Sega Rally im Gamezone-Test

Test Denis Brown

... hat uns nicht enttäuscht und begeistert mit einer gelungenen Spielmechanik und genialen Kursen voller Action.

Weniger ist mehr

Sega Rally Sega Rally Fünfzehn Kurse im Basissortiment klingt natürlich ebenfalls nicht nach üppigem Umfang, auch wenn man gut zwei Drittel dieser Strecken rückwärts befahren darf und sich ein besonders schicker Bonuskurs freispielen lässt. Doch verzeiht man diesen Umstand gern, sobald man feststellt, wie unterschiedlich diese wirklich sind. Jeder der fünfzehn verhältnismäßig kurzen Rundkurse ist dank individueller Streckenführung und spezieller Tücken wirklich einzigartig und brennt sich nach wenigen intensiven Übungsrunden unweigerlich ins Gedächtnis ein. Und das, obwohl es insgesamt nur sechs Settings gibt. Eurem Erinnerungsvermögen helfen dabei geschickt platziere Bauten und Sehenswürdigkeiten abseits der Strecke auf die Sprünge. Nur schade, dass diese nicht vordergründiger platziert wurden. Der Wasserfall auf "Tropic 2" hätte sich etwas näher am Streckenrand noch besser gemacht, und auch andere Eye-Catcher wurden z.T. etwas zu subtil platziert oder passieren einen Tick zu schnell das Auge des Spielers. Ansonsten zeigt sich Sega Rally jedoch sehr farbenfroh und arcadetypisch. Zumindest wird nicht mit Matsch und Sand gespart, was sich sogar auf den Fahrzeugen widerspiegelt, denn nach einer Fahrt durch den Schlamm bleibt einiges an der Karosserie kleben, lässt sich aber auch in einer Pfütze wieder abwaschen. Trotzdem sind die Setting unterschiedlich genug, um auch auf längere Sicht genug Abwechslung zu bieten, denn Matsch ist nicht das einzige Hindernis, welches auf einer Rally anzutreffen ist.

Sega Rally Sega Rally In den drei "Safari"-Strecken rast ihr durch eine Savanne mit wilden Tieren, staubigem Boden und matschigen Gräben; während ihr auf den drei Alpine-Strecken eine wilde Berg- und Talfahrt über schlaglochzerfressene und teilweise schneebedeckte Serpentinen erlebt, bei der ihr an Bergdörfern, Wäldern und Sonnenblumenfeldern vorbeischliddert. Besonders rutschig wird es aber erst, wenn ihr im Schein von Nordlichtern auf den "Arctic" Strecken durch Asche oder über einen zugefrorenen See kurvt. Auch die Tropic und Canyon Kurse, derer es jeweils drei gibt, bieten ihr ganz eigenes Ambiente, das durch eine sehr signifikante Farbgebung besticht. Welches Schlammspektakel ambitionierte Fahrer in der grün-braunen Hölle des tropischen Dschungels erwartet, dürfte sich jeder ausmalen können, der auch nur einen Blick auf die Screenshots wirft. Dagegen wirken die staubigen Straßen der offensichtlich an den Grand Canyon angelehnten Umgebung fast schon harmlos, wenn da nicht diese verzwickten Haarnadelkurven wären. Die Bonusstrecke bekommt man allerdings nur nach dem Erreichen der letzten Meisterschaft oder in einer Online-Runde mit einem Host, der dies geschafft hat, zu Gesicht. Lakeside (bzw. in den Achivements auf Xbox 360 "Seeufer") heißt sie, doch hat sie herzlich wenig mit dem namensgleichen letzten Kurs aus dem Ur-Sega Rally von 1995 gemeinsam. Statt einer herbstlich gefärbten Schlammschlacht erwartet euch diesmal eine High-Speed Strecke in saftigen Grasfarben und mit sonnigem Wetter.

Technik und Tradition

Sega Rally Sega Rally Auch wenn man den Spieldesignern rein gestalterisch keine Vorwürfe machen kann, bleibt trotzdem noch genug Anlass zur Kritik. Technisch kann es Sega Rally nämlich nicht unbedingt mit Größen wie Colin McRea aufnehmen, denn einerseits sind die Strecken durchgängig fest begrenzt und andererseits kämpft das Spiel trotz 30 Bildern pro Sekunde und stellenweise relativ groben Texturen hin und wieder mit dem Bildaufbau. Genauer gesagt ist es die "Draw Distance" einiger Detailobjekte, die hin und wieder Unregelmäßigkeiten aufweist und kleinere Objekte relativ spät erscheinen lässt. Auch die Framerate geht bei verstärkt auftretenden Effekten ab und zu ein wenig runter, zeigt sich jedoch überwiegend konstant und fällt auch nie auf unspielbares Niveau. Hier hat die PS3 einen hauchdünnen Vorteil vor der Xbox 360, denn auf Microsofts Konsole fällt dieses Phänomen deutlicher auf, wenn auch nie so stark, als das es stören würde. Auf dem PC hängt dieser Punkt stark von der verfügbaren Hardwarepower bzw. den Grafikeinstellungen ab. Insgesamt fallen die kleinen Macken zum Glück weder spielerisch noch optisch groß ins Gewicht, da vor allem das Spurrillen-Feature viel wieder wett macht und man bei voller Fahrt einen so derben Tunnelblick aufsetzten muss, dass einem so etwas gar nicht mehr auffällt. Erwähnt werden muss es aber trotzdem.

