Ich dachte, mit Resident Evil Requiem ist es erst einmal gut mit Horror. Das Suda51-Spiel Romeo is a Dead Man hat aber kurz zuvor ganz frech sein eigenes, kleines Resident Evil abgeliefert.
Erst vor Kurzem habe ich zwei Spiele in meine Finger bekommen, auf die ich schon lange warte: ein neues Resident Evil Requiem und "Irgendwas von Suda51" - dieses Etwas hieß dieses Mal Romeo is a Dead Man. Was ich absolut nicht erwartet hätte: Der knallbunte Fiebertraum von Suda51 verfügt über einen kompletten Resi-Abschnitt. Der Producer hat in einem Interview schon erwähnt, dass er ein großer Fan der Resident-Evil-Reihe ist. Anscheinend ein so großer Fan, dass er einfach sein eigenes, kleines Resident Evil in sein neues Spiel eingebaut hat.
In dem Abschnitt befinden wir uns passenderweise in einer Psychiatrie. Das wirkt erst einmal klischeehaft, aber das neue Resi spielt ja zu großen Teilen ebenfalls in so einer Klinik. Die Entwickler konnten das wahrscheinlich noch gar nicht wissen, zum Release von Romeo is a Dead Man gab es nämlich noch gar nicht zu viele Infos zu Requiem. Umso witziger, dass die Parodie in Romeo sich genauso beim Klischee der gruseligen Nervenheilanstalt bedient wie die Vorlage.
WIRKLICH Resident Evil!
Und die Überschneidungen gehen sogar noch weiter: In dem Abschnitt wechselt die Kamera-Perspektive von der weiten 3rd-Person, die es für ein Hack-and-Slash eben braucht, zu der klassischen Über-die-Schulter-Kamera, wie man sie aus den actionlastigeren Resident-Evil-Teilen kennt. Obendrauf verliert man auch sämtliche Waffen, auf die man sich das ganze Spiel vorher verlassen konnte. Im Hintergrund läuft nur ein unangenehmer Ambient-Soundtrack und es sind immer mal wieder irgendwelche Geräusche aus Nebenräumen zu hören - als ob jemand etwas herumrücken oder fallen lassen würde. Das farbenfrohe Action-Spiel wechselt hier zu einem waschechten Horrorspiel, in dem man seiner Umgebung schutzlos ausgesetzt ist.
Das hat für mich auch überraschend gut funktioniert, obwohl das Spiel ansonsten abgedreht und bunt, aber meistens nicht gruselig ist. Ich hatte hier wirklich oft Angst davor, mich umzudrehen oder nachzuschauen, was denn im nächsten Raum auf mich wartet. Oder was passiert, wenn ich das nächste Mal die Zeitschleife betrete, in der man sich hier befindet.
Gegner gibt es in dem Abschnitt kaum, nur einen: ein riesiges, zusammengenähtes Fleischmonster, das durch den Hauptgang streift. Der ist unbesiegbar und man muss wie vor einem Mr. X aus Resident Evil wegrennen, sich verstecken oder ihn ablenken. Jetzt gibt es nur noch das absolut absurde Rätsel zu lösen.
In verschiedenen Räumen um das Monster herum befinden sich nämlich Leichen, die an Stühle fixiert sind. Ihre Schädeldecke ist abgenommen und zwei Metallstäbe ragen aus ihrem Gehirn. Ein makaberer Anblick, der die düstere Stimmung unterstreicht. Neben den Leichen liegt sogar ein Foto vom Gesicht aus den Lebzeiten der Toten. Was das Rätsel dabei ist? Wir müssen die Metallstäbe im Gehirn der Leichen mit unseren Analog-Sticks so bewegen, dass die Gesichtsausdrücke sich so verziehen, dass sie aussehen wie auf dem Foto nebendran.
Quelle: PC Games
Hier könnt ihr perfekt sehen, warum die Horrorstimmung mit dem Rätsel ziemlich schnell gekillt wird. Grotesk ist das trotzdem.
