Ein episches SciFi-Abenteuer voller Mythologie welches sich auch manchen technischen Schnitzer erlaubt.
Too Human soll 10 Jahre in der Entwicklung gewesen sein. Klar, dass Silicon Knights nicht die ganze Zeit mit voller Stärke an dem Titel gearbeitet hat, schließlich hat man ja auch noch so tolle Spiele wie Eternal Darkness auf den Markt gebracht. Dennoch war Too Human ursprünglich für die PlayStation 1 angekündigt. Wie soll man an ein solches Spiel herangehen? Muss man Perfektionismus erwarten, schließlich hatten die Macher viel Zeit über die Materie nachzudenken, oder darf man ruhig etwas skeptischer sein?
Einmal Cyber-Gott sein
Quelle: Silicon Knights
Too Human
Die Thematik von Too Human ist äußerst interessant, denn Silicon Knights verbinden die nordische Mythologie gekonnt mit einem düsteren Sci-Fi-Szenario, in dem die Menschheit nichts zu lachen hat, von Maschinenwesen terrorisiert wird und der Planet nur noch eine unangenehme Eiswüste darstellt. Hier kommen wir ins Spiel. Man übernimmt die Rollen von Baldur, einem Arsen. Die Arsen sind die Beschützer der Menschen und gleichzeitig werden sie als Götter verehrt. Wie sieht so ein Gott aus? Cyber-Implantate, eine martialische Rüstung, ein dickes Schwert und allerlei Ballermänner im Gpäck sind die auffälligsten Merkmale.
Quelle: Silicon Knights
Too Human
Auch so bekannte Namen wie Odin, Thor, Freya oder Heimdal stehen uns zur Seite und versammeln sich in Midgard, um über aktuelle Gefahren zu beraten. Und wenn man sich schon mal mit der entsprechenden Mythologie befasst hat, weiß man, dass wahrscheinlich Loki und Hel die Bösewichte sein müssten, was auch eintrifft. Getrieben von Rache, Baldurs Familie wurde getötet, macht man sich auf, dem Spuk ein Ende zu setzen. Obwohl die Gegner alle Maschinenwesen sind, haben sie Namen und Aussehen, die alle an mythologische Wesen erinnern. Ob Kobolde, Schwarzalben oder Trolle, da kommt einiges auf euch zu. Selbst Grendel, den man vielleicht aus Beowulf kennt, ist dabei und stellt einen Boss-Gegner dar.
Too Human
Das Szenario und die Charaktere sind wirklich sehr gut gelungen, auch wenn auf viele Götter nur sehr nebensächlich eingegangen wird. Nichtsdestotrotz wirkt die Geschichte rund um Baldur sehr unspektakulär und wenig tiefgründig. Zwar gibt es mitunter recht lange Zwischensequenzen, doch fragt man sich, ob das genug Stoff ist, um aus Too Human eine Trilogie zu machen, denn genau das haben die Entwickler eigentlich vor. Erzählt wird die Story übrigens in Ingame-Grafik. Die Charaktere sehen darin, und auch im eigentlichen Spiel, sehr gut aus, bewegen sich allerdings äußerst hölzern, weswegen die Videosequenzen nicht ganz so überzeugend herüberkommen.
Die Reise beginnt
Too Human
Bevor man sich ins Getümmel stürzt, hat man die Wahl aus fünf unterschiedlichen Charakterklassen: Kämpfer, Berserker, Verteidiger, Bio-Ingenieur und Kommandosoldat. Der eine ist gut im Nahkampf, der andere geht ordentlich mit Fernkampfwaffen um, während der Bio-Ingenieur zum Beispiel verbündete Einheiten heilt. Jede Klasse sieht dabei unterschiedlich aus und trägt andere Rüstungen. Habt ihr euch entschieden, geht es schon in den Kampf. Schnell merkt man, dass Too Human ein Hack & Slay RPG ist und hauptsächlich auf Gegnermassen statt Taktik viel Wert legt. Eine Angriffswelle nach der anderen wird in Richtung Valhalla geschickt, bis der Held im Level aufsteigt. Dann kann eine begrenzte Anzahl an Fähigkeitspunkten in neue Talente investiert werden, die uns beispielsweise höhere Rüstungswerte, mehr Schaden im Fern- oder Nahkampf sowie die Möglichkeit einen Helfer herauf zu beschwören, ermöglichen.