Sega Rally Sega Rally Die arcadetypisch streng begrenzten Strecken mag man noch verzeihen, unterstützen sie doch ganz unzweifelhaft den unkomplizierten Drifteinsatz, aber technisch wäre durchaus mehr drin gewesen. Auch die etwas unübersichtlichen Menus wirken bei allen Arcade Ambitionen vielleicht einen kleinen Tick zu sporadisch. Andererseits könnten ganz pedantische Sega Rally Veteranen einige Details vermissen. So gibt es zum Beispiel keinen typischen Arcade Mode mit Checkpoints und einem erdrückenden Zeitlimit. Dies erklärt auch, warum das an sich kultgeladene, aber diesmal klanglich etwas missratene "Game Over Yeah" euch nur nach einem Einzelrennen entgegen schallt. Hier wurde Kultpotential verschenkt, denn lediglich der Beifahrer erinnert mit den klassischen Kurven-Ansagen wirklich an alte Zeiten. Während die Soundeffekte generell über alle Zweifel erhaben sind, gibt sich der Soundtrack allerdings eher verhalten. Sämtliche Tracks setzten mehr auf Ambiente als auf Liedcharakter und fallen kaum auf, was wohl auf geteilte Meinungen treffen wird. Während die einen jene smashigen Rocktracks und Gitarrensoli des Originalspiels vermissen, sind die Anderen froh, keine J-Pop Songs wie "Heartbeat of the Light" oder "Go Go Sega Rally" mehr ertragen zu müssen.

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Online

Sega Rally Sega Rally Die Online-Rennen über Xbox Live und den PlayStation Network wurden hingegen recht ansprechend implementiert, auch wenn man sich mit Innovationen nicht überschlagen hat. Immerhin gibt es einen Punktezähler für selbst erstellte Turniere mit maximal sechs aufeinander folgenden Strecken. Hier weist die Xbox 360 Version einen kleinen Vorteil auf, denn einerseits scheint die generelle Verbindung einen Tick besser zu sein, und andererseits gibt's wie üblich Headset Support, was die Nähe zu den Gegnern erheblich steigert. Auf der PS3 muss man sich etwas umständlich zu einer Texteingabe wuseln und darf per angeschlossenem Keyboard oder per Software-Tastatur Texte austauschen. Während des Rennens herrscht auf der PS3 jedoch Funkstille, und so bekommt man leider weder die Flüche der Gegner, noch das gemeinschaftliche Gejohle aller Spieler bei Massenkarambolagen mit. Das nur sechs Spieler an einer Online-Runde teilnehmen können, ist schon schade, höchstwahrscheinlich aber technisch bedingt - Stichwort Spurrillen. Doch auch zu sechst ist noch genug auf den teilweise engen Kursen los. Wer damit aber noch nicht genug hat, darf sich die Geistdaten anderer Spieler herunterladen und im Time Trail versuchen, deren Bestzeit zu schlagen. Das dürfte für einige Zeit beschäftigen.

Meinung

Wertung zu Sega Rally (X360)

Wertung:

8.4 /10
Pro & Contra
Geniale Arcade-Fahrmechanik mit hohem Driftanteilfünfzehn wirklich individuelle Strecken mit Wiedererkennungswertdie teilweise auch rückwärts angefahren werden plus eine freispielbare Bonusstrecketeilweise schöne RanddetailsSpurrillen-Feature bringt spielerischen wie optischen Fortschritt im Arcade-Racing GenreRumble und Force Feedback-Supportschön verdreckte AutomodelleOnline-Begegnungen für bis zu sechs Spieler und internationale Highscore Listen samt Geist-Daten-Sharingklassische Beifahrer-Ansagenvertikal geteilter Split Screen für lokale Matches
sehr Arcadelastigdaher nichts für Simulations-Fansrecht sporadische Aufmachung und wenige SpieloptionenFuhrpark könnte größer seinein oder zwei etwas längere Strecken fehlenstellenweise etwas grob wirkende Grafik und minimale technische Einbrüchekein klassicher Arcade Modus mit Checkpoint SystemRückspiegel verzerrt stark
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