Starena im Test: Boss-Rush-Gameplay, wie man es definitiv nicht macht
Test
Starena mag zwar einfach aussehen, doch hinter dem quietschbunten und pixeligen Look verbirgt sich ein ziemlich knackiger Boss Rush. Da Spiele dieser Art inzwischen keine Seltenheit mehr sind, stellt sich natürlich die Frage, wie gut Starena im Vergleich zu ähnlichen Indie-Vetretern abschneidet. Um die Antwort schon einmal kurz und bündig vorwegzunehmen: This is not the Buss Rush you're looking for.
In den meisten Fällen verzeiht man einem Indie-Game im Vergleich zur Blockbuster-Konkurrenz schneller mal kleinere Makel. Natürlich können die Werke der kleinen Entwickler nur schwer mit der Tripple-A-Branche mithalten. Nichtsdestotrotz kommen aus den kreativen und unabhängigen Entwicklerstudios immer wieder echte Diamanten zutage.
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Im Falle von Starena ist das aufgrund zahlreicher offensichtlicher Mängel leider nicht der Fall. Hier haben wir es eher mit einem Stück Braunkohle zu tun. In dem japanischen Boss-Rush-Arena-Game steckt offensichtlich viel Mühe und Herzblut, keine Frage, jedoch ist es im aktuellen Zustand streckenweise unspielbar. Aber beginnen wir, wie in jeder guten Geschichte, zunächst einmal ganz am Anfang.
Es war einmal ein Tutorial
Quelle: PC Games
Starena im Test: Boss-Rush-Gameplay, wie man es definitiv nicht macht
Das Spiel startet, wie sollte es auch anders sein, mit einem kurzen Tutorial, in dem uns die grundlegende Steuerung erläutert wird. Dies erfolgt mittels quälend langsam auftauchender Textnachrichten. Mit der linken Maustaste schlagen wir mit dem Schwert zu, mit der rechten führen wir ein Ausweichmanöver aus und mit W, A, S und D bewegen wir unseren Charakter. Mit Q können wir außerdem eine Art Drohne einsetzen, die automatisch Fernkampfangriffe ausführt. So weit, so gut. Doch schon hier wird Starena nach sehr kurzer Zeit sehr seltsam. Im Tutorial bekommen wir nämlich einen Boss vorgesetzt, an dem wir zunächst ohne jede Gegenwehr die unterschiedlichen Moves ausprobieren dürfen.
Sobald wir alles einmal durchgegangen sind, wechselt das Tutorial ohne jede Vorankündigung in einen offenen Kampf. Und dieser Kampf ist ganz schlicht und einfach kaum machbar, jeder Dark-Souls-Boss würde davor den Hut ziehen. Während wir dem Kontrahenten nur einen Bruchteil seiner Energie abziehen, sind wir nach einem guten Treffer von ihm schon erledigt. Aber nach unserem Bildschirmtod geht es nicht etwa weiter, nein, das Tutorial startet von vorn und wir müssen uns erneut die im Schneckentempo erscheinenden, nicht überspringbaren Textnachrichten ansehen. Hier setzt dann zum ersten Mal Verwirrung ein. Will das Spiel, dass wir diesen Boss schaffen? Oder sollen wir das Tutorial einfach skippen? Oder haben wir irgendeinen Trick verpasst, der uns nicht in den Texten erklärt wurde? Nachdem wir uns zum fünften Mal die lahmen Nachrichten durchlesen mussten, haben wir schließlich aufgegeben und das Tutorial übersprungen.
Galaktisch-komische Welt
Quelle: PC Games
Starena im Test: Boss-Rush-Gameplay, wie man es definitiv nicht macht
Mit dem Gefühl, irgendetwas Wichtiges verpasst zu haben, starten wir nach dem Tutorial also schließlich ins Spiel. Und genau so, wie uns im Tutorial offenbar etwas nicht so richtig erklärt wurde, offenbaren sich auch die Story und die Welt von Starena nur schemenhaft. Wir schlüpfen hier in die Rolle eines kämpfenden Roboters mit dem sympathischen und eingängigen Namen Mecha Reaper J3. Dieser will an einem Gladiatoren-Turnier auf der Raumstation Starena teilnehmen, in dem er auf seinem Weg zum Champion gegen zehn andere Roboter antreten muss. Offenbar veranstaltet man diese brutalen Wettkämpfe, da es durch einen technischen und wissenschaftlichen Fortschritt zu friedlich im Universum geworden ist und die Leute wieder mehr Aufregung in ihrem Leben brauchen.
