Trinity: Souls of Zill O’ll im Gamezone-Test

Test Alexander Winkel

Würden Grafik und Questdesign mitspielen, wäre Trinity ein echt guter Titel. So lockt er leider nur alte Hasen hervor.

Quests wie aus dem Lehrbuch

Trinity: Souls of Zill O’ll Trinity: Souls of Zill O’ll Sehr viele Missionen haben nicht einmal was mit der eigentlichen Geschichte zu tun und degradieren den Elfenjungen schlicht zum Botengänger und Deppen vom Dienst. Mal wieder gilt es zwanzig Ogern die Kehle aufzuschlitzen, eine Gnomhöhle auszuräuchern oder einen verirrten Wanderer sicher nach Hause zu begleiten - diesen Mix in einen Topf geworfen, gut gerührt in zigfachen Häppchen innerhalb von 40 Stunden Spielzeit unter die Abenteurer verteilt. Den Auftragsgebern kann man daher sicherlich keine Sinn für Varianz attestieren, vor allem dürften alteingesessene Schuster bei dieser "grandiosen" Abwechslung kaum mit der Wimper zucken. Bleib bei deinem Leisten, heißt es zwar so schön, doch davon kann sich Areus wahrlich wenig Freude kaufen. Der Weg führt mit wenigen Ausnahmen in die Gilde, die Schriftrolle der Quest verrät, was zu tun ist, die Truppe tritt den Weg in die düsteren Wälder, Wüsten und Höhlen an und kommt mit dem Ergebnis in die Stadt zurück. Hübsch inkrementierte Zahlenreihen in Form von Erfahrung und Attributen erfreuen letztendlich jedes RPG-Herz, sei es noch so schwach am schlagen.

Trinity: Souls of Zill O’ll Trinity: Souls of Zill O’ll Zwanzig gehackte Ogerköpfe für Omas Hausgemachtes lassen es schon vermuten: Trinity artet in eine ermüdende, da meist zeitraubende und mit Längen durchzogene Rennerei von A nach B für meist völlig banale Dinge aus, mit einem einzigen Lichtblick: Trotz starrköpfigem Verhalten ist der gefallene Emporkömmling der hohen Dynastie in gewissen eingegrenztem Maße sogar teamfähig (auch wenn ein Koop-Modus schmerzlich vermisst wird). Will heißen, das er sich bisweilen doch auf die muskulöse Kraft eines Riesen namens Dagda verlässt oder die gute Selene zu entlegene Schatzplätze dirigiert - jederzeit ist der Wechsel im Dreiergespann möglich und offenbart die volle Palette an speziellen Fähigkeiten. Selene hüpft mit Doppelsprung höher als alle anderen, Dagda schleudert gar Steinsäulen um sich. Reichlich Kopfschmerzen verursachen auch Feinde, die teilweise nur in bestimmten Momenten verwundbar sind oder - die Entwickler haben das Handbuch "RPGs für Dummys" gelesen - werden entsprechend ihrer Elemente bekämpft: Wasser bzw. Eis gegen Feuer und wie gewohnt so weiter! Wirklich gelungen, da auch hübsch effektreich inszeniert, sind immerhin die kombinierten Angriffe - Trinity Attacks - welche vor allem bei Bossgegnern mit Schaden punkten.

Antikes Design

Trinity: Souls of Zill O’ll Trinity: Souls of Zill O’ll Ernüchternd ist aber weder die Tatsache, dass Trinity 08/15-Kost von der Stange ist, noch der spielerisch vermisste Tiefgang, sondern die Staubschicht, die sich wie ein Schleier über ein postmodernes Playstation 3 Flaggschiff legt. Nostalgisch anmutende, sicherlich für viele auch deswegen gerade herrlich schöne Bitmapfiguren mit Text-Sprechblasen sind so was von drei Generationen veraltet, so dass die Faltkarte dienlich als Oberwelt schon gar nicht mehr wirklich ins Gewicht fällt. Dieses Stück Pergament wird wie ein modernes iPad verwendet: Menüpunkt Taverne anwählen und schon wird die Schar an suffköpfigen Gästen gelistet. So arbeitet man sich durch die Arena, die Shops und Gilden, ohne viel von der aufwendigen Architektur zu sehen. Auch wenn die meisten Konversationen eher ein Gähnen als ein Lächeln hervorrufen und somit schnell weggeklickt sind, solltet ihr übrigens der schlichten englischen Sprache zumindest in schriftlicher Form mächtig sein, da es weder deutsche Sprachausgabe (die selten vorkommt) noch übersetzte Bildschirmtexte gibt!

Trinity: Souls of Zill O’ll Trinity: Souls of Zill O’ll Wahrlich schleierhaft ist uns aber vor allem das grobmaschige Relief, welches trotz mehrmalige Politur weiterhin das farbenfrohe Bild ziert. Die Atmosphäre ist da, keine Frage. Die Sonne blinzelt zum Beispiel durch das Blätterdach oder scheint grell hell auf den Wüstensand, oftmals aber völlig übertrieben mit einem reichlich überzeichnenden Glow-Effekt. Über alles legt sich aber ein Pergamentmuster, welches wie eingebrannt in den LCD wirkt, vor allem in dunklen Passagen oder Videos stark auffällig ist und sicherlich das Gefühl einer auf Papier oder Haut gemalten Geschichte vermitteln soll. Stattdessen liegt die Vermutung aber nahe, dass die grafische Unfähigkeit vertuscht werden sollte. Egal wie viele Medusen, Drachen und Pflanzen sich Mühe geben, Trinity hätte auch in der letzten Generation keinen Blumentopf gewonnen. Doch Grafik war noch nie die Stärke der Koei-Entwicklerschmieden, da muss man ihnen den Versuch an Abwechslung bezüglich der Reiseziele trotz allem zu Gute halten!

Meinung

Wertung zu Trinity: Souls of Zill O’ll (PS3)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
epische Einleitung und herzzerreißende Geschichtesympathische Charaktere (auch Nebenfiguren)sehr aufgeräumtes und übersichtliches Menüperfekter Vergleich unterschiedlicher Waffen und Accessoires möglicheinfacher Einstieg und mehrere Schwierigkeitsgradeausreichend lange Spielzeitsehr viele Quests (wenn auch nicht gerade unterschiedliche)
wiederholende Aufgabenstupide Missionen ganz alter RPG-Kunstsimples Buttonmashing (immerhin garniert mit Teamangriffen)sehr schlichte und altbackene Aufmachung (Oberwelt, Städte, …)völlig überholte Grafiksinnfreier Textureffekt auf der Spielkamera (in Konversationen, Spiel & Videos)kein Koop-Modus
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