Das französische Top Spin 3 weiß durch tolle Steuerung zu überzeugen, hinkt technisch aber den Next-Gen Versionen hinterher.
Sobald ein Titel für die Wii erscheint, den es auch auf anderen Konsolen zu haben gibt, erwarten Euch mit inzwischen an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit drei Dinge: Das Spiel an sich wurde abgespeckt, bei der Optik wurde ein bis vier Gänge zurückgeschaltet und die Steuerung wurde mal mehr, mal weniger geschickt der Mote angepasst. Und siehe da, Top Spin 3 erfüllt alle drei Kriterien mit Bravour.
Auf den "großen" Konsolen bot Euch Top Spin 3 das, was man von jedem vernünftigen Tennisspiel heutzutage als selbstverständlich erachten sollte. Ein umfangreicher Karriere-Modus lässt Euch einen eigenen Spieler zusammenbasteln, den Ihr dann durch viele Tourniere stählt, seine Werte verbessert und in den Weltranglisten aufsteigen lässt. Nichts davon findet sich auf der Wii wieder. Hier ersetzt der "Road to Glory" - Modus die Karriere. Ersetzt steht leider nicht für "bietet einen gleichwertigen Ersatz".
Kein Nadal, keine Karriere
Top Spin 3
Euch erwartet hier eine definierte Abfolge von verschiedenen großen und kleinen Turnieren, deren Abfolge sich ein ganz klein wenig verzweigt. US und Australian Open als fixes Miniturnier, dazu Aufgaben wie sieben Siege in Folge oder ein Miniturnier aus Tie-Breaks zu bestehen hätten nette und willkommene Bonusevents abgegeben. Mehr nicht. Langfristige Motivation, die über das Spiel selbst hinausgeht findet Ihr hier dummerweise nur sehr bedingt, denn einmal durchgespielt ändert sich der grundsätzliche Ablauf auch dann nicht, wenn Ihr mit einem anderen der 25 namhaften Spieler ins Rennen geht. Einen eigenen Spieler an die Weltrangspitze zu bringen und große Tourniere zu gewinnen bringt Euch viel Motivation, von der hier leider gar nichts geboten wird. Mit Roger Federer ein paar eingedoste Standards abzuarbeiten nimmt sich dagegen sehr schwach aus.
Top Spin 3
Immerhin sollte das Lineup der Spieler Euch halbwegs zufriedenstellen wenn es schon keine eigenen gibt. Selbst ohne den PS3-exklusiven Nadal sollte mit Federer, Haas, Sharapova, Murray oder Ancic für jeden was dabei sein. Im Notfall könnt Ihr Euch immer noch an die Klassiker Becker, Borg und Seles halten. Jeder Spieler unterscheidet sich nach den üblichen Kriterien Grundlinie, Volley und Aufschlag. Der kleine aber feine Nachteil der festen Werte der Spieler liegt darin, dass es wenig Anreiz gibt, jemand anders als den beinahe perfekten Alleskönner Federer zu nehmen. Außer natürlich Ihr seid große Fans eines Konkurrenten und lebt mit dessen Schwächen. Die Spieler unabhängig von Ihren wahren Fähigkeiten durch Spiel verbessern zu können hätte hier motivationstechnische Wunder gewirkt.
Wii-der mal nicht online
Top Spin 3
Genau wie ein Online-Modus viel hätte reißen können. Wieder ein Feature der anderen Konsolen, dass Ihr auf der Wii ersatzlos gestrichen findet. Seid Ihr bis jetzt wahrscheinlich längst gewöhnt, egal wie traurig der Umstand sein mag, dass eine moderne Spielkonsole offensichtlich kaum in der Lage zu sein scheint, eine solche Selbstverständlichkeit anzubieten. Und sei es nur mit den fragwürdigen Freundescodes. Als sehr, sehr, sehr kleines Trostpflaster werden Euch ein Single und ein Double Partymodus angeboten. Ihr spielt eine normale Runde, im Anschluss werden für die Teams Punkte verteilt und gezählt wer besser gespielt hat. Großartig? Nein, nicht wirklich. Ihr müsst schon ziemliche Tennis-Nerds sein und auch mit solchen eine Party veranstalten, um hier wirklich Spaß zu haben.
Denen könnt Ihr dann aber auf keinen Fall das Tutorial zum Lernen anbieten. In zehn Kapitel bringt es Euch die Feinheiten der Steuerung näher. Erwartet aber nicht, dass Ihr hier selbst die Moves testet bis der Computer Euch sagt, dass Ihr es drauf habt. Einfache, kleine Schaubildchen zeigen Euch die richtige Haltung der Mote und welche Knöpfe Ihr drücken müsst. Selbst auf dem Super Nintendo hätte das dürftig gewirkt. Und angesichts der durchaus nicht ganz trivialen Steuerung ist das einfach zu wenig.
Als letztes gibt es dann natürlich noch den Exhibition-Modus. Wenigstens der fand seinen Weg auf die Wii. Und das sogar noch unbeschnitten. Ihr wählt zwischen Einzel und Doppel, Satzzahl und Spieler und auf geht's. Es ist der Modus, den Ihr am Ende wohl am häufigsten nutzen dürftet.
Nu lauf doch mal, Balljunge!
Top Spin 3
Auch die technische Umsetzung erfüllt die Prophezeiung. Top Spin 3 ist bei weitem keine Katastrophe, die verschiedenen Spieler ähneln Ihren realen Gegenstücken ganz ordentlich und auch die Farben wirken satt und lebhaft. Ganz im Gegensatz zu allen Menschen, die keine Tennisschläger schwingen. Die Balljungs scheinen zu Salzsäulen erstarrt, ein Schicksal, dass sie mit dem Schiedsrichter teilen. Auch im Publikum zeigen sich praktisch keine Regungen. Genau wie das eher traurige und lieblose Menü wirkt sich nichts davon wirklich schlimm auf das eigentliche Spiel aus, ein wenig mehr muss man aber auch auf der Wii erwarten dürfen. Etwas schwächere Hardware ist schließlich keine Ausrede für Lieblosigkeit.
