Tomb Raider: Legend im Gamezone-Test

Test Peter Grubmair

Crystal Dynamics hat ganze Arbeit geleistet und offeriert uns eine Lara so modern und gelenkig wie nie zuvor.

Next Gen?

Mitunter wirken die Charaktere wie aus Plastik Mitunter wirken die Charaktere wie aus Plastik Es besteht überhaupt kein Zweifel, Tomb Raider auf der Xbox 360 ebenso wie auf dem PC mit aktivierten Next-Gen-Features, sieht noch einmal besser aus als die Xbox-Version und natürlich deutlich besser als die PS2-Version. Trotzdem haben wir besonders der 360 ganz genau auf die Finger geschaut und durchaus einige Unschönheiten entdeckt, die bei der herrlichen Next-Gen-Fassung aus dem Rahmen fallen. So bemerkt man erst bei der erhöhten Auflösung wie gerne sich Teile der Körper durchdringen, Arme in den Bauch hineingehen oder Haare kurz in der Schulter verschwinden. Viel auffälliger aber ist das verschmutzen von Laras Körper, der nach einem Bad im Sumpf richtig dreckig und braun ist, was irgendwie nicht mehr so hübsch aussieht als ihr perfekt rosa Teint. An manchen Stellen sogar halte ich diesen Effekt für etwas übertrieben, besonders wenn er mit dem seltsamen Glanz auf ihrer Oberfläche zusammentrifft, der anscheinend nur bei bestimmten Lichtverhältnissen auftritt. Dann nämlich wirkt Lara, trotz der erkennbaren Poren auf ihre Haut, nicht mehr besonders echt, sondern eher wie eine Plastikpuppe. Das trifft auch auf andere Charaktere zu die einem im Spiel begegnen, die mitunter einfach unecht aussehen.

Das Gesicht trocknet in der Sonne Das Gesicht trocknet in der Sonne Ebenfalls aus dem Next-Gen-Rahmen fallen die Motorradsequenzen, besonders die Szene bei der man auf einen fahrenden Zug springen muss präsentiert uns gleich mehrere grafische Fehler. Da fahren wir mehrmals an einem Hügel vorbei der wirkt als würden zwei verschiedene Texturen auf ihm liegen, die fröhlich flimmernd ihr Erscheinungsbild wechseln, während im Hintergrund ganze Bergketten aufploppen. Dies ist deswegen so unverständlich, da man ansonsten im Spiel von solchen Hässlichkeiten verschont bleibt. Einzig an mancher Cutscene kann man noch etwas mäkeln, wenn die Fahrzeuge aussehen wie hübsch texturierte Schuhkartons oder plötzlich Staubwolken fehlen welche in allen anderen Versionen vorhanden sind. Trotzdem muss man deutlich sagen, dass Tomb Raider Legend auf der Xbox 360 nach wie vor um Längen besser aussieht als auf der Xbox oder gar der PS2. Doch die Erwartungen an ein Next-Gen-Spiel sind einfach höher, was die grafische Darstellung belangt.

Zurück zu den Anfängen?

Western-Lara Western-Lara Nach den letzten Tomb Raider Titeln war es eigentlich zu erwarten, dass die Serie wieder zu alten Qualitäten zurückfinden muss um weiterhin bestehen zu können. Nicht umsonst wurden wir im Vorfeld mehrmals daraufhingewiesen, dass Lara nun wieder zu ihren archäologischen Wurzeln zurückgefunden hat. Doch keine Angst, Tomb Raider Legend wirkt an keiner Stelle altbacken oder wie ein Titel von gestern, ganz im Gegenteil ist das Spiel absolut up to date und präsentiert uns deswegen nicht nur die erwarteten Höhlen mit zugehörigen Steinrätseln und Geheimgängen, sondern auch viele moderne und urbane Orte, wie das Japan von heute beispielsweise, wo sich Lara in und auf stählernen Wolkenkratzern bewegt und gegen absolute HiTec bestehen muss. Doch ist der Mix aus dem wühlen in alter Erde und den modernen Örtlichkeiten herrlich gelungen, besonders auch weil die zugehörige Geschichte so spannend erzählt wird, was jeden einzelnen Ort im Spiel wichtig werden lässt.

Nicht alles lässt sich anvisieren Nicht alles lässt sich anvisieren Wenn es alleine nach meinem persönlichem Urteil ging, dann würde ich nämlich nicht behaupten, dass Lara zu den alten Wurzeln zurückgefunden hat, ganz im Gegenteil ist sie eher neu auferstanden, hat den Staub der Vergangenheit abgewischt und präsentiert sich komplett neu. Technisch ausgereift, vom spielerischen Anspruch her herrlich ausgeglichen und bar jedweder Spielspaßbremsen die nur eingebaut wurden um das Gameplay künstlich zu verlängern. Stattdessen gibt es niemals Zweifel wo es weitergeht, eher wie man es bewerkstelligt. Und wie schon in diesem Text erwähnt, bietet uns der Titel herrlich viel Abwechslung, zum Beispiel durch die eingestreuten Quick-Time-Events, bei denen es die angezeigte Taste schnellstmöglichst zu drücken gilt um Lara das Richtige machen zu lassen, wie sich rechtzeitig zu ducken oder nach etwas zu greifen. Doch sogar diese QT-Events, die nur selten und mit Bedacht eingesetzt wurden, kommen erstaunlich facettenreich daher.

