Funatics, das Entwicklerstudio hinter Die Siedler 2 und Cultures kehrt mit dem PC-Titel Valhalla Hills zu seinen Aufbaustrategiewurzeln zurück.
Es gibt Ärger in Valhalla: Odin ist stinksauer auf seinen Sohn Leko, der sich lieber mit Bausteinen beschäftigt, anstatt seine Zeit der Waffenkunde zu widmen. Die Konsequenzen bekommt Leko direkt zu spüren, denn Odin schmeißt den verspielten Sprössling einfach aus dem Paradies und zwar ohne Rückfahrschein. Um wieder nach Valhalla zurückkehren zu dürfen, muss Leko erst sein Können als irdischer Baumeister unter Beweis stellen und in bester Siedler-Manier neue Wikinger-Dörfer aus dem Boden stampfen. Das humorvoll inszenierte Intro im Comic-Stil stimmt schon mal prima auf den beschaulichen Strategie-Titel Valhalla Hills ein, der seit dem 19. November 2015 als Retail-Version erhältlich ist.
Quelle: Daedalic Ent.
Am 2. Dezember 2015 ist der Titel in der finalen Version auch als digitaler Download über Steam und GOG veröffentlicht worden, was zusätzlich noch ein paar Neuerungen mit sich gebracht hat. Käufer der Handelsversion erhalten diese inhaltlichen Veränderungen, wie beispielsweise die Bergzwerge oder die neuen Verteidigungstürme, mit dem kostenfreien Patch auf Version 1.01.04 geliefert.
In den Bergen von Valhalla wartet klassische Aufbaustrategie
Die Ähnlichkeiten zu den klassischen Spielen Die Siedler 2 und Cultures kommen nicht von Ungefähr, schließlich ist Valhalla Hills beim deutschen Entwickler Funatics entstanden, der sich bereits für die Produktion der beiden erstgenannten Titel verantwortlich zeichnete. So geht es auch bei Valhalla Hills darum, auf jeder Karte eine Siedlung mit einer funktionierenden Produktionskette aufzubauen, um letztendlich ein Portal nach Valhalla zu erreichen. Jeder Level enthält solch eine Himmelspforte, doch das Betreten eines Portals stellt sich als risikoreiches Unterfangen heraus: Der Levelausgang wird nämlich von Portalwächtern gesichert und ihr benötigt eine schlagkräftige Truppe, um durch das Portal zu gelangen. Wer nicht kämpfen will, der darf wahlweise auch eine Opferstätte vor dem Portal errichten, um die Wächter zu "bestechen" und gefahrlos die nächste Stufe zu erreichen. Weitere Missionsziele sucht man übrigens vergebens, doch nach einigen Spielstunden werden zumindest neue Gebäude und Geländetypen oder kniffligere Portalgegner freigeschaltet.
Die Wikinger und ihre Ressourcen
Quelle: Daedalic Ent.
Das ganze Drumherum wirkt dank des eingesetzten Comic-Looks auf Basis der Unreal Engine 4 ziemlich stimmig und es macht wirklich Spaß, den kleinen Wikingern bei der Arbeit und dem Herumwuseln zuzuschauen. Die Hintergrundmusik beschränkt sich aber leider auf nur zwei Musikstücke, eines für den Aufbau der Siedlung und eines für den Kampf. Wie vorhin angesprochen, müsst ihr in jedem Level für eine reibungslose Logistik sorgen, was uns gleichzeitig zum größten Kritikpunkt des Games führt: Errichtet ihr eines der wichtigen Lagerhäuser, wird gleichzeitig ein Arbeiter neben dem Gebäude platziert, der in einem bestimmten Radius alle herumliegenden Ressourcen einsackt und ins Lagerhaus bringt. Da es keine Möglichkeit gibt, Waren einzuschränken oder bestimmte Güter als "wichtig" zu markieren, wird euer Speicher schnell mit allerlei Zeug, wie Holz, Fisch oder Granit zugestopft. Der Bäcker nebenan muss dadurch ewige Wartezeiten hinnehmen, bis das dringend benötige Mehl aus einem anderen Lagerhaus geliefert wird. Eine weitere Designschwäche ergibt sich aus den zufallsgenerierten Karten, die mit ihren eingeschränkten Bauplätzen die Konstruktion von idealen Produktionsketten erschweren oder gar unmöglich machen.
Selbstverständlich gehören zu euren Siedlungen auch militärische Einrichtungen in denen bewaffnete Wikinger auf ihren Einsatz warten. Diese Armeelager können mit der "M"-Taste verschoben werden und beherbergen drei verschiedene Axtkämpfer-Typen sowie zwei Arten von Bogenschützen. Sollten sich Gegner in die Reichweite eines eurer Armeelager wagen, geht eure Streitmacht direkt zum Angriff über. Kampfoptionen oder Anweisungen für die Truppe gibt es leider keine, dafür dürft ihr Abwehrtürme errichten, um eure Siedlungen dauerhaft zu schützen.
Aufbau-Strategie mit kleineren Problemen
Quelle: Daedalic Ent.
Valhalla Hills weist eine deutlich sichtbare Verwandtschaft zu den klassischen Siedler-Ablegern auf. Funatics setzt dabei auf eine Menge Mikromanagement, hat jedoch zu wenig Zeit in das Feintuning der Bedienung investiert. Das Spiel nervt mit umständlichen Aktionen: Warum lässt sich das Ressourcenfenster nicht dauerhaft einblenden und warum dürfen wir im Pause-Modus keine Gebäude oder Einheiten markieren, um Informationen einzuholen? Trotz der Mängel hatten wir gut 12 Stunden Spaß mit dem Spiel und wer nach dem Freischalten aller Gebäude (17 Produktionsstätten, 8 logistischen Einrichtungen und 9 Militäranlagen) noch weitere Herausforderungen sucht, kann in den Optionen die Bergzwerge aktivieren. Dabei handelt es sich um eine feindliche Fraktion, die euch mit ihren eigenen Siedlungen und einem stetigen Ressourcenabbau das Leben schwer macht. Trotz des charmanten Wuselfaktors fehlt es Valhalla Hills auf Dauer an Abwechslung und da jede Karte einen kompletten Neuanfang darstellt, wirkt der Start in den nächsten Level oftmals recht mühselig.