Darüber hinaus muss man nach dem ersten von vier großen Abschnitten die Wahl treffen, ob Baldur menschlich bleibt und verstärkt auf Kombo-Angriffe setzt, oder sich eher der Technik verschreibt und als Cyber-Krieger auftritt. Standesgemäß lassen die Feinde nach ihrem Ableben zahlreiche Ausrüstungsgegenstände und Waffen fallen. Hier punktet Too Human ordentlich, denn ihr werdet eine Vielzahl an Nahkampfwaffen, Pistolen, Rüstungen, Beinschienen, Schuhen, Handschuhen und Credits finden. Jeder Gegenstand lässt sich an der Spielfigur erkennen, weswegen sich ein einzigartiger Held erschaffen lässt. Gegenstände, die nicht gebraucht werden, können an Ort und Stelle in harte Midgard-Währung umgewandelt werden, während sich die Ausrüstung im Inventar bequem vergleichen lässt. So kann man schnell erkennen, ob der neue Kriegshammer mehr Schaden anrichtet, als der aktuell getragene Kampfstab. Über die Übersichtlichkeit im Inventar kann sich wahrlich niemand beschweren, da Gegenstände in Kategorien unterteilt und schnell durchsehbar sind.
Doch das ist nicht alles, was sich im Inventar anstellen lässt. Runen können in Waffen und Rüstungen eingesetzt werden, um diverse Werte zu verbessern. Zudem findet ihr im Verlauf so genannte Entwürfe, mit denen sich Ausrüstung erschaffen lässt. Dazu könnt ihr jederzeit nach Midgard zurück. Dort deckt man sich mit neuen Waffen ein und repariert vorhandenes Material, da sich jeder Gegenstand im Verlauf der Kämpfe abnutzt und irgendwann komplett zerstört ist. Manchmal ist es etwas nervig deswegen zurück in die Stadt zu "beamen", vor allem weil die Laufwege in Midgard einfach zu lang sind.
Vier mal in Hölle und zurück
Too Human
Insgesamt verschlägt es euch in vier große Gebiete, in denen ihr euch unzähligen Gegner stellt. Kaum ist man 20m gelaufen, steht schon die nächste Welle an. Leider stellt sich das Gameplay als äußerst abwechslungsarm und repetitiv dar, da ihr bis zum Schluss nichts anderes macht, als die immer gleichen Unholde zu verhauen, denn leider ist es so, dass die Vielfalt leider etwas vernachlässigt wurde. Sehr viel Feindestypen gibt es nicht und taktisch muss man in den wenigstens Fällen zu Werke gehen. Dadurch sahen sich die Entwickler wohl gezwungen, die Gegner mitleveln zu lassen, was dazu führt, dass man zwar gegen die gleichen Trolle und Kobolde kämpft, diese, wie der Held selbst, jedoch immer stärker werden.
Too Human
Abseits davon bewegt man sich durch sehr lineare Level, die keinerlei Möglichkeit zur Erkundung geben. Zwar gibt es hier und da eine kleine Abzweigung mit einem geheimen Raum, der Entdeckerdrang wird dadurch keinesfalls geweckt. Nebenquests gibt es ebenfalls keine, ebenso wie NPCs, die euch irgendwelche Infos geben. Man ist zwar stets in Begleitung einiger Soldaten oder beispielsweise Thor, im Endeffekt kämpft man sich lediglich bis zum Bossgegner durch und kehrt anschließend nach Midgard zurück. Da ist es fast schon egal, dass es keine Übersichtskarte während der Missionen gibt, an der man sich orientieren kann, denn im Prinzip wäre sie bis auf wenige Ausnahmen völlig unnütz.
Und so geht es bis zum bitteren Ende. Irgendwann verliert man schlicht die Lust 15 Stunden lang ohne Abwechslung auf Feinde einzuschlagen, denn so lang dürfte die Kampagne ausfallen, für ein Rollenspiel eindeutig zu kurz. Besonders Überhand nimmt dieses Problem im aller letzten Abschnitt, bei dem man keinen Schritt gehen kann, ohne dass man von 30 Monstern umgeben ist. Sicherlich ist das bei einem Action-RPG nichts ungewöhnliches, doch das ganze Drumherum, wie die emotionslose Welt und die Linearität, lassen schlicht wenig Platz für Heldentum. Zwar kommt eine gewisse Sammelwut auf, doch bei der Abwechslungarmut kann man fast schon froh sein, dass man nicht länger als 15 Stunden als Gott die Fetzen fliegen lässt.
