Ubisoft kredenzt uns mit GRAW einen teambasierten Taktikshooter der absoluten Oberklasse.
Grafik & Sound
Die gleißenden Lichteffekte
Ghost Recon Advanced Warfighter ist augenblicklich das best aussehendste Spiel auf Microsofts Xbox 360. Das nachgebildete Mexico City ist unglaublich hoch detailliert und bietet uns keine zwei identisch aussehende Strassen. Besonders wenn man im Helikopter über der Stadt schwebt, die sich bis zum Horizont zu strecken scheint, erkennt man die unglaubliche Detailflut. Direkt im Einsatz jedoch sind es eher die fulminanten Grafikeffekte die einen begeistern. Allen voran das geschickt eingesetzte Blenden, welches uns nicht erkennen lässt was sich in einem dunklen Schatten befindet und uns im Gegensatz eine überbelichtete Umwelt zeigt wenn wir uns im selbigen Befinden. Doch auch die vielen Partikel- und Raucheffekte sorgen dafür, dass wir uns tatsächlich in eine "echte Welt" hineinversetzt vorkommen. Dazu gesellen sich die vielen zerstörbaren Objekte, von Autos auf der Strasse die wir durch gezielte Schüsse explodieren lassen können, über abgestellte Container die gut taugen um dahinter Deckung zu suchen bis hin zu den Abrisshäusern denen wir ebenfalls noch ein paar Steine entfernen können. Und die Sache wäre nicht perfekt würden sich nicht auch die Charaktere harmonisch in dieses Bild fügen. Wie schon erwähnt sehen diese nicht nur sehr gut aus, sie sind auch herrlichst animiert und wirken schon beängstigend echt. Doch bei all der Grafikpracht ist doch ein Unterschied zwischen den SP-Maps und den MP-Maps zu erkennen, die nicht ganz so detailliert ausgefallen sind, trotzdem aber noch sehr gut aussehen.
Solange man die Xbox 360 auf 60 Hertz gestellt hat bekommt man ein 4:3 Vollbild ganz ohne Kanten und Ränder ebenso geboten wie ein volles 16:9 Bild. Nur wenn die Konsole auf 50 Hertz gestellt ist wird das Bild doch deutlich gequetscht und man muss mit den bekannten PAL-Balken oben und unten im Bild leben. Der 50 Hertz-Mode ist also vorhanden und funktioniert auch, ist aber niemandem zu empfehlen, einfach deswegen weil das Seitenverhältnis nicht stimmt und man nur den halben Schirm benutzt. HDTV-Benutzer freilich müssen sich darum keine Sorgen machen, sie bekommen das höchst aufgelöste und selbstverständlich auch bildfüllende Format geboten.
Und das zur Musik vom Watchtower
Die Soundkulisse gehört ebenfalls zu dem Besten was uns auf der Xbox 360 augenblicklich geboten wird. An eine entsprechende 5.1 Anlage angeschlossen meint man tatsächlich sich mitten im Kriegsgebiet zu befinden. Die Herkunft jedes Geräusches lässt sich exakt orten, wir hören wie sich die Projektile über uns hinwegbewegen und mitunter glaubt man sogar den Wind des Hubschraubers spüren zu können, so perfekt werden die Sounds eingespielt. Das intensive Spielerlebnis wird aber auch von den vielen Gesprächen und Funksprüchen genährt die wir hören, ständig befinden wir uns in Kontakt mit dem Befehlsstand und unseren Einheiten, tauschen Informationen aus oder werden gewarnt. Sogar Fernsehübertragungen zu aktuellen Ereignissen werden uns eingeblendet oder Video-Verhörprotokolle, damit wir immer im Bilde sind.
Tom Salta
Für die orchestrale Musikuntermalung zeichnet niemand geringeres verantwortlich als Tom Salta, der schon die Musik zu den Ubisoft-Titeln Cold Fear komponierte und bei Ghost Recon 2 als Co-Autor des Titelsongs tätig war. Die Stücke wurden gemeinsam mit dem Northwest Sinfonia Orchestra in der Bastyr-Kapelle in Seattle eingespielt. Was sie so modern klingen lässt, sind die geschickt verwendeten elektronischen Klänge, welche das gewünschte HiTech-Gefühl des Spiels vermitteln sollen.
