South Park: Stick of Truth im Test: Was uns gefällt und nicht gefällt | Zensur | Fazit
Test
South Park: Der Stab der Wahrheit ist ein Spiel voller Skandale. Erst verschob Obsidian das RPG mehrfach, dann ging Publisher THQ pleite. Dann war es lange ruhig. Kurz vor dem Start plagen Zensur-Skandale und Uncut-Rufe die Entwickler, am Ende nehmen Händler deutsche Versionen wieder vom Markt. Wir haben hinter die ganzen Shitstorms geguckt und festgestellt: Die Aufregung ist umsonst. South Park ist ein tolles, einsteigerfreundliches RPG zum Totlachen. Und ja, sie haben Kenny getötet!
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Latschmissionen und 8-bit-Highlights
In der Mitte der Kampagne zieht sich die Story leider etwas in die Länge. Schuld sind neben vielen lustigen Aufträgen auch dumme Latschmissionen, in denen man immer wieder vom einen Ende der Stadt zum anderen muss. Es gibt zwar eine Schnellreiseoption, jedoch nur zu bestimmten Orten. Um häufige Ladebildschirme kommt man auch nicht herum. Wer Häuser betritt oder verlässt und manchmal auch nur den Raum wechselt, muss kurz laden. Absurd: Manche Häuser haben wohl doch in den Zwischenspeicher gepasst, jedoch nur in eine Richtung. Wenn sie betritt, muss man neu laden, wenn man sie verlässt geht es jedoch fließend weiter.
Quelle: PC Games
Eines der Highlights: 8-Bit-Kanada.
Dass es auch anders geht und Obsidian grundsätzlich verstanden hat, wie gutes Missionsdesign funktioniert, beweisen die Macher aber unentwegt. Nach der Alienentführung hat Arschloch eine Analsonde, mit der er sich auf der Karte rumbeamen kann, nachdem er auf Gnome trifft, kann er sich klein zaubern. Diese Fähigkeiten muss man immer wieder kombinieren, um Herausforderungen zu meistern. Rätselmissionen gehören ebenso zu den Highlights, wie ein Ausflug nach Kanada, der in 8-Bit-Optik aussieht wie ein dämlicher Inzest-Bruder von Zelda auf SNES. In Kanada stecken mich Wildtiere mit "Dire AIDS" an. Gut dass es in Ottawa eine Klinik gibt, die für fünf Dollar AIDS heilt. Also hin, mit der Schwester sprechen und bezahlen. "Äh, was sind das denn für hässliche grüne Scheine?" Da akzeptieren die ollen Kanadier selbst in größter Not nicht die überlegene Landeswährung des Nachbarstaats. Solche perfiden Humorspitzen sind zwar selten, viel seltener als die plumpen Fäkalwitze, dafür bleiben sie umso mehr im Kopf. Apropos Kopf… Die kanadische Nationalhymne im 8-Bit-Sound ist ein ziemlicher Ohrwurm. Ohhhhh Canada! Düdüdü, düdüdüdü, DÜDÜDÜDÜ!
Es fehlen Dialoge
Quelle: Ubisoft
Fast alle sozialen Interaktionen passieren in einem Social Network - ein Dialogsystem gibt es nicht.
Obwohl die Welt von South Park fast 1:1 perfekt getroffen wurde und Stick of Truth auch als Einsteiger-RPG gut funktioniert – nicht alles ist perfekt. Ein Dialogsystem gibt es zum Beispiel gar nicht. Mit den meisten Charakteren aus South Park kann man nur ein oder zwei Sätze wechseln, dann wiederholen sie immer wieder denselben Mist. Dass der Neue stumm ist ein wie ein Stein, hilft auch nicht weiter. Lieber hätte ich einen Charakter gesehen, der an einem Stück durchquasselt und sich mit seinen Mitmenschen unterhält. Richtige Dialoge hätten der Geschichte mehr Tiefgang gegeben. So drücke ich einfach nur A oder X und plötzlich bin ich im Ingame-Social-Network mit jemandem befreundet. So bekomme ich zwar ab und an Nachrichten von anderen Bewohnern South Parks – aber interagieren kann ich nicht. Das ist eine verpatzte Chance und lässt die Umwelt irgendwie falsch erscheinen.
