Sacred 2: Fallen Angel im Gamezone-Test

Test BigJim

Fans von Action-Rollenspielen kommen an diesem Titel eigentlich kaum vorbei. Obwohl Grafik und Sound brillieren, gibts auch Bugs.

Hack & Slay

Sacred 2: Fallen Angel Sacred 2: Fallen Angel "Sacred 2: Fallen Angel" ist ein Action-Rollenspiel. Folglich verbringen wir einen nicht unerheblichen Teil unserer Zeit mit Kämpfen. Zu Beginn der Kampagne, die wir je nach Ausrichtung und Wahl des Charakters im Zeichen der Licht- oder Schattenwelt austragen, sind unsere Gegner keine besonders große Herausforderung. Meist handelt es sich dabei lediglich um irgendwelche Rumtreiber, die uns mit Fäusten, Messern oder Stöcken ans Leder wollen. Später kann es etwas stressiger werden. Vor allem größere Gegneraufkommen (Wolfsrudel, Sumpfmonster, Skelett-Krieger, Ork-Stämme, Elite-Kobolde usw.) lassen sich - zumindest gilt dies für die höheren Schwierigkeitsgrade - nicht mehr so eben im Handumdrehen bezwingen. Ganz zu schweigen von den Zwischengegnern, die uns in Gestalt von Monsterspinnen, Riesenkraken oder (Flug-)Drachen in den Regionen Ancarias auflauern - bis hin zu einem turmhohen Bossgegner aus Felsgestein. Ein Positivum: Wenn's irgendwann gar nicht mehr weitergehen sollte, können wir im Online-Modus einen Kollegen um Hilfe bitten und die Bösewichte kooperativ vermöbeln.

Sacred 2: Fallen Angel Sacred 2: Fallen Angel Sehr zu unserer Freude sammeln wir mit zunehmendem Spielfortschritt nicht nur die so wichtigen Erfahrungspunkte, sondern gelangen auch immer häufiger in den Besitz kostbarerer Gegenstände und besserer Waffen. Denn davon lassen die von uns besiegten Gegner Unmengen nach ihrem Ableben an Ort und Stelle zurück. Von Bedeutung sind selbstverständlich auch Zaubertränke, Relikte, Reliquien, Rüstungsgegenstände u.ä., die uns kurzfristig helfen, die angeschlagene Spielfigur wieder auf Vordermann zu bringen bzw. besser gegen Feindeinwirkung zu wappnen. Allerdings ist nicht jedes Beutestück brauchbar. Für ein aufgelesenes Mini-Messer beispielsweise sehen wir kaum Verwendung. Darum scheint es sinnvoller, solche Objekte entweder gleich liegen zu lassen oder beim Händler in der nächsten Stadt zu tauschen bzw. in klingende Münze umzuwandeln, damit uns dieser unnötige Kleinkram nicht schon nach kürzester Zeit das komplette Register vollstopft. Dank der komfortablen Sortierfunktion erhalten wir recht schnell einen Eindruck darüber, was entbehrlich ist und was nicht.

Größer, stärker, besser

Sacred 2: Fallen Angel Sacred 2: Fallen Angel Neben der reinen Action, den ausgefallenen Gegnertypen und dem Verlangen, die geheimnisvolle Fantasy-Welt näher zu erforschen, ist es im Allgemeinen die Gestaltung und Entwicklung des eigenen Charakters, die uns motiviert und schier unbegrenzte Zeit vor dem Computer ausharren lässt. Die Fähigkeiten und Talente unserer Figuren in "Sacred 2" sind so vielschichtig, dass man sie aus dem Stand kaum alle aufzuzählen vermag. Interessant ist jedenfalls der Umstand, dass wir unseren Charakter bereits im Auswahlmenü, also noch vor Beginn des eigentlichen Spiels, mit einer göttlichen Kraft und damit Spezialeigenschaft (Schutz-Zauber) ausstatten können. Ein mit dem Forens-Zauber (Kraft der Philosophie) ausgestatteter Charakter zum Beispiel lässt Angriffe, die ihm gelten, für einige Augenblicke auf seine Angreifer zurückwerfen. Die bereits aus dem ersten "Sacred" bekannten Runen finden sich auch in "Fallen Angel". Diese dienen dazu, die eigenen Kampf- und Magiekünste zu steigern. Man kann sie ferner in Gegenstände einschmieden oder beim Runenmeister tauschen. Attribute wie Fertigkeiten (Schnelligkeit, Ausdauer, Zielgenauigkeit etc.) werden in entsprechenden Symbol- und Textfenstern dargestellt. Ferner existiert ein Talentbaum zum Ausbau der eigenen Begabungen bzw. Sonderfähigkeiten. Auch das Zusammenstellen von Kombos, Specialmoves und Magien gelingt bedientechnisch relativ mühelos. Letztgenannte "Extras" werden spätestens bei der Bekämpfung von schweren (Boss-)Gegnern überlebensnotwendig für unseren Helden, weil in solchen Fällen oft nur spezielle Taktiken und die Anwendung bestimmter Fähigkeiten in Kombination mit Waffen und Zaubern zum direkten Erfolg führen. "Sacred 2" beinhaltet übrigens kein Tutorial im klassischen Sinne. Die Einführung erfolgt für gewöhnlich anhand von Tool-Tips und ist für Genre-Neulinge möglicherweise etwas gewöhnungsbedürftig, da mit viel Probiererei verbunden.

