Zunächst pompös, dann ernüchternd. Das JRPG macht durchaus Laune, hat aber auch so seine Macken im Gepäck!
White Knight Chronicles
Dennoch spielt, auch wenn es viele nicht wahr haben wollen, die Größe in "White Knight Chronicles" definitiv eine mehr als übergeordnete Rolle. Diese Lektion wird schon relativ zu Beginn des Abenteuers erteilt, als der gute Leonard sich eines antiken Artefaktes bemächtigt und dadurch eine geheimnisvolle Macht freisetzt. Mit der wertvollen Rüstung im Gepäck und einigen guten Treffern gegen feindliches Getier oder Schergen der "Magi" auf dem Konto, kann er sich in einen hünenhaften Riesen im schicken Ritterkostüm verwandeln und somit gar solch furchterregende und meist Bildschirme füllende Kreaturen wie mächtige dreiköpfige Drachen oder haushohe Trantulas fast gar in Sekundenschnelle bezwingen. Kein Wunder, bei der enormen Größe und somit den ungemütlich harten Attacken, die hinter seinen Schwerthieben stecken. Da verliert ein jeder gerne mal einige Lebenspunkte und gibt geradezu kleinlaut nach. Doch nicht nur deswegen wird es zu einem Spaziergang wie am Sonntag Nachmittag in der Frühlingssonne. Das komplette Abenteuer versteht es geradezu, dank eines sehr mäßigen Schwierigkeitsgrades Zeit zum Lesen eines Lösungsbuches oder dem "Herr der Ringe" Schmöker zu lassen. Selbst wenn die Transformation mal nicht zur Verfügung steht, so dürften die Reihen an Heiler ihr übriges tun, um sämtliche Haudegen und Heldinnen ohne spezielle Aufmerksamkeit über die Runden zu bringen!
White Knight Chronicles
Gemächlich und ohne besonderem Druck geht es also zur Sache, denn Zeit ist vorhanden, obwohl der Schlagabtausch gewaltig an das teils gelobte, partiell aber auch von Fans nicht gerade positiv aufgenommene Design von "Final Fantasy XII" erinnert und dank Echtzeit nie still steht! Außerhalb der sicheren Stadtmauern stolpert man über ständig "nachwachsende" Gegnerhorden, während Leonard und seine Gefolge neugierig das unwegsame Terrain in Augenschein nimmt. Wer sich dabei Mühe gibt, auf Zehnspitzen durch das Dickicht watet und den Blickwinkel der Monster meidet, kommt mit einer Schweißstirn gerade noch davon, andernfalls stürzen sich die ekeligen Echsen, wilde Eber und giftigen Wespen (die Vielfalt hält sich aber arg in Grenzen) geradezu wie von einer Biene gestochen auf das Frischfleisch - vor allem wenn es um so genannte Riesen oder Titanen geht, welche als haushohe Hünen selbst einen 50 Zoll Bildschirm sprengen. Kommt es zu einer oftmals unvermeidlichen Auseinandersetzung, bewegt ihr den gewählten Protagonisten frei jeglicher Beschränkungen durch die Pampa - während die bis zu zwei weiteren aktiven Partymember eigenständig aber optimal durch zahlreiche Optionen im Sinne eurer Wünsche ins Geschehen eingreifen. Geschickt werden einige spitzfindige Hack'n'Slay Kollegen den Hieben und Attacken des Gegenübers ausweichen, erstaunt aber feststellen, dass kein Entkommen möglich ist. Selbst Wände stellen nach dem Feindkontakt kein Hindernis mehr dar - einen Fehler, den ein Entwickler eigentlich zu vermeiden hat! Das Schadenssystem selber unterliegt einer typischen Ordnung nach zeitlichen Runden, welche hier durch einen sich füllenden Balken eingeläutet werden. Ist dieser voll, so darf man eine von vielen Aktionen ausführen und anschließend wieder Däumchen drehen. Diese müsst ihr übrigens vorher mühselig auf verschiedene Slots legen, dürft dabei aber sogar gewiefte und starke Kombinationen mehrerer Möglichkeiten verbinden. Das System hat Tiefgang, leider reichen aber die einfachen Attacken aus, um auch im späteren Verlauf des Spiels gemütlich über die Runden zu kommen.
Schlimmer als die Handtasche einer Frau
Dass diese Mischung aus Runden- und Echtzeitkämpfen durchaus funktioniert, wissen wir seit der letzten Fantasie der SquareEnix Kreativbande auf der Playstation 2. Dabei fühlt sich das Gameplay fast schon wie ein MMO an, obwohl es zumindest im Bereich der Hauptstory für den Solisten ausgelegt wurde. Doch es kommt bisweilen Langweile auf, weil das Spiel schlicht zu einfach ist und die Warteabschnitte zum Kaffee trinken einladen. Die Ladedauer bis zur ausführbaren Aktion ist zwar durch Rüstungen und Items in einem gewissen Rahmen beeinflussbar, aber dennoch unerträglich üppig ausgefallen.
White Knight Chronicles
Neben manch verbaler Debatte, übrigens in glasklarem und wunderschönem Englisch gehalten, birgt auch das Inventar eine leicht feminine Seite. Egal ob nun Leonard, Yulie oder Eldore - jeder zeigt sich fast gar egoistisch und hält seinen persönlichen Vorrat an Heilitems, verschiedenen Waffen und Rüstungen. Auch wenn diejenigen sich auf völlig anderen Gebieten spezialisieren und somit mit z. B. Einhandwaffen nichts anfangen können, horten sie die Ware wie ihr eigenes Hab und Gut! Die Gier ist nervig, denn dies bedeutet für den Spieler, dass alle Gegenstände entweder einer Person, oder dem allgemeinen Inventar zuordnet wurden. Möchte man Rüstungen oder Waffen einer anderen Char übergeben, muss man einen mühseligen Umweg machen und diese erst in dessen Inventar legen. Das Spiel hält es aber nicht einmal für nötig, entsprechende Informationen zuvorkommend anzubieten. Erst wenn man sich durch die verschachtelten Optionen hindurch geklickt und den jeweiligen Slot erreicht hat, kann man entscheiden, ob der Gegenstand Vorteile oder Nachteile bietet und ob er überhaupt als geeignet eingestuft werden kann. Andernfalls wird dieser bei den diversen Händlern zu Geld gemacht oder in einer Gilde abgegeben, um dort im Rang aufzusteigen.
Das unglaublich unübersichtliche Menü verärgert, der geringe Schwierigkeitsgrad wirkt dem Frust aber entgegen. Denn schließlich ist es ja nicht von Nöten, dass man stets die beste Ware trägt und somit optimal gegen physische, aber auch magische Attacken geschützt wird. Es reicht ein regelmäßiger Besuch beim Händler, um dort alle Rüstungen und Waffen gegen neue Waren einzutauschen. Hier bekommt man übrigens einen Direktvergleich mit den aktuell verwendeten Items und kann einen optimalen Abgleich durchführen. Ja warum denn nicht gleich so?