Generell dreht sich Der Stab der Wahrheit oft um dieses zentrale Social Network. Inventar, Skills und Karte sind darin zusammengefasst, einen großen Teil der Spielzeit verbringe ich damit, zwischen den unhandlich zu bedienenden Reitern hin und her zu springen. Wer aber genau hinguckt und mitliest, entdeckt immer wieder kleine Spitzen. Zum Beispiel hackt jemand Butters Account und postet peinliche Enthüllungen über ihn. Und in manch einem Schlafzimmer finden sich eklige Sexspielzeuge, die darauf schließen lassen was die Eltern machen wenn die Kids aus dem Haus sind. Mit solchen Details sparen die Entwickler nicht. Das macht South Park nicht unbedingt lebendiger – aber dafür nachvollziehbarer. Fans der Serie werden jedenfalls grinsen, wenn sie an jeder Ecke irgendeine Anspielung wiedererkennen.
Probleme macht gelegentlich die Steuerung, die an den 2,5D-Karten an ihr Limit kommt. Manchmal fragt man sich, ob das jetzt nur ein Scheißhaufen auf dem Boden ist, oder wirklich ein Hindernis, an dem man nicht vorbeikommt. Und auch in Kämpfen passiert es, dass ein Soldat hinter Feinden steht. Wenn sie ihn verdecken, kann man aber nicht mehr erkennen wann der richtige Zeitpunkt für das Quicktime-Kampfsystem kommt. Ärgerlich. Bis auf diese gelegentlichen Aussetzer funktioniert South Park als 2D-Welt aber hervorragend.
Zensur-Alarm: Das ist geschnitten
Quelle: PC Games
Hakenkreuze übermalt Obsidian großflächig - im TV ist das erlaubt.
Wenn in der TV-Serie South Park Hakenkreuze auftauchen, dann ist das Kunst. Wenn im Videospiel Hakenkreuze auftauchen, dann ist das ein Grund für Indizierung. Weil Videospiele noch immer nicht gesamtgesellschaftlich als Kunst gesehen werden und auch kein Hersteller die Eier in der Hose hat, mit einem solchen Setting vor Gericht zu gehen und einen Kunstcharakter zur Not richterlich feststellen zu lassen, erscheint in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine geschnittene Fassung. Nazi Zombies sind darin mit dicken, schwarzen Balken zensiert. Und das nicht unauffällig: Wenn sie den Arm zum Hitlergruß heben und Dinge sagen wie "ICH WILL SIE LEBENDIG!", verdeckt der Zensurbalken den halben Körper. Einerseits ist es traurig, dass sie es überhaupt zensieren müssen, aber wenigstens machen sie kein Fantasiesymbol daraus, wie Wolfenstein. Stattdessen klatschen sie einem die Zensur ins Gesicht, unterstreichen sie und sagen aus: "Schau hin, hier ist etwas, was du nicht sehen darfst." Diese Zensur ist fast schon eine Message für sich und gelungen.
Quelle: PC Games
Die Szene darf man in Deutschland nicht sehen: Analspiele mit Aliens und Abtreibungen sind zensiert.
Weniger gelungen ist hingegen, dass auch sieben Missionen im Verlauf des Spiels zensiert wurden – aber nur auf den Konsolen. In der PC-Version sind sie enthalten. Dabei geht es um Abtreibungen, Analsondierungen mit riesigen Aliendildos und ähnlich unappetitliche Praktiken. Weshalb das nun im prüden Amerika enthalten ist, auf dem PC auch, nur auf den europäischen und australischen Konsolen-Fassungen nicht – keiner kann das erklären. Im Gegensatz zu den gesetzlich (vielleicht) notwendigen Hakenkreuzzensuren sind diese Schnitte albern und peinlich. Die "ungeschnittenere" PC-Version erhält deshalb eine homöopathische Aufwertung um ein Pünktchen.
Am Ende haben all die Schnitte jedoch nichts geholfen: Deutsche Händler haben die Versionen einen Tag vor dem Verkaufsstart wieder aus den Regalen genommen, weil angeblich ein verfassungsfeindliches Symbol übersehen wurde. Nun müssen die Zensoren noch mal ran und South Park verschiebt sich erneut um vermutlich mehrere Wochen.
