Twin Sector im Gamezone-Test

Test Sandro Odak

Das erste Spiel von Headup zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass die Ideen fast allesamt aus anderen Spielen stammen.

Twin Sector Twin Sector Statt übrigens mit den beiden Maustasten Portale an die Wände zu ballern und so Raum und Zeit zu krümmen, hat Ashley telekinetische Handschuhe. Mit dem Linken kann sie Dinge anziehen, mit dem Rechten wegstoßen. Prinzipiell lassen sich damit tolle Physik-Rätsel bauen, da die Havok-Engine aber leider nur irgendwie halbherzig eingesetzt wird, verdirbt auch das den Spielspaß. Durch die Luft schwebende Kisten, die eine Tonne berühren, welche daraufhin mit einem Affentempo durch den Raum fliegen oder bei der kleinsten Berührung umfallen sind einfach nicht realistisch. Dass man sich dadurch auch gut und gerne mal eine Mission versauen kann, zeigt das Mapeigene Hilfssystem: Wichtige Objekte, die zum Erfüllen der Ziele notwendig sind und kaputt oder verloren gehen können, spawnen ohne Unterlass an dafür vorgesehenen Schächten nach. So sollen Wasserkanister (die beim Transport kaputt gehen können) oder Gasbehälter (die gerne mal an der falschen Stelle explodieren) nie ausgehen.

Geradliniges Gameplay

Twin Sector Twin Sector Während man zu Beginn von Twin Sector noch an abwechslungsreiches und spaßiges Gameplay glaubt, macht sich auch hier schnell Ernüchterung breit. Level sind streng linear aufgebaut und lassen häufig nur wenig Platz für eigene Ideen: Findet man den vorbestimmten Weg nicht, muss man halt so lange rumprobieren bis man ihn findet. Dabei wirken die Szenerien aber häufig gekünstelt. Dass genau an der Stelle wortlos ein Feuerchen vor sich hin brennt, wo man Dinge in die Luft jagen muss, oder der Laser genau auf die Tür zeigt, die man dann auf Knopfdruck wegböllert, kann einfach kein Zufall sein. Häufig wirken daher auch die "Überraschungsangriffe" von feindlichen Robotern und Selbstschussanlagen, gesteuert von bösen Systemprozessen, welche die Menschen eigentlich nicht wieder aufwecken wollen, arg gestellt. Sie tauchen ständig dann auf, wenn der Rätselfaktor niedrig ist und man sonst vermutlich vor Langeweile in einer Passage sterben würde.

Twin Sector Twin Sector Das wären zuweilen alles Punkte, über die man guten Gewissens hinweg sehen könnte, wenn die geforderten Rätsellösungen wenigstens knackig-schwer wären und halbwegs zum Nachdenken anregen würden. Stattdessen läuft es meinst auf einfachste Schalter-Rätsel hinaus, etwa wenn man notwendige Sicherungen im Level verteilt finden muss, um dann ein paar Generator-Knöpfe drücken zu können. Vor allem in solchen Szenen fällt Twin Sector durch seine Trostlosigkeit auf: Cutscenes sind wirklich selten, Dialoge gibt es kaum. Und selbst wenn: Ashley hat uns eh nicht viel zu sagen. Ein bisschen Brummen und ein kurzes Bildzuckeln müssen da schon auslangen, um dem Spieler zu anzuzeigen "Hey! Diese Wasserpumpe funktioniert wieder, du hast dein Levelziel erreicht!"

Zweckmäßige Technik

Twin Sector Twin Sector Technisch spielt der Titel aus Deutschland im grafischen Mittelfeld mit. Twin Sector ist zwar kein großer Protzer und Blender, schlecht aussehen tut er dennoch nicht. Dafür entwickelt sich schon bald eine gewisse Endzeit-Flur-Einöde: Neben den repetativen Gameplay-Elementen ist nämlich auch in Sachen Umgebungstextur und -Einfallsreichtum wenig geboten. Auch an Effekten bietet das Spiel dem Auge nur wenig: Weder große Licht- und Schattenspielereien, noch tolle Laser-Animationen werden geboten, da wäre, auch ob der Endzeit-Stimmung und den vorhandenen Laserstrahlen, mehr drin gewesen. Für Tristesse sorgen auch zuvor erwähnte Physik-Bugs, etwa bei kleinsten Bewegungen umherschwirrende Kisten, oder komischen Jumpeinlagen.

Twin Sector Twin Sector Charismatischer Spielsound ist in Twin Sector kaum vorhanden: Außer einigen Soundbugs beim Entlang-Scharren von schwebenden Objekten an Mauern ist nur wenig vertont worden. Dialog-Zeilen sind selten, natürlich auch wegen der Thematik "Last (wo)man standing". Dabei hätte man die Soundkulisse, auch in Hinsicht auf die Sprung- und Parcours-Abschnitte, die man mithilfe der telekinetischen Handschuhe bewältigt, toll ausbauen können. Gute Vorbilder in dieser Hinsicht gibt es auf dem Markt jedenfalls genug - wenn man denn nicht gleich eigene Ideen einbinden will.

Meinung

Wertung zu Twin Sector (PC)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
Noch relativ aktuelle Ideen (die dennoch schamlos bei anderen abgeschaut sind)interessante Endzeit-Story mit einigen Wendungenteilweise knackige Physik-RätselNiedrigpreis von 26,99 Euro
Vertonung nicht gelungen (außer die Sprecher SOLLEN so hölzern und emotionslos wirken)technisch hätte man mehr rausholen könnenentscheidende Gameplay-Elemente viel zu selten gut eingesetzteinige Physik-Bugs (teils fatal)sehr geradliniger und linearer Aufbaufür eigene Ideen und Lösungsinterpretationen ist kaum Platz
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