Hallo! Ich bin Guybrush Threepwood und ich möchte Pirat werden!
Aus alt mach neu, aus neu mach alt
The Secret of Monkey Island - Special Edition
Neben den urkomischen Dialogen verschaffte das Game-Design von "Monkey Island" selbigem Anfang der Neunziger den Titel eines Kultspiels. Ein gepflegter blonder Schönling inmitten von heruntergekommenen, verlumpten und psychisch leicht gestörten Piraten liest sich allein schon wie die Idee einer Comedy-Sitcom. Damit auch in der Gegenwart das gleiche Flair auf den Spieler wirkt wie damals, ist die Linienführung des jüngsten Franchise-Sprosses von ganz großer Bedeutung. Und man wird abermals überrascht, denn die Cell-Shading-Optik, der Stoff aus dem Mensch, Haus und Insel sind, hat das Zepter in die Hand genommen. Während im Original noch echte Gesichter nachgebildet wurden, sprecht ihr nun mit genial überzeichneten Charakteren, die ihren "realen" Vorbildern an Mimikrepertoire zu keiner Zeit unterlegen sind. Ganz im Gegenteil, meist wird aus den Trickfiguren noch mehr Situationskomik herausgeholt als es damals möglich war. So sind auch heute noch unerwartete Lacher eure steten Begleiter. Wem aber der comichafte Look der neuen Version überhaupt nicht zusagt, der kann fließend auf die Originalversion umschalten und so wunderschön in nostalgischen Erinnerungen zergehen.
The Secret of Monkey Island - Special Edition
Und wo die Augen ihren großen Auftritt haben, darf der Sound nicht weit sein. Die Vertonung des Spiels verdient ein großes Lob, muss sich gleichzeitig aber auch Kritik gefallen lassen. Zwar wurden die Dialoge in der Neuauflage komplett neuvertont, jedoch leider nur in sehr britischem Englisch. Einzige Hilfestellung bietet hier der deutsche Untertitel, welcher optional hinzugeschaltet werden kann. Spielt man allerdings in der klassischen Version, bleibt einem nur das Lesen von englischen Textdialogen. Warum hier überhaupt keine Chance auf deutsche Sprache gegeben wird, ist eine der wenigen Fragen, die schlicht offen bleiben. Spielt man allerdings die neue Version, wird man von einer optimalen Synchronisation verwöhnt. Bekannte englische Stimmen bieten zu einhundert Prozent das, was der Spieler von einer Vertonung erwartet. Sei es ein Hauptcharakter oder nur ein dahergelaufener Pirat, alles passt wie die Faust aufs Auge bzw. in diesem Falle aufs Ohr. Ein positives Problem dürfte für alle Spieler jedoch bei jedem Spielstart aufs Neue allgegenwärtig sein: Die Titelmelodie von "Monkey Island" ist ein Ohrwurm sonders gleichen, der sich hinter den z.T. kommerziellen Kompositionen heutiger Spiele nicht verstecken braucht. Man möchte den Startknopf einfach nicht betätigen. Viel lieber lauscht man ein weiteres Mal dem wunderschönen karibischen Intro. Auch im Spiel fühlt man sich eher im Urlaub als auf Schatzsuche. Eingelullt von Klängen die aus dem gleichen Holz geschnitzt sind, das auch aus dem Theme ein gewaltiges Brett gemacht haben, ist jeder Ton Balsam für die gestresste Seele.
