Wir haben schon seit einer Woche eine Xbox One in der Redaktion und haben Funktionen, Hardware, Apps und Spiele auf den Prüfstand gestellt. Was kann Microsofts Next Gen Konsole? Was fehlt noch? Und erfüllt dieser schwarze Kasten die Anforderungen an ein "Kann-Alles-Gerät"? Erfahrt es in unserem Hardware-Test!
In diesem Artikel
Kinect, das rote Auge Saurons
Quelle: Microsoft
Kinect 2.0 hat in der Mitte drei rote Leuchten - sie wirken wie Saurons allsehendes Auge!
Kinect ist Pflicht. Das habe ich verstanden und selbst wenn Microsoft schon einiges am Konzept der Konsole verändert hat: Kinect wird bleiben. Da bin ich mir sicher. Wenigstens zwingt mich Microsoft nicht dazu, die Kamerasteuerung zu verwenden. Wenn ich die Konsole ohne Kinect in der Buchse starte, funktioniert fast alles ganz normal. Nur wenige Spiele benötigen Kinect wirklich. Wer nicht ganz so paranoid ist, kann Kinect eingesteckt lassen und in den Einstellungen manuell zu- und abschalten. Hierbei muss man sich aber drauf verlassen, dass Microsoft softwareseitig die Kamera wirklich abstellt. Nach peinlichen Vorfällen, bei denen Lehrer ihre Schüler via Macbook-Webcams beobachteten und dem amerikanischen Abhörskandal, in den auch Microsoft verstrickt ist, ist es vielleicht ratsam, eher paranoid zu sein. Denn potentiell hört Kinect immer zu und sieht ins Wohnzimmer, meinen intimsten Privatbereich. Wenn das Signal jemand abfängt, sei es von staatlicher Seite, durch Microsoft oder auch nur von einem Hacker, wäre das ein Schlag in die Magengrube.
Der Aufbau von Kinect tut sein Übriges: In der Mitte des Sensors leuchten drei rechteckige Infrarot-Leuchten. Sie sind zwar nicht aufdringlich und geben sogar weniger Licht ab als die Status-LED meines Fernsehers. Aber bedrohlich sieht die Kamera dadurch schon aus. Denn ich weiß: Immer wenn dieses Licht an ist, kann mich Kinect gerade sehen. Das macht mich mit der Zeit immer wahnsinniger. Mittlerweile kann ich sogar nicht mehr schlampig auf der Couch liegen. Wenn ich weiß, dass ich Xbox spiele, ziehe ich mir was Anständiges an. Nicht weil ich glaube, dass mir der Microsoft PR Manager zuguckt oder die NSA mich überwacht. Sondern weil ich weiß: Diese Kamera ist scharf. Wer weiß, ob Spiele nicht ein tolles Feature beinhalten, bei dem sie mich im Moment eines Erfolgs fotografieren? Wer weiß, ob nicht jemand per Skype anruft und ich aus Versehen rangehe. Unter meinem Fernseher steht nun zum ersten Mal Kinect - und es leuchtet wie das fiese, allsehende Auge Saurons.
Quelle: Microsoft / Xbox News
Die Browser-Oberflche des Internet Explorers lässt sich mit SmartGlass-Geräten sehr einfach bedienen.
Gleichzeitig bin ich aber auch ein bisschen geflasht von der Power: Das interne Mikrofon reagiert meist schnell auf Befehle. Eine Skype-Unterhaltung mit "Xbox, Auflegen" zu beenden ist tatsächlich schneller, als den Auflegen-Button mit dem Gamepad zu suchen. Und Snap-Apps damit starten macht in Spielen richtig Spaß. In Gesprächen zoomt die Kamera nun auf mein Gesicht und folgt mir, soweit es der Weitwinkelsensor zulässt, sogar durch den Raum. Das ist prima umgesetzt! Dank des Weitwinkels kann ich Kinect nun überhaupt zum ersten Mal sinnvoll in meinem Wohnzimmer verwenden. Weil Wohnraum in München teuer ist, habe ich nur 1,40 Meter Abstand zwischen den Außenkanten von TV-Regal und Couch. Die alte Kinect-Kamera konnte mich auf die Entfernung nicht komplett erfassen - mit Kinect 2.0 klappt das hervorragend. Selbst der Anmeldevorgang klappt gut. Die Kamera, anscheinend intern so hoch aufgelöst, kann mein Gesicht sogar erkennen, wenn ich vier Meter entfernt stehe. Ein Blick in den Kasten unter dem Fernseher und die Xbox begrüßt mich mit "Hallo, Sandro!"
Der Controller
Quelle: PC Games
Die Analogsticks der Xbox One bieten nun doch genug Gripfläche.
Das Pad der Xbox One fällt minimal kleiner aus als das Xbox-360-Pendant. Die Anordnung der Tasten bleibt mit Ausnahme des Guide-Buttons gleich. Dieser ist ein Stück nach oben gewandert und befindet sich nun zwischen den beiden Schultertasten. So öffne ich im Eifer des Gefechts auch nicht mehr aus Versehen das Dashboard, wenn ich eigentlich die Start- oder Back-Taste drücken will. Etwas, dass gerade bei Shootern wie Battlefield auf Xbox 360 gerne mal passierte. Die beiden Schultertasten sind nach außen hin fast unverändert geblieben und bieten denselben kurzen Druckpunkt, allerdings ist der Widerstand der Tasten höher. Nur zum Mittelpunkt des Controllers sind die Übergänge nun fließender. Die Schultertasten wirken dadurch nicht so aufgesetzt. Sie passen sich in das Design ein. Die neuen Trigger haben mir sehr gut gefallen und sind auch bequemer als die des Playstation-4-Pads. Ob die Rumble-Motoren in den Triggern aber wirklich einen so großen Unterschied machen, muss sich zeigen. Die Demo auf der E3 2013, in der die Trigger unabhängig voneinander im Takt eines Automotors vibrierten, war jedenfalls spektakulärer als in allen Launchtiteln, sei es nun Battlefield 4, Call of Duty: Ghosts oder Forza Motorsports 5. Man bemerkt sie zwar, sie beeinflussen aber das Spielgefühl nicht so wie erwartet. Die grundlegende Form des Gamepads hat Microsoft glücklicherweise kaum verändert. Jedoch stellt man schon beim ersten Anfassen fest, dass der Xbox-360-Controller etwas bequemer in der Hand lag. Es mag ein Stück weit auch Gewöhnungssache sein, aber wieso Microsoft die perfekte Form des Pads überhaupt verändert hat ist ein Rätsel.
Meine ersten Befürchtungen wegen der Joysticks sind mittlerweile aber verflogen. Die außen geriffelte Fläche erweist sich im Langzeittest doch als griffig genug, um auch nach langen Spielsessions noch genug Grip zu bieten. Trotz seines hochwertigen Designs wirkt der Controller auf mich aber irgendwie billig. Das matte Plastik passt nicht zur Hochglanzoptik der Konsole und Kinect und das feste Steuerkreuz sieht ziemlich wackelig aus. Der Eindruck ist bislang jedoch nur optischer Natur. Auch wenn ich schon einige Xbox One Gamepads mit Macken in der Hand hatte, das Testgerät funktioniert ohne Murren.
