Rue Valley im Test: Dieser Murmeltiertag hat nur 47 Minuten!

Test David Benke
Das Leben von Eugene Harrow steht Kopf! In Rue Valley ist es eure Aufgabe, den armen Kerl zurück auf die Beine zu bringen.
Quelle: Owlcat Games

Auf dem Papier liest sich Rue Valley wie eine Mischung aus Disco Elysium und Outer Wilds. Klingt gut, aber wie sieht das Ganze in der Realität aus? Wir klären's im Test!

Ein neues Disco Elysium werden wir in naher Zukunft wohl nicht mehr zu sehen bekommen. Ja, Publisher ZA/UM hat zuletzt so was wie einen spirituellen Nachfolger angekündigt. Aber ohne die ursprünglichen Schöpfer mit an Bord, darf man sich davon wohl nicht allzu viel erwarten. Und auch die zahlreichen Nachahmer, die das Rollenspiel in den vergangenen Jahren aus dem Boden hat sprießen lassen, kamen leider nie wirklich an das Original heran. Bis jetzt zumindest.

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Denn mit Rue Valley (jetzt kaufen 14,0 € ) versucht sich jetzt ein kleines serbisches Studio erneut daran, den Zauber des Kritikerlieblings von 2019 einzufangen. Und zumindest die Vorzeichen sind nicht allzu schlecht: Sogar die kreativen Köpfe von Disco Elysium haben dem Indie-Titel ihren Segen gegeben. Teile des ehemaligen Teams wirkten aktiv an Rue Valley mit: am Artstyle, am Writing, am Gameplay. Herausgekommen ist so ein Spiel, das zwar aussieht und sich anfühlt wie das große Vorbild, aber trotzdem sein ganz eigenes Ding macht.

Pen and Paper lässt grüßen

Das beginnt schon beim Genre. Denn auch wenn sich Rue Valley selbst als narratives RPG bezeichnet, würden wir das höchstens mit dem Zusatz "lite" so durchgehen lassen. Ja, ihr dürft in dem Indie-Titel eine Rolle spielen. Ein vollumfängliches Rollenspiel erwartet euch aber eher nicht. Die Charaktererstellung beschränkt sich auf einen kurzen Bildschirm zu Spielbeginn, in dem ihr euren Protagonisten auf drei Skalen mit ein paar Eigenschaften versehen könnt: Wie gut sind eure sozialen Skills, wie leicht- bzw. scharfsinnig seid ihr unterwegs? Seid ihr eher der zynische oder emotionale Typ? Das war's. Und daran ändert sich im Verlauf des Spiels auch nicht mehr viel. Denn so was wie ein Levelsystem gibt's nicht.

<i>Die Eigenschaften, die ihr in Rue Valley bekommt, haben eher etwas von klassischen Malussen, wie man sie aus Tabletop-Rollenspielen kennt.</i> Quelle: PC Games Die Eigenschaften, die ihr in Rue Valley bekommt, haben eher etwas von klassischen Malussen, wie man sie aus Tabletop-Rollenspielen kennt. Das Schöne an Rue Valley's Minimalismus ist dabei: Ihr könnt eigentlich nur zwischen Pest und Cholera wählen. Wirklich geil ist keine der vorhandenen Möglichkeiten. Jede ist ein zweischneidiges Schwert, das neben ein paar positiven auch eine Menge negative Seiten mitbringt. Das sorgt dafür, dass euer Protagonist immer wundervoll kaputt ist:

Wenn ihr zum Beispiel besonders aufmerksam durch die Welt geht, schlägt das ganze irgendwann in blanke Paranoia um: Warum gibt der Getränkeautomat kostenloses Wasser aus? Ist das ein perfider Plan der Sprudel-Industrie, um uns alle H2O-abhängig zu machen? Hinter jeder Ecke lauert die nächste große Weltverschwörung.

<i>Was ist der liebste Black-Sabbath-Song unserer Version von Eugene? Seine Dialogoptionen haben einen Tipp parat.</i> Quelle: PC Games Was ist der liebste Black-Sabbath-Song unserer Version von Eugene? Seine Dialogoptionen haben einen Tipp parat. Als eher introvertierter Typ stehen euch einige Aktionen und Dialogoptionen gar nicht erst zur Verfügung, weil ihr dafür einfach zu unbeholfen seid. Dann hilft nur noch ein kräftiger Schluck aus der Whiskeyflasche, um sich ein wenig Mut anzutrinken. Denn das ist die einzige Möglichkeit, die euch das Spiel gibt, um eure Werte temporär zu beeinflussen: durch positive und negative Statuseffekte. Müde Beine, klitschnasse Klamotten - alles wirkt sich direkt aufs Gameplay aus. Zumindest bis 20:47 Uhr eures Ingame-Tages ...

  1. Seite 1 Seite 1: Auf den Spuren von Disco Elysium
  2. Seite 2 Seite 2: Zwischen Erzählung und Ermittlung
  3. Seite 3 Seite 3: Stil, Atmosphäre und Ausblick
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