Egosoft hat nach einer langen Entwicklungszeit eine echte Meisterleistung in Bits und Bytes gebannt.
Das erste Mal - Einmal ist keinmal
X 3: Terran Conflict
Gewöhnlich haben Spiele einen genau definierten Einstiegspunkt, von dem sich das Geschehen aus entwickeln kann. X³: Terran Conflict bietet gleich mehrere Varianten davon an. Je nach gewähltem Einstiegspunkt und Spielcharakter, nimmt die Hauptgeschichte einen etwas anderen Verlauf. Es ist also aufgrund der offenen Architektur des Spiels nicht unbedingt möglich, die im Test geschilderten Begebenheiten nachzuvollziehen. Es ist wie erwähnt sogar möglich, völlig von der Hauptgeschichte losgelöst einen höchst eigenwilligen Weg zu verfolgen und dem Spiel eine vollständig andere Richtung zu geben. Da man von der Funktionsvielfalt anfangs erschlagen ist, ist es ratsam die einführenden Tutorials im spieleigenen Universum durchzuführen. Dort bekommt man die rudimentären Steuerungs- und Interaktionsmöglichkeiten nahe gebracht. Was hier sofort positiv auffällt ist, die exzellente Vertonung der angezeigten Texte. Sowohl die mit dem Spieler interagierenden (künstlichen) Personen sind hochwertig akustisch umgesetzt worden, als auch die von den diversen Computersystemen gesprochenen Dialoge sind vom aller Feinsten.
X 3: Terran Conflict
Man bekommt schon in dieser Einführung einen guten Eindruck von der proportionalen Detailtreue der 3D-Objekte. Was aufgrund der natürlichen Sichtweite im Universum gar nicht so weit entfernt erscheint, ist oftmals in der Spielrealität mehrere Kilometer entfernt. Man staunt dann doch erstmal wenn man sich auf ein Objekt zu bewegt und es sieht bei 200 Km/h so aus als ob sich nichts tut. Tatsächlich rasen wir durch den Raum, was man spätestens dann bemerkt, wenn man nicht rechtzeitig den Antrieb drosselt. Mit dem Bremsen ist das so eine Sache im Weltall. Da sich sowohl Bewegungsverhalten als auch Schießverhalten von Fluggerät zu Fluggerät unterscheiden, ist es etwas knifflig eine generelle Beschreibung abzugeben. Was überall gleich ist, ist die Steuerungskombination aus Maus und Tastatur. Während man mit den Tasten die Richtung ändern kann, dient die Maus als Auswahlcursor für Objekte im Sichtfeld oder zum Beschleunigen und Feuern. Für Spieler etwas einfacher gestalteter Flug-/Schießspiele wie z.B. Descent ist diese Art der Steuerung etwas gewöhnungsbedürftig, doch hätte sich das Bedienkonzept auf andere Weise wohl nicht verwirklichen lassen.
X 3: Terran Conflict
Jedenfalls ist es nicht möglich eine einmal absolvierte Mission - von denen es reichlich im Spiel gibt - auch nur annähernd gleich zu wiederholen. Weshalb sich die gespielten Sequenzen beim Wiederholen auch bei völlig gleicher Ausgangssituation stark voneinander unterschieden. Offensichtlich sind die zufälligen Elemente im Spiel überproportional stark vertreten. Was allerdings keinen Nachteil darstellen soll, es ist nur nicht sinnvoll näher darauf einzugehen, da sich der Spielablauf ohnehin von Maschine zu Maschine und von Installation zu Installation unterscheidet.
Deshalb an dieser Stelle nur der zarte Hinweis, beim nächsten Durchspielen wird sowieso alles ganz anders...
Die Benutzerschnittstelle - Ergonomie schadet nie
X 3: Terran Conflict
Gegenüber den früheren Teilen macht sich sofort die aufgeräumte Benutzerschnittstelle bemerkbar. Alle für das Fliegen, Handeln und Ausrüsten benötigten Kontrollen wurden in einem verzweigten Menüsystem - der sogenannten Sidebar - an den linken Rand platziert. X³: Terran Conflict verfügt über vielfach mehrbelegte Kontrollen, so das man über die verschiedensten Arten auf eine Funktion zugreifen kann. Es steht wohl außer Frage, das man sich in dieses umfangreiche Bediensystem erst einmal einarbeiten muss und so wird man die ersten Stunden mit dem Spiel mit dem Erlernen der Bedienung verbringen müssen. Wenn man diese Hürde aber erst einmal hinter sich gebracht hat - und das dies durchaus spaßig sein kann, hat man den umfangreichen Lernmissionen des Spiels zu verdanken - lässt sich das Raumschiff mit Leichtigkeit manövrieren.