Gigantische Spielwelt und witzige Sprüche

Sacred 2: Fallen Angel Sacred 2: Fallen Angel Die Grafikwelt von "Sacred 2" besticht durch scharfe Texturen und sehr detailliert gestaltete Monster und Charaktere. Auch Effekte wie Feuerstöße, Blitzschläge oder die Übergänge zwischen Tag und Nacht sehen beeindruckend aus. Gemessen an seinen räumlichen Dimensionen erscheint "Sacred 2" riesig. Größer sogar noch als Teil 1, einschließlich dem dazugehörigen Addon. Doch die Gigantomanie hat nicht nur Vorteile. Die Laufwege sind teilweise sehr lang, Quests, Gegner (mit Ausnahme der Hauptquests und der Bossgegner) sowie Äußerungen/Kommentare wiederholen sich häufig. Vermutlich, weil man ein so langläufiges Terrain nicht ständig mit "Überraschungen" und wirklich Neuem füllen kann. Positiv: Um längere Strecken schneller zurücklegen zu können, haben die Entwickler jedem unserer sechs Charaktere ein passendes Reittier spendiert. Als Schattenkrieger beispielsweise dürfen wir auf dem Rücken eines Höllenhundes die Weiten Ancarias durchkreuzen. Für die Seraphim gibt's einen Säbelzahn-Tiger als Fortbewegungsmittel, während der Inquisitor mit Hilfe einer Schattenspinne durch die Gegend galoppiert. Drei unterschiedliche Kartenansichten dienen dazu, die räumliche Orientierung beizubehalten. Übersichtsprobleme treten allerdings gelegentlich mit der Kameraperspektive in den zum Teil engen Dungeons auf. Was uns natürlich nicht davon abhalten soll, alle Winkel der Spielwelt genauer zu durchstöbern (häufiger von der Zoomfunktion Gebrauch machen). Es lohnt sich. Schätze und andere wertvolle Gegenständen finden sich fast überall: in Häusern (begehbar), unterirdischen Gewölben, an Flüssen, Waldabschnitten und, und, und... Selbst nach Wochen und Monaten (!) hat man noch nicht alles von Ancaria gesehen. Der Wiederspielwert ist entsprechend hoch.

Perfekte Vertonung aller Charaktere, die auch noch witzig ist
Sacred 2: Fallen Angel Sacred 2: Fallen Angel Ebenfalls großes Lob verdient die Vertonung von "Sacred 2". Alle sechs "Sacred"-Heldenfiguren zieren prominente deutsche Synchronstimmen. Zu hören sind u.a. Thomas Fritsch (Tim Curry), Raimund Krone (Michael Dorn), Michael Pan (Brent Spiner) oder die deutsche Sprecherin von Jodie Foster. Die musikalische Untermalung bewegt sich im gesunden Mittelfeld zwischen stimmungsvollen Fantasy-Klängen und den fetzigen Tönen der aus Nordrhein-Westfalen stammenden Rockband Blind Guardian. Der aus dem Vorgänger bekannte sprichwörtliche schwarze Humor ist uns auch in "Sacred 2: Fallen Angel" erhalten geblieben. Auf Grabsteinen inmitten eines Friedhofes finden wir Inschriften wie "Reserviert für Kritiker" oder "Wir haben uns nicht vertragen, drum lieg' ich hier begraben". Die meisten NPCs sind - dies sei bei der Gelegenheit kurz erwähnt - nicht synchronisiert (deren Aussagen werden in Textform dargestellt). Die Vielzahl der NPCs bei einer gleichzeitig zwangsläufig begrenzten Anzahl von Sprecher ließ dies wohl notwendig erscheinen.

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