanzen" weit hinaus (auch wenn diese ebenfalls gelegentlich aufkommen) und begeistern mit einfallsreichen Ideen. Nicht selten verzweigt sich eine Aufgabe derart über die ganze Insel hinweg, dass man schier den Überblick verliert - dafür steht euch aber ein umfangreiches, wenn auch etwas umständlich zu bedienendes Questbuch zur Verfügung.

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