Ein Franzose, ein Spanier und dicke Sprüche! Dieser verfluchte Kreuzzug ist historisch angehaucht und unterhaltsam!
Halte die Nähe zu deinem Freund ...
... deinen Feind aber noch viel näher! (Denz de Bayle, The Cursed Crusade)
The Cursed Crusade
Das Kampfsystem, ein typisches Prügelabenteuer aus der Sicht einer dritten Person, bietet unzählige Waffen wie Schwert, Axt, Armbrust, Speer oder Knüppel, bisweilen gar in Kombination (zum Beispiel mit zwei Waffen gleichzeitig oder mit Schild) und noch wesentlich mehr Attacken. Mit schier unendlich langen Angriffswellen wird der Feind überrumpelt, die Rüstung in Stücke gerissen und das Opfer gar enthauptet, aufgespießt und erstochen. Gnade vor dem Herrn kennen Denz und Esteban wahrlich nicht und gehen mit ihren Feinden daher auch nicht gerade zimperlich um, wenn sie ihren letzte gar blutigen Akt vollziehen.
The Cursed Crusade
Der stupide Button-Masher gewinnt aber an Brillianz vor allem auf den höheren Schwierigkeitsgraden. Die Soldaten wehren sich nicht nur mit aller Macht, sie parieren Schläge und hintergehen die Helden mit allem Tricks und Kniffs, die ein mittelalterlicher Kampf mit sich bringt. Auch gilt es zunächst die Rüstung zu brechen, bevor ein tödlicher Schlag angesetzt werden kann. Die Templer müssen daher ebenfalls mächtige Schläge mit einer zeitlich perfekt ausgelösten Abwehr parieren, ihre Füße einsetzen und mit dem Blockbrecher die defensive Verteidigung durchbrechen. Taktieren, ein bisweilen strategisches Vorgehen und die Kombination mit je nach Gegner mal mehr, mal weniger effektiven Waffen - das alles bietet reichlich Tiefgang, welcher Herzen von Hack'n'Slay Freunden erfreut.
The Cursed Crusade
Herr de Bayle und sein treuer Partner Seniór Noviembre müssen ihr kriegerisches Werkzeug zudem pflegen. Dass Klingen bei exzessiven Gebrauch mal brechen und sich die Schärfe abnutzt, ist einerlei. Neue Argumente finden sich auf dem Schlachtfeld, welches sämtliche Waffen hinterlässt, die kurzerhand ins Sortiment aufgenommen werden. Altes Zeugs wird achtlos zurückgelassen. Darüber hinaus widmen sich die Helden dem umfangreichen Waffenstudium. Gewonnene Erfahrungspunkte - welche nicht nur für das erfolgreiche Abschließen einer Mission, sondern auch für Sammelobjekte vergeben werden und somit sonst unsinnigen Sammel-Erfolgen einen tieferen Sinn verpassen - werden in jeweilige Techniken investiert. Dies erhöht den Variantenreichtum auf bis zu 400 möglichen Kampfabfolgen, welche die Beiden an den Tag legen und die spielerischen Qualitäten, obwohl das Aneinanderreihen von starken und schwachen Schlägen selbst bei mächtigen Gegnern auch gut dem Zufall überlassen werden kann. Wichtig ist stets eine scharfe Klinge, rechtzeitiges Parieren und ein offenes Auge!
The Cursed Crusade
Erleichterung verschafft der Fluch, welcher deshalb zugleich auch Segen bedeutet! Klar, dürfen die Beiden nicht allzu lange im Reich der Toten wandeln und die stets aufrufbare Flammenwelt visualisieren, denn der Tod ist ihnen selbst in den Träumen stets auf den Fersen, doch kurzweilig kann der Wechsel einen ungleichen Energieschub mit sich bringen. Ganze Horden an Soldaten, aber auch Dämonen und Skelettrittern werden auf einmal mit der Macht flambiert und schmoren wortwörtlich im Jenseits! Ob Feuerkugeln, der starke Strahl oder gar eine flächendeckende Welle, die mystischen Kräfte kombiniert mit den üblichen Attacken zeigen auch beim mächtigsten Gegner ihre Wirkung. Den Fluch in einen Segen wandelnd, können Denz de Bayle und Esteban Noviembre gar schwere Holztüren mit Hitze einreißen oder ganze Wände zum Einsturz bringen - keine kampftechnischen Dinge, doch aber eine Bereicherung des Gameplays.
Bin gleich da, Hombre! (Esteban Noviembre, The Cursed Crusade)
The Cursed Crusade
Denkaufgaben halten sich aber gekonnt im Hintergrund, denn der Kampf ist eindeutig das Aushängeschild von The Cursed Crusade. Weiteres Merkmal ist der impulsive und stets plappernde Spanier Esteban Noviembre, der einerseits die französischen Sitten hinterfragt, anderseits auch gerne mal ein paar seiner Weisheiten von sich gibt. Seine Sprüche und die klugen Konversationen des Denz de Bayle versüßen die etwa 9-12 Stunden Spielzeit ungemein, während die eigentliche Hintergrundgeschichte, anfänglich zwar noch voller Schwung und Elan, dann aber ordentlich an Fahrt verliert, fast gar ziellos seinem Ende entgegen fiebert und vorhersehbar mit Klischees um sich wirft. Von Anfang an ist klar, wer hier die Fäden in der Hand hat und wohin die Reise geht! Ein Hoch auf die Synchronsprecher, welche gute Arbeit verrichteten und den hölzernen Charakteren immerhin richtig Leben einhauchen!
The Cursed Crusade
Der Spanier hat aber nicht nur gute Sprüche auf Lager, er steht uns auch stets zur Seite, um gemeinsam Vorsprünge zu erklimmen und Gegner über den Jordan zu schicken. Per Splittscreen oder aber online kann die zugegeben echt gute KI auch durch einen Freund ersetzt werden, was vor allem auf den höheren Schwierigkeitsgraden durchaus empfehlenswert ist. Helfend zur Hand gehend, wenn mal wieder der Sensenmann sein Schneideisen schwingen möchte, oder einfach als Gegenpol für die Massen dienend, wird die Reise durch die Hölle zu einem angenehmen, wenn auch etwas warmen Spaziergang.