Passend zum Spiel: komplett absurd. Bevor ich meine Aufgabe hier wirklich verstanden hatte, war das einfach ziemlich widerlich. Aber dann habe ich Spaß an der Groteske gefunden.
Den Horror-Faktor hat der Abschnitt hier aber fast komplett für mich verloren. Es folgt dann auch nur noch eine ruhige Passage, natürlich weiterhin unterstrichen von den grässlichen Hintergrundgeräuschen, um den Rest der Gruselstimmung zu behalten. Wir laufen also die Klinik entlang, bekommen ein bisschen Story um die Ohren gehauen, und genau da habe ich mich gefragt, wann das denn endlich aufhört.
Die Stimmung ist gekillt, die Story sollte bald normal weitergehen und wahrscheinlich bekomme ich auch meine Waffen wieder. Ich bin in Sicherheit, alles ist vorbei, lasst mich einfach wieder metzeln!
Die perfekte Gegenüberstellung
Und genau in diesem Moment der Sicherheit, mit dem Gefühl, dass das alles gleich vorbei sein wird und das Spiel normal weiterläuft, und dem Gedanken, dass ich fast schon gelangweilt bin, wird aus dem Nichts, über den ganzen Bildschirm ein grünes Gesicht mit einem lauten Schrei eingeblendet, als würde ich ein Flashgame aus dem Jahre 2003 spielen. Die billigste Art von Jumpscare überhaupt. So schlecht, dass es schon wieder genial ist.
Es gibt auch keinen storyrelevanten Grund für diesen Jumpscare oder den Charakter, der da für einen Bruchteil einer Sekunde eingeblendet wird. Es ist einfach nur ein saudummer Jumpscare - und ich liebe ihn! Der Moment war einfach perfekt gewählt. Die Entwickler haben bewiesen: Sie können Atmosphäre schaffen - ganz ohne Jumpscares. Nur mit Musik, Kamera und Beleuchtung.
Quelle: PC Games
Bevor wir die erste Leiche anklicken und unser Schindluder damit betreiben, ist die Stimmung sehr angespannt. Auch der Anblick der Leiche ist erst einmal nicht allzu witzig.
Und genau dann erlauben sie sich doch, diesen billigen Quatsch einzubauen - meiner Vermutung nach einfach nur, weil es irgendjemand witzig fand, die Spieler nach diesem tatsächlichen Horror-Abschnitt auf billigste Art zu erschrecken. Und vielleicht um zu zeigen, dass Horrorelemente auch völlig dämlich benutzt werden können.
Nachdem ich fast von meinem Stuhl gefallen bin und eigentlich hätte wütend über so einen, sorry, Scheiß sein sollen, musste ich anfangen zu lachen. Ich habe die Intention und den Witz darin sofort erkannt. Und noch witziger ist es, dass ich mir sicher bin, dass das eine Anspielung auf diese alte Werbung mit dem Auto ist, bei der dann ebenfalls ein grünes Horrorgesicht inklusive Schrei aus dem Nichts auftaucht - ihr wisst schon welche.
Dieser ganze Abschnitt spielt sich wie ein riesiger Fiebertraum und dieser saudumme Jumpscare zum Ende rundet das alles perfekt ab, lockert die Stimmung und bereitet uns darauf vor, gleich wieder Massen an Zombies wegzuhauen. Ich liebe alles daran.
Falls ihr Romeo is a Dead Man nicht auf dem Schirm hattet und bereit für mehr Absurditäten dieser Art seid, solltet ihr vielleicht einen Blick in das Spiel wagen. Es ist einzigartig, kreativ und voller absurder Ideen, genau wie dieser Resident-Evil-Abschnitt - aber kein Horrorspiel! Es gibt zwar einige, gruselige Aspekte, aber das Haupt-Gameplay besteht aus recht simpler Hack'n'Slay-Kost. Dazu reihen sich noch haufenweise andere Spielprinzipien und sogar Grafikstile ein. Das Spiel ist nicht perfekt, aber es wird definitiv nie langweilig!
