Der Klassiker der Arcade-Tennis Action aus dem Hause SEGA ist zurück und bringt satten und motivierenden Spielspaß.
Einfach runder, einfach besser
Virtua Tennis 3
Bis zu diesem Punkt klingt die nähere Beschreibung von Virtua Tennis 3 eigentlich genau so, wie die der Vorgänger, sofern man von den kleinen Neuerungen im World Tour Modus mal absieht. Zugegebener Maßen hat sich auch wirklich recht wenig in der Virtua Tennis Welt getan, denn letztendlich baut auch dieser Ableger auf der Spielmechanik der Vorgänger und spielt sich daher wie eine etwas aufgeblasene Version des zweiten Teils. Doch wurde durchaus wichtige Detailarbeit geleistet, vor allem bei Aspekten, die in den früheren Virtua Tennis Ablegern immer wieder kritisiert wurden. Da wäre zum Beispiel der Punkt, dass man früher maximal einen Satz in einer Begegnung spielen konnte, was dem Arcade Charakter der Serie zu verdanken war. Bei Virtua Tennis 3 darf man aber endlich bis zu 5 Sätze à 6 Punkte mit Tiebreak austragen, sofern man es will. Ebenfalls neu ist die bereits erwähnte Option, ein gemischtes Doppel auf die Beine stellen zu können, sowie die neue, sehr komfortable Kamera-Reglung. Spielt ihr nämlich gegen die CPU, so müsst ihr bei einem Seitenwechsel auf dem Court nicht mehr auf der oberen Seite des Feldes spielen. Stattdessen folgt euch die Kamera, so dass ihr immer auf der unteren Seite steht, auf der ihr deutlich mehr Übersicht habt. Wer gerne im Rudel vor der Konsole hockt, wird sich zudem über die einzeln anwählbaren Multiplayer Varianten der Minispiele freuen, an denen bis zu vier Spieler an einem Rechner (z.T. gleichzeitig) teilnehmen können.
Virtua Tennis 3
Obwohl es nicht viele Neuerungen gibt und sie auch nicht sonderlich spektakulär klingen, muss man den Jungs von Sega (bzw. von Sumo Digital) jedoch einräumen, die ohnehin schon gute Serie nochmals verbessert und den Gesamteindruck spürbar abgerundet zu haben. Alle Aufbesserungen sind mit Ausnahme der Tennis Akademie absolut sinnvoll und haben in den früheren Ablegern der Serie einfach gefehlt. Echte Virtua Tennis Veteranen werden zwar noch immer die etwas sensiblere Ballsteuerung des ersten Teils vermissen, doch insgesamt spielt sich Virtua Tennis 3 sogar noch etwas besser. Man hat das Gefühl, dass die Position des Spielers zum Ball mehr Einfluss hat, als noch bei Virtua Tennis 1 und 2. Allerdings wurde der Schwierigkeitsgrad etwas herabgesetzt, wodurch die CPU auf dem "Normal" Schwierigkeitsgrad kaum noch eine Herausforderung darstellt, dafür aber Neulingen den Einstieg erleichtert. Leider hat man es beim World Tour Modus etwas übertrieben, denn die ersten Aufgaben, die euch präsentiert werden, sind wirklich sehr leicht. Dafür zieht der Schwierigkeitsgrad gehörig an, sobald man die 150er Marke auf der Weltrangliste überschritten hat, was von einer nicht übermäßig ausgewogenen Lernkurve zeugt, insgesamt aber nicht stark ins Gewicht fällt und teilweise sogar noch zum ausgiebigeren Training motiviert.
Grafik hui...
Virtua Tennis 3
Da Virtua Tennis 3 der erste Next-Gen Ableger der Serie ist, waren viele Spieler natürlich besonders auf die grafische Umsetzung gespannt. Die Vorabscreens waren jedenfalls ziemlich vielversprechend. In der Praxis, sprich in Bewegung und bei genauerer Betrachtung, ist der grafische Eindruck aber etwas schwächer als das Versprochene, und gerade bei der PC Version wurden viele Abstiche zugunsten der Rechenzeit gemacht. Spieler und Courts sind zwar hervorragend modelliert und beleuchtet bzw. schattiert, doch sind manche Texturen unscharf und bieten leider keine Tiefeneffekte wie z.B. Bump Mapping, die der Grafik mehr Detail verpassen würden. Dafür läuft Virtua Tennis 3 auch auf relativ alten Rechnern noch mehr als passabel. Ein Hauptprozessor mit mehr als 2 Gigahertz und 512 MB Arbeitsspeicher samt einer DX 9 fähigen Grafikkarte müssen es schon sein, aber selbst bei diesen Hardwarevoraussetzungen lässt es sich mit rund 30 Frames pro Sekunde in 800 x 600 Pixeln ordentlich zocken. Wer die Grafik ein wenig weicher und besser schattiert haben will, sollte aber noch ein Bisschen mehr zu bieten haben.
