Silverfall im Gamezone-Test

Test Gonzo09

Dieser gelungene Diablo-Klon bietet uns eine atmosphärische Präsentation und viele Freiheiten beim Charaktersystem.

Alle Macht für einen: der zaubernde Bogenschütze mit Schwertarm

Silverfall Silverfall Neben dieser Paradigmenwahl verläuft der Rest der Charaktergestaltung sehr konventionell. Es stehen am Anfang vier Rassen zur Wahl, die allerdings fast keinen Einfluss auf die späteren Charaktereigenschaften haben. Der Troll ist zunächst so stark wie der viel kleinere Goblin, der Mensch kann die gleichen Zauber lernen wie der Elf. Erst später machen sich die verschiedenen Vorlieben der Rassen milde bemerkbar, so ist der Elf natürlich mehr der Magie zugewandt, der Troll ist eher zuständig für die Übermittlung physischer Direktresponsivität, genannt Gewalt mit stumpfen Gegenständen und der Kobold ist gut im Basteln mit explosivem Material. Menschen sind halt mal wieder Allrounder. Sobald genug Erfahrungspunkte gesammelt wurden, dürfen die vier Grundwerte für Stärke, Kondition, Geschicklichkeit und Intelligenz gesteigert werden. Diese haben wie üblich Einfluss auf die Erhöhung der Lebensenergie- und Zauberkraftpools, die die Einsatzfähigkeit des Helden repräsentieren.

Silverfall Silverfall Auch das Skillsystem ist ähnlich rudimentär ausgefallen. In den Kategorien Kampf, Magie und sonstiges können die Fertigkeiten erlernt werden, wobei bei jedem Levelaufstieg Punkte zu verteilen sind. Der Kampf unterteilt sich in nah und fern, die Magie in Weiß und Schwarz und ehrlich gesagt gab es keine Fertigkeit, die ich als überraschend und gameplaytechnisch besonders raffiniert empfunden hätte. Macht aber nichts, denn jeder Held kann hier endlich mal alles lernen. Der Powergamer aus Passion darf sich den ultimativen Charakter basteln, der mit Schwert und Schild genauso firm ist, wie mit dem Bogen oder dem Zauberstab, nur dauert es dann alles etwas länger. Wer allerdings merkt, dass er mit dem Bogen nicht so gut klarkommt wie mit dem Schwert, muss nicht verzweifeln oder gar neu anfangen, denn der Meister der Fertigkeiten steht in jeder Stadt bereit, um die Punkte umzusortieren, gegen Zahlung einen kleinen Obolus natürlich.

Immer eine Herausforderung: Die Monster

Silverfall Silverfall Um an die begehrten Erfahrungspunkte und damit auch die Skills zu kommen, wollen, wie so üblich, Monster getötet werden und zwar nicht zu knapp. Außerhalb der kleinen Flecken der Zivilisation herrscht das Gesetz der Wildnis und das Recht des Stärkeren. Dies sind leider immer die Gegner, denn deren Stärkegrad wird dem des Spielers angepasst. Wo vorher noch ein Level 1 Ghul unser Leben bedrohte, wartet später ein Level 10 Ghul auf den unbedarften Reisenden. Dieses System hat seine Vor- und Nachteile, denn es bleibt zwar immer ein wenig spannender, wenn die Gegner einem gefährlich werden können, jedoch macht es das Durchkreuzen und Absuchen eigentlich schon bekannter Landstriche nicht gerade leichter, wenn jedes Wald- und Wiesenmonster einem ernsthaft zu Leibe rücken kann. Persönlich hätte ich einen fixierten Levelgrad der Monster bevorzugt, da ich wenigstens gelegentlich auch das Gefühl haben möchte, dass meine ganze Levelei mir auch was bringt. Statt dessen haben meine neuen Skills und Waffen nur den Erfolg, dass das allgemeine Kroppzeugs auch stärker wurde.