X 3: Terran Conflict
Nur um keine falschen Eindrücke entstehen zu lassen, das Spiel verfügt schon alleine über circa 140 Tastenbefehle, Mausbedienung nicht mitgerechnet. Es ist also nicht möglich die Bedienung an einem Tag sicher zu erlernen. Das ist ein Prozess der über mehrere Tage läuft und der sich je nach Fertigkeit auch mal ein, zwei Wochen hinziehen kann. Es geht hierbei nicht nur um die Steuerung der diversen Gerätschaften, sondern auch um die Bedienung der ganzen Subsysteme die zum Handeln, Ausrüsten, Navigieren und Kämpfen nötig sind. Die ganze Bedienstruktur hier im Einzelnen aufzulisten würde keinen Sinn ergeben, da das Maus-/Tastatur-Bediensystem zu umfangreich und verschachtelt ist, als das man es adäquat beschreiben könnte. Jedenfalls ist das veränderte Bedienkonzept eine objektive Verbesserung gegenüber den vorherigen Titeln. Schon alleine weil darauf geachtet wurde, die Wege bei der Bedienung kurz zu halten. Die Masse an Kontextmenüs in X³: Terran Conflict spricht da Bände.
X 3: Terran Conflict
Darüber hinaus fühlt sich die Bedienung des klicklastigen Menüsystems gut in die 3D-Grafik integriert an. Es gibt quasi keinen Bruch des Designs von der 2D-Menüdarstellung hin zur 3D-Objektdarstellung. Es ist also keines der Spiele, bei denen man zur Wirtschaftssimulation mal ein wenig unterliegende 3D-Grafik hinzugefügt hat. X³: Terran Conflict läßt sich auch mit dem Joystick/Gamepad steuern und verfügt über diverse ForceFeedback-Eigenschaften. Wer also ein geeignetes Gerät besitzt, bekommt ein sehr realistisches Steuerungsgefühl vermittelt.
Die Technik - 3D-Burn-In-Test
X 3: Terran Conflict
X³: Terran Conflict ist sowohl in spielerischer Hinsicht als auch technischer Hinsicht eindeutig das Endprodukt seiner Vorgänger. Nicht nur das Spielkonzept baut auf den vorherigen Titeln auf, sondern auch die unterliegende Engine. Man fliegt also wie zuvor auch hauptsächlich mit dem Raumschiff durch den Weltraum. Das ganze Spiel kommt dabei äußerst ausgereift und durchdacht herüber. Aufgrund der hohen Komplexität des Produkts, die vor allem der starken Nicht-Linearität geschuldet ist, hat aber auch das letzte "Elite" aus dem Hause Egosoft mit diversen Bugs zu kämpfen. Getestet wurde das Spiel bereits in der Version 1.4, also nach einigen Megabyte großen Hauptpatches.
X 3: Terran Conflict
Schaut man sich die Liste der bereinigten Fehler an, so sind es meist kleinere Logikfehler, die den Spielablauf stören könnten. Tatsächlich kann es sogar sein, das ein Spieler aufgrund seiner Spielweise einige dieser dort aufgeführten Fehler niemals zu Gesicht bekommen wird. Zu individuell sind die Möglichkeiten dieses Spiel zu spielen. Die Entwickler haben in diesem Prozess ein System geschaffen, in dem quasi jedes Objekt anklickbar ist. Zu allem gibt es irgendwelche Eigenschaften oder Informationen, die man bequem über das Maus-/Tastatur-Bediensystem abrufen kann. Aufgrund dieser Auskunftsfreudigkeit des Spiels ist die Lernkurve recht steil, wobei allerdings die schiere Masse der Informationen wieder für eine Abflachung der Lernkurve führen kann. Aber man muss ja auch nicht alles lesen.
X³: Terran Conflict belegt knapp 6 GB auf der Festplatte und mit Videos darf es auch noch ein Bisschen mehr sein. Das Spiel verlangt minimal 1 GB Arbeitsspeicher und läuft etwas flüssiger bei einem Ausbau von 3 GB. Sowohl Microsoft Windows XP (SP2) als auch Vista (SP1) werden unterstützt. Getestet wurde das Spiel auf: AMD Ahtlon 64 X2 5600+, Elitegroup GeForce 8600GT (512 MB), 4 GB-RAM, DirectX 9.0c/10.1 unter Microsoft Windows Vista Business (64 Bit).
Technisch gab es keinerlei Ausfälle zu beklagen und das Spiel lief selbst in der Auflösung von 1680 x 1050 Pixeln völlig ruckelfrei. Einzig die denkwürdig lange Installationszeit wäre zu bemängeln. Bemerkenswert ist vielleicht auch noch, dass der "Tages" Kopierschutz, der sich als Treiber im System einnistet, erstaunlich problemlos funktioniert. Sogar unter Windows Vista in der 64Bit-Version.
