ZeroSpace: Starcraft trifft Mass Effect, das könnte was werden! Doch die Zeit drängt.
Special
Echtzeit-Strategie wie bei Starcraft, dazu ein Schuss Mass Effect - fertig ist der Sci-Fi-Hit? Vielleicht! Doch bis zum Release muss noch einiges passieren. Und der Termin rückt näher.
Schon seit Jahren warten wir auf ein ordentliches Echtzeit-Strategiespiel, das endlich in die Fußstapfen von Starcraft 2 tritt. Eine verdammt schwere Aufgabe, an der zuletzt Stormgate krachend gescheitert ist. Doch nun will es ZeroSpace wagen, das RTS erscheint schon in wenigen Wochen. Und es hat sich verdammt viel vorgenommen.
Klassische Echtzeit-Strategie im Stil von Starcraft. Ressourcen sammeln, Basisbau, asymmetrische Taktiken. Vier unterschiedliche Fraktionen. Dazu eine Story-Kampagne mit allem Drum und Dran. Knackiger Multiplayer. Koop-Missionen. Entscheidungen wie bei Mass Effect. Und obendrein noch ein galaktischer Eroberungsmodus mit MMO-Charakter. Puh, was für eine Liste!
Um das Projekt zu stemmen, haben sich die Entwickler schon vor drei Jahren eine kräftige Finanzspritze über Kickstarter gesichert, 536.000 US-Dollar kamen damals zusammen. Mittlerweile ist das Projekt weit fortgeschritten, eine Demo ist bereits erhältlich und der Release im Early Access steht vor der Tür. Ich habe ausführlich reingespielt - und dabei ein RTS mit großem Potenzial erlebt. Aber auch eines, das mehr Zeiten im Ofen braucht.
In diesem Artikel
Vier Fraktionen auf den Spuren von Starcraft
Das Herzstück von ZeroSpace bilden die vier spielbaren Fraktionen, drei davon kann man schon in der Demo ausprobieren. Und ja: Manche von ihnen erinnern gewaltig an Starcraft! Da wäre zunächst das Protektorat, eine menschliche Militärmacht. Mit ihrem klischeehaften Design würde sie auch bei Blizzards Terranern kaum auffallen. Das Protektorat setzt auf eine ausgewogene Mischung aus Soldaten, Mechs, Panzern, Helden und Flugeinheiten. Die Truppen erhalten im Laufe der Mission mehrere Veteranenränge, was ihre Kampfwerte verbessert. Außerdem können Kasernen sämtliche Protektorat-Soldaten in der Nähe heilen, das gibt ihnen gerade zu Beginn einen defensiven Vorteil.
Wie ein Gegenentwurf wirken die Grell, ein aggressives Insektenvolk, das vor allem auf Masse setzt. Grell leben in Symbiose mit den Koru, einem Alien-Stamm aus Pflanzenwesen. Bedeutet für die Spielweise: Ihr bildet kontinuierlich gefräßige Riesenkäfer und anderes Viechzeug für eure Armeen aus, während Blumen, Bäume und andere XXL-Gewächse als Gebäude dienen. Auch für den Zerg-Kriecherschleim gibt es den passenden Ersatz: Die Grell erzeugen Biomasse, mit der sie schnell über die Karte expandieren und auf der sie ihre Bauwerke errichten. Das hätte vermutlich auch Kerrigan gefallen.
Protektorat und Grell haben einen gemeinsamen Nenner: Ihre Helden dienen lediglich als Support für eure regulären Truppen. Im Fall der Legion verhält es sich dagegen andersherum: Das dritte spielbare Volk steht für ein fanatisches Imperium, das sich nicht um ausgewogene Armeen schert. Stattdessen setzt die Legion auf wenige, mächtige Helden und starke, modifizierbare Terrortanks, unterstützt von billig produzierter Unterstützungsinfanterie. Außerdem können sie die Seelen gefallener Soldaten dazu nutzen, um eine Projektion des Imperators zu beschwören, die dann als Supereinheit unter ihren Feinden aufräumt.