Der Multiplayer-Part
Eine der anspruchsvolleren MP-Maps
Der Multiplayer-Part bietet uns erstaunlich viele Spielvarianten. Wir können an einer Konsole per Splitscreen mit bis zu vier Spielern ebenso zocken, wie mit bis zu 16 Spielern gleichzeitig per lokal vernetzter Konsolen (System Link) oder über Xbox Live. Vorbildlich ist es, dass man mit bis zu vier lokalen Spielern an einer Konsole online gehen kann und das es einen Coop-Mode gibt, der auf bestimmten Karten sogar bis zu 16 Spieler erlaubt. Die Standard Coop-Karten sind aber für vier bis acht Spieler gedacht. Ebenfalls möglich ist es per XBL bewertete oder unbewertete Spiele zu eröffnen, so wie man auch öffentliche oder private Sessions anlegen kann, zu der nur Spieler aus den Freundeslisten der Teilnehmer stoßen können.
Ein besonderer Spaß: Die Team-Zerstörung
Im Grunde gibt es drei Spielmodi, nämlich das Solo-Spiel, bei dem jeder auf sich alleine gestellt ist, das Team-Spiel, bei dem Team gegen Team kämpft und das Koop-Spiel, bei dem die menschlichen Spieler gegen die Computer-KI antreten. Die drei Spielmodi können in jeweils einem der vier Spielvarianten ausgetragen werden. Die erste Variante ist "Gebiet" getauft und verlangt von den Spielern ein gewisses Gebiet einzunehmen und zu halten. Die zweite Variante "Missionsziel" hält eine definierte Aufgabe bereit die erfüllt werden muss um als Sieger zu gelten. Wesentlich eingängiger ist die Variante "Vernichtung", wobei es einfach nur darum geht alles zu vernichten was nicht zum eigenen Team gehört. Hinter der vierten Variante, der "Kampagne", verbirgt sich nichts anderes als das Koop-Spiel, welches zum Einen auf den ganz normalen MP-Maps gespielt wird, oder zum Anderen auf den speziellen Kampahne-Karten, die man für das 16-Mann Koop-Spiel geschaffen hat.
Immer ein kleines Ziel abgeben
Was einem gleich zu Beginn des ersten Online- oder Multiplayer-Matches auffällt, ist die geänderte Physik unseres Kämpfers sowie das Fehlen einiger Funktionen. So gibt es im MP-Mode kein an die Wand "andocken" mehr, es ist nicht einmal möglich um eine Ecke zu sehen. Auch Hindernisse können nun nicht mehr übersprungen werden, dafür legt unser Kämpfer immer noch einen Schritt nach obwohl wir den Steuerstick bereits losgelassen haben. Wahrscheinlich wollte man die überladene Steuerung aus dem SP-Part nicht in den MP-Part übernehmen um ein schnelleres Spiel zu ermöglichen, wofür so mancher sicher dankbar sein wird, denn das Multiplayer-Gaming funktioniert wirklich hervorragend, manch Anderer jedoch wird die fehlenden Features bemängeln.
Der Splitscreen
Die mitgelieferten MP-Maps darf man durch die Bank als sehr gelungen bezeichnen. Deutlich merkt man ihnen die vielen Teststunden an welche die Betaspieler hinter sich bringen mussten. Denn so unterschiedlich die einzelnen Karten auch sind, mal befinden wir uns unter sengender Sonne in der Wüste, mal im Platzregen auf einem Schiff und mal mitten in Mexiko City, ist doch allen gemein, dass sie herrlich ausgewogen sind. Immer gibt es viele Stellen um sich anzuschleichen oder sich bedeckt zu halten, aber nirgendwo ist man wirklich zu 100% sicher. Und trotzdem, oder vielleicht eben genau deswegen, hat man eigentlich mit jeder Art Bewaffnung eine Chance auf den Sieg, insofern man seine Waffen richtig einsetzt und sich nicht mit einer MP als Scharfschütze versucht oder umgekehrt. Einzig an der Zahl der mitgelieferten Multiplayer-Maps könnte man vielleicht etwas mäkeln, denn die zehn gebotenen hat man schnell durch, auch wenn man sie natürlich gerne mehrmals spielt um sie auch richtig kennen zu lernen und alle Begebenheiten ausnutzen zu können.
