Man könnte meinen, man krieche nur als oller Camper durch den Dschungel, aber Ghost Warrior kann so viel mehr!
Technik, die bezaubern will, aber oft nur blendet
Sniper: Ghost Warrior
Grafisch macht Sniper: Ghost Warrior auf den ersten Blick ordentlich was her: Grafik, Ausleuchtung und Effekte wirken wirklich hochklassig und bezaubern. Erst bei wirklich ganz genauem Hinsehen fällt auf, dass die Texturen an sich leicht verwaschen wirken und erst durch den Blureffekt so gleißend hell leuchten. Insgesamt erinnert das Inselsetting teilweise an Far Cry und gefällt uns sehr gut. Wenn da eben nicht die erwähnten Glitches wären, etwa dass gegnerische Gewehre teilweise durch das Mauerwerk ragen können, man sie aber selbst nicht aufs Korn nehmen kann. Vor allem aber einige physikalische Fehler regen auf. Warum etwa gibt es so oft unsichtbare Mauern in Sniper: Ghost Warrior? Warum kann ich über eine nur Millimeter hohe Stufe nicht kriechen, sondern muss aufrecht gehen oder gar springen? Und überhaupt, wie kann es geschehen, dass man in den relativ weitläufigen Waldgebieten in Sträuchern oder Gestrüpp hängen bleibt und dann das Level neustarten muss?
Sniper: Ghost Warrior
Auch der angestrebte Grad an Realismus ist eigentlich ein Blender. Zielt man ganz genau auf den Kopf eines Gegners, geht die Kamera in eine Bullet Time über, verfolgt die Kugel auf ihrem Weg und zeigt schlussendlich das im Headshot mündende Finale - ein wenig blutig, aber Sniper: Ghost Warrior ist eh nur Erwachsenenkost. Als Zielhilfe fungiert im Snipermodus übrigens eine Windanzeige und die Einblendung des Pulses, die Flugbahn muss man sich dann (im schwierigsten Modus) selbst "errechnen". Der Realismus geht aber schnell flöten, in den ersten beiden Schwierigkeitsgraden zeigt ein roter Kreis an, wo die Kugel landen wird. Und wenn man zielsicher auf den Kopf zielt und im richtigen Moment den Trigger zieht, so wechselt die Kamera von der FP-Sicht in eine 3rd Person-Kugelverfolgungskamera, jeder Schuss ist dann ein hundertprozentiger Treffer, selbst wenn der Wind noch ein Wörtchen mitzureden gehabt hätte.
Am skurrilsten aber ist eine Bullet Time, die zwar spaßig, weil actionreich, ist, aber leider umso unrealistischer. Statt auf Knopfdruck nämlich die Luft anzuhalten, hält der Supersniper direkt die komplette Zeit an und kann dadurch ganze Gegnerhorden gleichzeitig plätten. Mit Realismus pur hat das nichts zu tun.