Die vierte und letzte Fraktion fehlt noch in der Demo: Die Xol sind eine hoch technisierte, künstliche Spezies, die aus flexiblen Polymeren besteht. Ihre Einheiten können sich zu neuen Konstrukten verbinden und bei Bedarf auch wieder trennen, was sie besonders dynamisch machen soll. Gleichzeitig betonen die Entwickler, dass sich die Xol etwas anspruchsvoller spielen werden als die anderen Völker, weil ihre Truppen mehr Mikromanagement erfordern. Klingt spannend!
Bildergalerie
Zusätzlich zu den vier Hauptfraktionen gibt es auch noch sieben Söldnergruppen, von denen man sich eine vor jeder Mehrspielerpartie aussuchen darf. Söldnerfraktionen bringen eigene Einheiten mit, die eure Truppen ergänzen und damit für Abwechslung sorgen. Dazu wählt ihr aus 14 verschiedenen Helden, die eure Armeen unterstützen. Helden sind zwar grundsätzlich nicht so mächtig wie die in Warcraft 3, aber sie unterstreichen eure Spielweise. Hinzu kommen noch Talente, die mich ein wenig an Tempest Rising erinnern: Man schaltet sie im Verlauf einer Partie frei und wählt sich so flexibel die Vorteile, die man gerade braucht. Für den nächsten Einsatz werden sie dann wieder zurückgesetzt.
Kampagne mit einem Hauch von RPG
Die Story-Kampagne beginnt aus Sicht des Protektorats und rückt den blassen Präfekten Aster in den Mittelpunkt. Schon in den ersten Missionen erhält er das Kommando über sein eigenes Schiff mitsamt Crew, die man im Laufe der Zeit besser kennenlernt. An Bord des Schiffs kann man dann ein wenig herumlaufen und Gespräche mit Beratern, Freunden und Spezialisten führen. Das erinnert fast schon ein wenig an die Normandy, aber auch das Charakterdesign könnte glatt aus Mass Effect stammen.
Quelle: PC Games
Sieht aus wie ein Turianer, gehört aber in ZeroSpace. Die Entwickler nennen neben Starcraft auch Mass Effecta als ihr Vorbild.
Auch die Multiple-Choice-Dialoge versprühen einen Hauch von Rollenspiel. Ein Gesinnungssystem wie bei Bioware gibt es allerdings nicht, und wie tiefgründig die Beziehungen zwischen den Charakteren am Ende wirklich werden, lässt sich in der Demo nicht abschätzen. Man sollte den Vergleich also auch nicht überstrapazieren.
Quelle: PC Games
In Dialogen hat Aster oft mehrere Auswahlmöglichkeiten. Ob die Wahl auch langfristige Folgen hat, muss sich noch zeigen.
So gut mir die Idee auch gefällt, über das Schiff zu spazieren und meine Crew vollzuquatschen: Die Entwickler sollten hier noch einmal kräftig nachschleifen. Die Charaktermodelle wirken oft ungelenk, die Gesichtsanimationen veraltet. Auch im Hinblick auf Kamera und Beleuchtung ist das 16 Jahre alte Starcraft 2 meilenweit voraus. Dass meine Spielfigur außerdem gerne mal in der Levelgeometrie verschwindet, sobald ich sie herumkommandiere, rundet den Eindruck ab: Hier bleibt noch eine ganze Menge zu tun.
Entscheidungen... und Konsequenzen?
Gut gefällt mir dafür, dass ich auch in den Einsätzen Entscheidungen treffen kann, die sich sogar auf das Finale auswirken sollen. Schon in der Demo gibt's eine Verteidigungsmission, in der man eine Kolonie evakuieren muss, während die Grell mit immer stärkeren Wellen anrollen. Am Ende muss man dann wählen, ob Zivilisten oder Milizen zurückgelassen werden - der Platz auf dem Rettungsshuttle reicht einfach nicht aus. Welche Folgen solche Momente haben, lässt sich noch nicht abschätzen, doch die Richtung gefällt mir auf jeden Fall. Auf der nächsten Seite geht's weiter: Wir besprechen, wie sich ZeroSpace wirklich spielt, wo die Stärken liegen und was die Entwickler für den Multiplayer geplant haben.