Silverfall Silverfall Dieser Unfairness kann begegnet werden, indem man Begleiter anheuert, die einem auf den Reisen begegnen und die an der eigenen Seite kämpfen. Zwei gleichzeitig können beschäftigt werden, die sich ihrerseits auf die Unholde stürzen, uns heilen oder gelegentlich, genau wie wir auch, sterben. Die Begleiter können mittels Magie ins Leben zurückgeholt werden, der Held dagegen muss zurück in den letzten sichern Hafen und zwar, fast, nackig. Die Ausrüstung, die zuletzt in Benutzung war, bleibt am Ort des Todes zurück, in Form eines kleinen Grabsteines. Wer kein Backup-Equipment dabei hat, sieht jetzt alt aus aber diesem Schicksal lässt sich entgehen, denn ein kleiner freundlicher Kobold mit dem gewinnenden Lächeln der Gringott-Gnome aus Harry-Potter bietet eine Lebensversicherung für Leute mit unstetem Lebenswandel an. Nach dem Kauf dieser und dem Ableben wird man zwar immer noch zurückteleportiert, jedoch zusammen mit den wertvollen Besitztümern.

Autotravel aber keine flexible Tastenbelegung

Silverfall Silverfall An diesen gibt es bei Silverfall auch nicht den geringsten Mangel. Fast jedes der über 150 verschiedenen Monster lässt irgendwelchen Krams fallen, von dem vielleicht drei Prozent für unseren Helden brauchbar sind. Je nach Präferenz gibt es endlose Massen an Rüstungsgegenständen für jede Ausrichtung, Waffen für jedes Talent und Tand, mit dem der Held von heute sich schmücken kann. Das, was nicht gebraucht wird, wandert über den Umweg des relativ kleinen Inventars zu den lokalen Händlern, wo sich das Zeugs dann bequem verscherbeln lässt. Hierbei ist es sehr hilfreich, dass man bei Monte Christo an ein Autotravelsystem gedacht hat. Auf der großen Übersichtskarte ist es möglich, jede wichtige Lokalität per Mausklick zu erreichen und zwar zu jedem Zeitpunkt, was einen echten Bonus gegen die Übermacht der sich ständig verbessernden Feindhorden darstellt. Die Minikarte in der rechten oberen Ecke verwirrt allerdings den Diablo-gestählten Spieler, denn statt sich mit der Bewegung des Helden zu drehen, bleibt sie fixiert und lediglich der zentrale Punkt in Form eines Pfeils dreht sich und zeigt in die Laufrichtung. Dieses System ist schlicht entgegen der gewohnten Wahrnehmung eines normalen Menschen und auch nach Stunden des Spielens hat man sich nicht daran gewöhnt. Besser als nichts ist halt noch lange nicht gut.

Silverfall Silverfall Bei der Benutzerführung hat man ansonsten sich auf das Nötigste beschränkt. Ein Monster mit der linken Maustaste angeklickt bewirkt den Angriff, die Rechte ist für Magie und Spezialattacken zuständig, die Tasten 1-8 sind für Schnellzugriffe, auf der 9 und 10 liegen die Tränke für Lebens- und Magiekraft. Diese Anordnung ist zwar nicht prinzipiell schlecht, warum sie allerdings nicht zu ändern ist, bleibt erklärungsbedürftig. Besitzer von Makrokeyboards und frei belegbaren Mäusen sind hier jedenfalls im klaren Vorteil. Der Kampf an sich gibt sich unspektakulär. Ein Monster wird angeklickt, die linke Taste gehalten bis es tot ist, dann wird das nächste anvisiert. Der einzige Unterschied zum Urvater Diablo besteht darin, dass ich die Taste halten darf, bis das Vieh das Zeitliche gesegnet hat und nicht jeder Schlag erneut manuell ausgeführt werden muss. Die Anwendung flexible Magieausführung ist leider so gut wie nicht möglich. Wer mehrere Zauber gleichzeitig kombinieren will, hat hier leider Pech gehabt. Zumindest läuft der grundlegende Kampf ohne Probleme ab, auch die Wechsel von einem Gegner zum nächsten bereiten keine Schwierigkeiten. Interessant ist die Veränderung der Perspektive beim Heranzoomen. Statt den Spieler einfach nur näher an das Geschehen zu befördern kippt der Betrachtungswinkel bis in die Third-Person-Perspektive. Spielbar ist das Ganze dann nicht mehr wirklich, aber einige hübsche Aussichten bleiben. Wer allerdings nicht masochistisch veranlagt ist, geht schnell wieder in die ¾-Ansicht zurück und spielt weiter.

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