Folglich bestehen die Charaktere und das Publikum von Starena aus allen möglichen, wild durcheinander gewürfelten Geschöpfen. Von sprechenden Tintenfischen und Katzen bis hin zu einem schwebenden Barsch und undefinierbaren, schwebenden Würfelformen ist hier alles dabei. Der wilde Mix an Kreaturen, mit denen wir in der Hub interagieren können, wirkt zwar einerseits charmant und witzig, andererseits passen die komischen Charaktere teils so wenig zueinander, dass sich die Welt unangenehm unstimmig anfühlt. Darüber hinaus gibt es im Menü ein Feature namens "Microblog", welches im Grunde wie ein interplanetares Twitter funktioniert. Hier versuchten die Schreiber, lustig zu sein und gängige Social-Media-Trends zu persiflieren, doch gelingt das meist eher schlecht als recht.
Quelle: PC Games
Starena im Test: Boss-Rush-Gameplay, wie man es definitiv nicht macht
Nachdem uns das Tutorial auf eine schmerzhaft-schwierige Erfahrung eingestimmt hat, springen wir frohen Mutes in die Arena, um es jetzt mit dem ersten richtigen Boss aufzunehmen. Auch dieser gibt uns zunächst einmal ordentlich Saures, was unter anderem daran liegt, dass die Bewegungen unseres Charakters sich immer ein wenig verzögert und träge anfühlen. Das ist vor allem der niedrigen Framerate geschuldet, die selbst auf den niedrigsten Grafikeinstellungen irgendwo zwischen zehn und zwanzig Bildern pro Sekunde herumdümpelt. Sowohl Movement als auch Bossgegner hat der bereits 2016 erschienene Titel Furi wesentlich besser hinbekommen. Wenn wir schon einmal bei Furi sind: Das Spiel ist ebenfalls bockschwer, keine Frage, doch durchschaut man die Angriffsmuster und den Rhythmus der Bosse, dann kommt man schnell in einen sehr befriedigenden Flow. Man muss den Gegner studieren, um zu gewinnen.
Starena macht das grundlegend anders. Der Schwierigkeitsgrad des ersten Bosses geht zunächst stark in Richtung unmöglich. Nach nur wenigen Schlägen sind wir hinüber, während der Boss über vier Leisten Energie verfügt, die wir bei einer Kombo gerade mal ankratzen. Auch den Gegner zu studieren und die Angriffe auswendig zu lernen, bringt hier nichts, es sei denn, man möchte eine halbe Stunde mit dem Bossfight zubringen. Tatsächlich gibt es einen Trick, mit dem sich jeder Kampf gewinnen lässt: jeder Boss verfügt über zerstörbare Teile, die wir abtrennen und danach selbst als Waffe benutzen können. Sobald wir die Arme des ersten Gegners abtrennen, aufheben und als Hammer gegen ihn verwenden konnten, war der Boss ein One-Hit. Hier kommt also ein neues Feature ins Spiel, welches den anfänglich hohen Schwierigkeitsgrad plötzlich ins Lächerliche zieht.
Mit der Macht der Fans
Quelle: PC Games
Starena im Test: Boss-Rush-Gameplay, wie man es definitiv nicht macht
Neben einem Schwert, dessen Einzelteile wir mit Materialien erweitern können, die wir nach dem Besiegen eines Gegners erhalten, verfügt Starena über keine Möglichkeit, den eigenen Charakter zu verbessern. Level oder Skills gibt es hier nicht, dafür aber ein auf den ersten Blick sehr interessantes Feature: Fans. Nach jedem gewonnenen Kampf schließen sich uns immer mehr Fans an, die wir im Hauptmenü auf einem der vier Zuschauerränge rund um die Arena positionieren können. Posieren wir durch einen Druck der F-Taste während des Kampfes vor dem jeweiligen Rang, dann werfen die Zuseher Items in die Arena, die uns beim Kampf unterstützen. Damit sie das tun, muss man jedoch bestimmte Anfragen des Publikums erfüllen, diese können etwa lauten "bleibe für fünf Sekunden im markierten Bereich" oder "treffe den Gegner fünf Mal an derselben Stelle."
