Gerade weil der Vorgänger R6 Vegas so hohe Maßstäbe setzte hat nun der Nachfolger hohe Erwartungen zu erfüllen.
Ein Hochgenuss?
Tom Clancy's Rainbow Six Vegas 2
Graphisch hat sich in Las Vegas nicht sonderlich viel getan, eher das Gegenteil ist der Fall. Denn während die Spielcasinos und vor allem Aussen-Levels im Vorgänger viel lebhafter und dynamischer waren, so kommen die meisten Spielwelten im aktuellen Titel trist und dahingeklatscht aus, als hätte man plötzlich keine Zeit mehr gehabt um daran weiterzuwerkeln. Zwar hat man an den Einheiten ein wenig gearbeitet, diese Feinheiten fallen im Spiel jedoch kaum auf... Wie lang schaut man denn schon ein Gegnermodell an bevor man schießt? Auffälligkeit in Sachen Grafik: Bei Testbeginn war nicht der aktuellste Geforce-Treiber installiert, das Spiel startete dennoch normal. Der Modus "Terroristenjadgd" war spielbar, die Karriere wollte sich jedoch partout nicht starten lassen. Nach Installation des Treibers funktionierte alles, sollte das Spiel bei euch nicht sofort anspringen: Driver-Update hilft... Ob aber das Introvideo des Karrieremodus derart toll ist, dass es nur mit den Aktuellsten Einstellungen abgespielt werden kann, lassen wir mal dahingestellt.
Tom Clancy's Rainbow Six Vegas 2
Der Sound ist recht akzeptabel. Waffen- und Granatengeräusche sind relativ realistisch abgemischt und sorgen, taktikuntypisch, für viel Action. Auch die Sprachausgabe im Spiel ist gelungen, unserer Protagonist brüllt im Kampf den Kameraden Befehle zu, beim Anpirschen flüstert er. Die Zwischensequenzen hätten indes jedoch professioneller und vor allem lebendiger vertont werden, generell wirken die raren Sequenzen lieblos und arg gescriptet. Und auch die Hintergrundmusik kann mit dem bombastischen Soundtrack des Vorgängers nicht mithalten, zur akustischen Untermalung dudelt im Hintergrund lediglich eine überflüssige Melodie, auf die man gut und gerne verzichten könnte.
Tom Clancy's Rainbow Six Vegas 2
Auch die KI weiß größtenteils nicht zu überzeugen, hier haben die Höhepunkte der Rainbow Serie schon weitaus mehr leisten können. Die Messlatte liegt daher recht weit oben, Vegas 2 kommt jedoch nicht mal in die Nähe eben diesen Maßstabes. Es werden zwar drei verschiedene Schwierigkeitsgrade angeboten, Unterschiede sind jedoch nur geringfügigst vorhanden. So tragen wir auf dem höchsten Level, "Realistisch" nunmehr nur noch zwei Granaten statt derer zehn. Gegner handeln jedoch noch genauso wie auf niedrigeren Stufen, nur dass sie etwas "hellhöriger" werden und schneller bemerken, dass wir wie wild auf sie einballern, als sonst. Den Klappentext "Die Terroristen im Spiel sind raffinierter als jemals zuvor(...)" können wir insofern nicht bestätigen.
Tom Clancy's Rainbow Six Vegas 2
Doch neben der Gegner-KI haben wir natürlich auch noch unsere eigenen Mannen unter Kontrolle, hier klappt die Befehlsgebung gewohnt lässig und ohne viel Wirr-Warr oder gar Durchklicken im Menü. Ein Druck auf die Leertaste genügt, um die virtuellen Kumpanen an die Position zu schicken, an die unsere Maus gerade zeigt. Dies funktioniert größtenteils gut, meist führen die Untergebenen unsere Befehle zur Zufriedenheit aus und handeln eigenständig. Dennoch passierte es manchmal, dass sich die Figuren irgendwie in einer Pfütze verharken und nicht mehr aus dem großen Hindernis rauskamen, ebenso war es öfters der Fall, dass sie einfach zu sehr eigenständig sind und in unerschlossene Räume, somit also in die Hände der Gegner, rannten. Doch nicht nur die Kameraden leiden an leichter Desorientierung, auch unser eigener Charakter verharkt sich das ein oder andere mal in Leitern oder anderen, unsichtbaren Gegenständen.
Tangos machen sich auch im Internet breit!
Tristes Menü eines Online-Matches
Neben dem durchschnittlichen Solo-Part liefert Rainbow Six: Vegas 2 aber auch einen umfangreichen Multiplayer-Part, der es jedoch auch nicht schafft aus der Mittelständigkeit des Programms herauszustechen. Denn obwohl das Spiel mehrere Spielmodi anbietet, so etwa einen Coop-Modus, mit dem man eine Kampagne Online oder im LAN mit Freunden zusammen durchstehen kann, und die stark an CS angelehnten Modi "Info-Beschaffung", "Geiselrettung" und "Zerstörung", ist hier wenig Neues oder Innovatives dabei. Neben den aufgezählten Modi stehen noch die altbewährten Deathmatches und Teamdeathmatches zur Verfügung. Hier zeigt sich das wahre Gesicht von Vegas 2, denn Taktik ist hier komplett fehl am Platz - Ballereien au masse sind an der Tagesordnung, um Schalldämpfer kümmert sich hier niemand mehr. Aus der Battlefield-Serie entliehen scheint der Modus "Totale Eroberung", in diesem streiten sich zwei Fraktionen um drei Satellitensender, welche es einzunehmen gilt. Einmal alle drei erobert gewinnt das Team, welche die "Basen" für 30 Sekunden halten kann. Und schließlich bietet Vegas 2 noch den Modus "Team-Anführer". Dies ist eine Art Capture the Flag, nur andersrum. Ziel ist es, seinen Team-Anführer zu unterstützen und beschützen, damit dieser die Partie für sein Team entscheiden kann. Dies geschieht, indem der Anführer den Weg zum Abholpunkt schafft und lebend dort ankommt, Ziel der gegnerischen Gruppe ist es natürlich die anderen zu hindern diesen mysteriösen Abholpunkt zu erreichen und ihren eigenen Anführer zuerst dort zu platzieren.
Restlichtverstärker und Wärmekameras bieten optimale Sicht, auch im Dunklen
Manko an den Mehrspielerpartien: Da die deutsche Version gekürzt wurde, damit es ein USK-Siegel bekommt, kann man auch nur mit deutschen Spielern online spielen. So sind in Deutschland alle Waffen von Beginn an freigeschaltet, alle anderen Versionen enthalten das sogenannte ACES-System, mit dem man für besonders gelungene Treffer Extra-Punkte bekommt und damit Waffen erst freischalten muss. Einen Vorteil hat die Zensur jedoch: Deutschen Spielern stehen von Anfang an alle Waffen zur Verfügung, Frust kommt nicht auf, nur weil irgendein "Über-Pro die totale Superwaffe hat" und wir nur mit einem unpräzisen "Karabiner" rumrennen... Ob das jedoch über den massenhaften Verlust an potentiellen Mitspielern hinwegtröstet... Wir sagen: Eher nicht. Denn während wir Vegas 2 getestet haben, waren nie mehr als vier oder fünf Server gleichzeitig online, Spielersuche gestaltet sich schwierig, vorallem zu unbelebteren Zeiten.