Virtua Tennis 3
Sei es, wie es ist, insgesamt wirkt die Grafik halt ein wenig platt, was man besonders bei Betrachtung der Protagonisten feststellt, deren Haut oft einfach zu makellos glänzt, bzw. wie man an den Böden der Courts sieht, die abgesehen von kleinen Fußspuren, die von den Spielern hinterlassen werden, keine erwähnenswerten Besonderheiten bieten. Es wäre z.B. nett gewesen, auf den Sandplätzen eine hoch aufgelöste (Bump Mapping-) Kieselstruktur oder zusätzliche Animationen wie aufgewirbelten Sand zu sehen. Doch will ich VT3 damit keinesfalls eine miese visuelle Umsetzung unterstellen. Ganz und gar nicht, denn die Courts bieten sehr viele Objekte und Charaktere wie z.B. herumstehende Sitze, Balljungen und große Tribünen (jedoch mit einem Publikum aus Pappkameraden), die trotz ihrer Nebensächlichkeit eine Menge zum überzeugenden Gesamtlook beitragen. Doch sind es vor allem die flüssigen, nahtlos ineinander übergehenden Animationen der Tennisspieler, die hervorzuheben sind, denn sie geben dem Geschehen auf dem Platz eine glaubhafte Dynamik, die durch die exzellente Beleuchtung und Schattierung noch verstärkt wird. Selbst die Kleidung flattert locker an den Körpern, während eure Tennisprofis über den Platz flitzen, sich in kurzen Close-Ups über einen gewonnenen Ballwechsel freuen oder jemanden um ein Handtuch zum Schweiß abwischen bitten. Doch sollte man auch hier, wie im Rest des Spiels, nicht zu viel Realismus erwarten. Einige Schläge wie z.B. Schmetterbälle haben schon fast ungewollten Slapstick Charakter, da die Tennisprofis hier etwas verkrampft scheinen. Auch der berühmte Schlag zwischen den Beinen hindurch, der bestimmt in mehr Comedy Shows als in echten Tennisbegegnungen zum Einsatz kam, kann in Virtua Tennis zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt werden. Es ist und bleibt eben eine Spielhallenumsetzung, aber das flüssige und hektische Spielgeschehen macht spielend jeden fehlenden Effekt vergessen und das Gesamtbild ist einfach stimmig.
Sound pfui...
Virtua Tennis 3
Leider steht es um die musikalische Begleitung und die eingespielten Soundeffekte bei weitem nicht so gut wie um die visuelle Abteilung. Die Soundeffekte sind leider noch immer die selben wie beim ersten Virtua Tennis aus dem Jahr 2000 und klingen leider immer wie ein Schlag in der Halle, selbst wenn man unter freiem Himmel spielt. Auch das Publikum ist für ein Tennismatch etwas zu aktiv und kommentiert jeden knappen Schlag mit einem von zwei "oooohh" Samples, die einem nach einer gewissen Zeit schon ein wenig auf die Nerven gehen können. Doch sind die Soundeffekte im Vergleich zur Hintergrundmusik noch einigermaßen erträglich. Zwar ist die Musik auf den Courts im Gegensatz zum VT2 Soundtrack wieder Rock- bzw. Heavyorientierter, doch statt der aufpeitschenden, mehrstimmigen Gitarrensoli, die wir aus dem ersten Teil der Serie kennen, dominieren diesmal Klänge aus dem Sythesizer die Melodiestimmen. Auch kompositorisch sind die Tracks bei Virtua Tennis 3 wahrlich kein Genuss und erinnern euch irgendwie an den kleinen Jungen bei Karstadt, den ihr nie mochtet, weil er immer die Demo-Funktion auf den 50 Euro Keyboards in der Spielwarenabteilung aktivierte. Zum Glück lässt sich die Musik im Optionsmenu abdrehen.