Dieses Feature wirkt zunächst einmal außerordentlich interessant und kreativ. Doch nach dem Sieg über den ersten Boss sorgt es schon dafür, dass man sich ständig fragt, ob man das Spiel so richtig verstanden hat. Woran liegt das? Wie schon erwähnt müssen wir dem ersten Boss nur einen Arm abtrennen, diesen aufheben und den Boss dann mit einem einzigen Treffer besiegen. Danach schalten wir einen Fan namens "Sadface" frei, der uns genau diese Hammer-artige Waffe in den Ring werfen kann. Da stellt sich doch beim Kampf gegen den zweiten Boss die Frage, ob die selbe Waffe hier auch einen One-Hit liefern kann. Ja, das kann sie. Und auch beim dritten Boss. Und auch beim vierten. Und ...
Quelle: PC Games
Starena im Test: Boss-Rush-Gameplay, wie man es definitiv nicht macht
Und schließlich wundert man sich darüber, warum das alles so einfach ist. Bis auf den finalen Boss konnten wir jede Herausforderung nach diesem Schema abwickeln. Nach Kampfbeginn vor dem Publikum posieren, Waffe erhalten, mit einem Schlag den Boss besiegen, Feierabend. Dieses Rezept funktioniert jedes Mal so gut in oft so wenigen Sekunden, dass man dieses Feature nur als absolutes Gamedesign-Desaster beschreiben kann. Die anderen Fans und Items sowie die Fähigkeiten, die diese bereitstellen können, muss man sich im Grunde gar nicht mehr anschauen. Das ist schade, da diese Mechanik doch als eine so gute Idee angefangen hat. Auch von den liebevoll gestalteten Bossen und ihren Mechaniken bekommt man kaum etwas mit, wenn man jeden Kampf so schnell abhaken kann. Schließlich fragt man sich, ob man wirklich richtig spielt, oder ob das ein Bug ist. Dann drescht man doch mal wieder ganz normal mit dem Schwert auf einen Boss ein und bemerkt tatsächlich: ohne die Items aus dem Publikum hat man keine Chance gegen die späteren Bosse, man ist selbst meistens nach nur einem Treffer erledigt.
Eine völlig verpasste Gelegenheit
Quelle: PC Games
Starena im Test: Boss-Rush-Gameplay, wie man es definitiv nicht macht
Starena liefert viele Ansätze und Ideen, aus denen etwas Großartiges hätte entstehen können. Die Idee, sich von klassischen Fähigkeiten zu verabschieden und stattdessen Items und Buffs von platzierbaren Fans zu erhalten, welche man zufriedenstellen muss, um mit Support rechnen zu können, ist großartig. Auch das Crafting des Schwerts, welches man vom Griff bis zur Spitze in allen Einzelteilen modden kann, ist eine coole Idee. Doch in Sachen Gameplay ist das Spiel entweder unspielbar schwer oder völlig langweilig leicht, ohne jeden Zwischenton. Noch dazu ist die Technik so grottig, dass das Bild auf hohen Grafikeinstellungen ständig ruckelt und sich aufhängt, und das trotz der anspruchslosen Pixelgrafik.
Die Dialoge mit den zugegebenermaßen lustig aussehenden Charakteren sind zwar meist eine erfrischende Abwechslung, doch driftet das Writing immer wieder in verkrampfte Versuche von Jugendsprache ab, die oft mehr als peinlich wirken. Im Hinblick auf die Story versucht man schließlich erst gegen Ende mit einem Twist zu schockieren, der von Anfang an durch immer wieder auftauchende Anspielungen völlig vorhersehbar ist. Auch in dieser Hinsicht bietet man hier also nicht einmal Durchschnittskost. Kurzum: Starena ist einfach kein gutes Spiel, egal, aus welcher Richtung man es betrachtet.
