Cataclysm renoviert das erfolgreichste Onlinespiel der Welt vom Startgebiet bis zum Boss.
Kurzweiliger Blizzstart
World of Warcraft: Cataclysm
Zwei neue Rassen hat uns Blizzard spendiert: Worgen auf Seiten der "guten" Allianz und Goblins bei der Schurkenstaatenvereinung der Horde. Wir entscheiden uns für die Werwölfchen und ziehen unsere Helden flink durch die Anfangsspielgebiete hin zur Stufe 20, ab der es auf Wiedersehen zu den Startländereien heißt. Danach geht es in die offene Spielwelt. Holla, die Waldelfenfee, was Blizzard hier inszeniert hat, haben wir so abwechslungsreich und dynamisch in noch keinem MMORPG spielen dürfen. Eine spannende Hintergrundgeschichte, flott vorangetrieben, führt uns in die Geschichte der Wolfsmenschen ein. Keine Spur mehr von den langweiligen "bring mit vier ungewaschenen Untotenunterhosen, töte dabei siebundzwanzig Murlocprinzessinen"-Aufgaben - Blizzard holt aus der Spielengine heraus, was herauszuholen ist, und präsentiert uns ein Gameplay, das sich kaum hinter den abwechslungsreichen Kampagnen klassischer Einzelspieler-Rollenspielen verstecken muss. Schon in den ersten Spielstunden katapultieren wir uns selbst mit Hilfe riesiger Kanonen auf das Deck angreifender Untotenschiffe, um dort mit den säbelschwingenden Gegnern aufzuräumen. Wir stapfen mit gigantischen Kampfmaschinen in Vogelperspektive über weitläufige Schlachtfelder. Wir infiltrieren schleichend eine gegnerische Basis und zerstören einen fliegenden Schlachtenkreuzer durch Sabotage. Atemlos, begeistert und gefühlt in wenigen Stunden Spielzeit ist man am Ende der Startgebiete angekommen und entsprechend gespannt, ob Blizzard das hohe Tempo auch im weiteren Spielverlauf halten kann.
World of Warcraft: Cataclysm
Auch der Spielstart aller "alten" Spielrassen wurde komplett überarbeitet. Exemplarisch seien hier die Untoten und die Orks genannt - der Spielbeginn ist leider nicht ganz so spektakulär inszeniert wie der der den brandneuen Rassen, aber auch hier haben sich die Entwickler nicht lumpen lassen und bereits die allerersten Quests grundlegend renoviert. Als Ork schnappt man sich einen Knüppel und geht mal kurz die faulenzenden Sklaven motivieren. Der untote Einstieg hingegen bringt uns schon bei den ersten Aufgaben tiefe Einblicke in den verzweifelten Seelenzustand frisch erwachter wandelnder Leichen, die uns später verstehen helfen, wie sich die Verlassenen als Fraktion in die Spielwelt einfügen - sehr stimmungsvoll.
Weiter geht's im Sauseschritt
World of Warcraft: Cataclysm
Nach den Startgebieten geht's in den klassischen Levelgebieten weiter. Auch hier wird meistens von reinen Kill & Collect-Aufgaben Abstand genommen. Die oberste Prämisse der Questdesigner schien es zu sein, jede Aufgabe möglichst abwechslungsreich und relativ einzigartig zu inszenieren - was auch wirklich gut gelingt. Wir steuern Unterwasserbomben in Monsterziele, erreichen Elfen-Vorposten, die von NPCs auf Flugreittieren patrouilliert werden, sammeln Gewebeproben von Wildtieren für die medizinische Forschung (wohlgemerkt ohne die Viecher dabei kaltzumachen) - Abwechslung wird weiter groß geschrieben.
World of Warcraft: Cataclysm
Nach der guten alte Blizzard-Prämisse "go with the flow", also das Gameplay am Spielfluss auszurichten und dem Spieler das Eintauchen in ein kontinuierliches, stetiges Erfolgserlebnis zu erlauben, haben die Entwickler WoW weiter optimiert. Böse ausgedrückt kann man dank der Questsymbolanzeige in der Radarkarte auf dem Bildschirm und deren Verknüpfung mit dem Questlog sein Hirn direkt beim Serverlogin abgeben und braucht nur noch den Blinkepfeilen auf dem Kartenbildschirm hinterherzulaufen und an den richtigen Stellen Monster zu hauen, um kräftig Erfahrungspunkte für gelöste Aufgaben zu sammeln. Lange Laufwege gibt es nicht mehr, vor potentiell längeren Wanderungen wurden Transportmöglichkeiten platziert. Schnell ist der Spieler im Blizzard-typischen Gameflow eingetaucht, Unterbrechungen dieses Spielerlebnisses gibt es so gut wie keine mehr, sie wurden konsequent ausgemerzt. Gut so!
Phasing nennt sich eine Technik, die dem Spieler je nach Questfortschritt einen anderen Zusand der persistenten Welt vorgaukelt - so wird ein "mittendrin im Abenteuer, statt nur dabei"-Gefühl möglich. Die Umgebung wirkt viel echter und die eigenen Taten scheinen endlich tatsächliche Konsequenzen in der Spielwelt zu haben.
Mit der entsprechenden Berufswahl sind alle Aufgaben gut alleine schaffbar, das optimale Spielerlebnis hat man schon in einer Mini-Gruppengröße ab zwei Spielern - wer also seine Freundin oder alternativ seinen Ehemann überreden kann, feierabends ein wenig mit durch Azeroth zu ziehen, hat im normalen Questgebiet überhaupt keine Probleme zu befürchten, und kann auch in der knappen Spielfreizeit eines Gelegenheitsspielers viel von der Spielwelt erkunden.
Goold old friends
World of Warcraft: Cataclysm
Die Veteranen unter den Spielern freuen sich nicht nur daran, nun auch die alte, neu gestaltete Welt mit einem Flugreittier überfliegen zu dürfen. Zum einen laden völlig neue Spielgebiete zum erforschen ein: Neben Hyial gibt es z.B. mit Vashj'ir eine faszinierende Unterwasserwelt zu bereisen, in der das Ende der Seereise im Rahmen einer Unterseeschlacht im U-Boot bestritten werden darf. Zuvor werden tatsächlich Seepferdchen gesattelt. Im Laufe einer Quest darf man sogar ein waschechtes Jump'n Run bestehen - was eindrucksvoll beweist, für welche Spielkonzepte die gute alte WoW-Engine noch zu haben ist. Uldum, altägyptisch angehaucht, wartet mit besonders interessanten Geschichten und einer Vielzahl von Zwischensequenzen auf. Auch in Tiefenheim sind die Endkämpfe der neuen Questreihen keine Pipifax-Angelegenheit, sondern fordern alleine oder in der Gruppe gespielt eine Menge taktischer Überlegung. Wie immer gibt es viel ironisches Augenzwinkern in den Questbeschreibungen und eine Menge Anlehnungen an bekannte Filme, Musik, und durch ihre Aktionen in WoW oder auf den Blizzcons zu mehr oder weniger zweifelhaftem Ruhm gekommenen Mitspielern.