Alle paar Kapitel begegnen wir einem Bossgegner, die, wie könnte es anders sein, kaum auf den ersten Versuch zu bezwingen sind, selbst wenn wir uns für den leichtesten der drei gebotenen Schwierigkeitsgrade entschieden haben. Denn allen gemein ist, dass man erst herausfinden muss wie sie zu bezwingen sind. Oft ist eine Kombination aus bestimmten Vorgehen und exaktem Timing nötig um ihrer Herr zu werden.

Musik & Sound

Tomb Raider: Legend Tomb Raider: Legend Spätestens wenn wir mit Lara das erste Mal auf dem Motorrad sitzen, wird uns die unglaublich gut passende Hintergrundmusik zum Spiel auffallen. Derweil sollte der aufmerksame Spieler schon vorher merken mit wie viel Gefühl die einzelnen Musikstücke ins Gameplay eingeflochten wurden. Erst seitdem ich dieses Spiel gespielt habe, weiß ich, wie gut Trance zu einer Ducati passt, besonders wenn man mit 150 Sachen durch die Steppe fegt.

Was aber die ganzen Lara-Fans unter euch am meisten freuen dürfte, ist der Umstand, dass sie wieder ihre bekannte Synchronstimme erhalten hat, nämlich die von Marion von Stengel, und wir uns nicht mit einer Aushilfsstimme zufrieden geben müssen. Doch neben ihr haben auch die anderen Synchronsprecher ganze Arbeit geleistet und sorgen für ein glaubwürdiges Spielerlebnis.

Lara, ganz allein für dich

Next-Gen-Postkarte Next-Gen-Postkarte Tomb Raider Legend ist ein reinrassiger Singleplayer-Spaß für einen Spieler alleine. Es gibt keinerlei Möglichkeiten sich zu Zweit mit ihr zu Vergnügen, Lara steht für keinen Dreier bereit. Der Schwerpunkt des Spiels liegt auf der erzählten Story sowie das möglichst schnelle und perfekte absolvieren der einzelnen Levelabschnitte. Perfekt sind sie, wenn wir alle versteckten Schätze in Bronze, Silber und Gold gefunden haben, und schnell müssen wir beim zweiten Mal sein, wenn wir uns an das Zeitspiel wagen, welches pro bestandenem Kapitel freigeschaltet wird. Selbstverständlich muss man diese Aufgaben nicht gleich in Angriff nehmen und kann sich beim ersten Durchgang voll auf das Spiel konzentrieren, um dann beim zweiten Durchgang möglichst alles perfekt zu machen.

Belohnungen

Nach jedem beendetem Kapitel werden wir für unsere Leistung belohnt. Und Tomb Raider Legend gibt sich wirklich spendabel und schüttet gerne und viel aus. Da gibt es Kostüme für Lara freizuspielen, welche sodann im optionalem Zeitspiel benutzt werden können, sowie weitere Objekte aus dem Spiel, wie Waffen und Fahrzeuge, aber auch Konzeptgrafiken, Charakter-Profile und sogar Waffenupgrades. Damit wird jedwede Art von Bonus-DVD unnötig.

Auch Achievements schüttet das Spiel gerne aus, ohne uns vor unmenschliche Herausforderungen zu stellen. Für jedes beendete Kapitel gibt es Gamerpoints, sowie noch einmal extra wenn wir besagten Level auch im Zeitspiel bestehen. Für das komplette durchspielen des Games gibt es selbstverständlich eine besonders hohe Ausschüttung, und an die letzten Gamerpoints kommen wir heran wenn wir alle versteckten Schätze im Spiel gefunden haben.

Meinung

Wertung zu Tomb Raider: Legend (X360)

Wertung:

8.5 /10
Pro & Contra
Laras neues Bewegungsrepertoireder magnetische Haken und seine Möglichkeitendie einwandfrei funktionierende Steuerungdas flüssige Gameplay ohne Frustmomentedie herrlich ausstaffierten Örtlichkeitendie hervorragend inszenierte MusikuntermalungLaras Mimikdas nasse Körper-Featuredie abwechslungsreichen Rätselstellungendas geschlitzte Abendkleiddie original Synchronstimme von Marion von Stengel
Haare und Arme durchdringen in seltenen Fällen die Körperdie Schatten auf den Charakteren selbst fallen mitunter negativ aus dem RahmenCharaktere wirken manchmal wie Plastikpuppen
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