Ubisoft bringt mit dem zynischen Barden den wohl witzigsten Antihelden aller Zeiten auf den Markt.
Das etwas andere Rollenspiel
The Bard's Tale
Natürlich dürft ihr beim unvermeidlichen Stufenanstieg auch an den Attributen des Barden herumschrauben und ihn somit individuell in seinem Können gestalten. Auch stehen diverse Waffenspezialisierungen zur Wahl, zudem können im Laden an der Ecke neue und bessere Ausrüstungsgegenstände erworben werden. So komplex wie in anderen Genrevertretern wird diese Angelegenheit hier aber nicht gehandhabt, ein richtiges Inventar gibt es eigentlich auch nicht. Stattdessen werden schwächere Gegenstände automatisch durch neue ausgetauscht und die alten ebenso selbstständig zu Geld gemacht. Findet ihr also ein neues Schwert, rüstet das Spiel dies von ganz alleine aus und schreibt euch den Restwert der alten Klinge gut. Mindestens genauso praktisch ist dadurch auch der Waffenwechsel ausgefallen: Per Knopfdruck wechselt ihr pfeilschnell zwischen Bogen, Schwert oder Flegel hin und her. Hier wurde zwar ganz bewusst auf ein sehr einfaches System gesetzt, echte Rollenspieler allerdings dürften sich etwas mehr Möglichkeiten in Sachen Charaktergestaltung und Waffenauswahl wünschen.
Altbackene Technik von gestern
The Bard's Tale
Wie bereits erwähnt, basiert das technische Fundament des Spiels auf der Engine von "Baldurs Gate: Dark Alliance". Dies hat zwar gewisse Vorteile, ist aber auch der Grund für eine heutzutage veraltet aussehende Optik. Viele Texturen sind einfach zu verwaschen und oftmals ist auch die Perspektive seltsam verzerrt. Hinzu kommen sehr ruckartig ablaufende Animationen und mehr als grobmotorisch wirkende Bewegungsabläufe der Spielfiguren. Hier wäre wesentlich mehr drin gewesen, Spiele wie "Champions of Norrath" beweisen dies sehr deutlich. Schelte gibt es von uns auch bezüglich der Gegnervielfalt, diese ist nämlich sehr spärlich ausgefallen und auch in visueller Gestaltung und künstlicher Intelligenz kein besonders großer Wurf. Geradezu hässlich sind die glücklicherweise selten auftauchenden Videos des Spiels ausgefallen: Die in Spielegrafik realisierten Filmchen sind nämlich sehr stark verpixelt und laufen noch nicht einmal im Vollbild ab. Als Entschädigung dafür wurde die deutsche Lokalisierung von Ubisoft mit sehr viel Sorgfalt realisiert, man hat sehr genau darauf geachtet, den unverwechselbar trockenen Humor des englischen Originals zu erhalten. Als Sprecher für den Barden hat man niemand anderes als Oliver Kalkofe verpflichten können, dank ihm wird der Barde auch in Deutsch zum ersten digitalen Comedian. Aber auch die anderen Sprecher, darunter auch die hiesige Stimme von Patrick Steward, lassen das Spiel in akustischer Hinsicht sehr professionell erscheinen. Wer übrigens des Englischen mächtig ist, darf seine Konsole im Systemmenü auch umstellen und das nicht minder komische Original genießen.
