Railway Empire: Volldampf voraus! Unser Test der Eisenbahn-Tycoon-Simulation
Test 26,99 €
Wäre Branchenurgestein Sid Meier stolz auf Kalypsos geistigen Nachfolger von Railroad Tycoon? Unser ausführlicher Test von Railway Empire gibt euch die Antwort und sagt zudem, welche Stärken und Schwächen die Eisenbahn-Tycoon-Simulation hat. Ebenso wollen wir in unserer Review die Frage beantworten, für wen das von Gaming Minds entwickelte Spiel gedacht ist.
Strategie- und Wirtschaftssimulations-Enthusiasten dürfte der deutsche Publisher Kalypso ein Begriff sein. Die Wormser haben ein florierendes Geschäft daraus entwickelt, dass sie sich ehemals beliebte PC-Spielemarken wie Tropico, Dungeon Keeper oder Der Patrizier gegriffen haben und modernisierte Versionen der Klassiker auf den Markt bringen. Dabei nur von schlichten, lediglich grafisch auf Vordermann gebrachten Remakes zu sprechen, wäre aber falsch. Im Falle der Tropico-Reihe hat Kalypso zum Beispiel die Grundidee - das Schalten und Walten einer Bananenrepublik - um viele wichtige Features erweitert. Der fünfte Teil der Serie lässt die Spieler etwa eine ausgewachsene Kampagne samt Zwischensequenzen bestreiten und stellt sie vor die Wahl, für welche der großen politischen Fraktionen sie sich entscheiden.
In diesem Artikel
Ähnliches haben die Wormser auch mit Railway Empire (jetzt kaufen / 26,99 € ) vor. Dabei dient der Eisenbahnsimulation ein Meilenstein der PC-Spielegeschichte als Vorlage, nämlich Sid Meiers Raildroad Tycoon aus dem Jahr 1990. In Railway Empire geht es folglich darum, eine Eisenbahngesellschaft zu gründen und diese von 1830 bis 1930 zu führen. Dabei müssen wir nicht nur fleißig Schienen verlegen, sondern uns ebenso um die Technik, Finanzen und das Personal kümmern. Im Gegensatz zur Vorlage ist Railway Empire aber auf den nordamerikanischen Kontinent beschränkt, bietet dafür aber eine Kampagne, die uns die Geschichte der transkontinentalen Eisenbahn in den USA näherbringt. Die zweite Einschränkung ist zudem, dass wir im Sandkastenmodus nicht auf der kompletten Nordamerikakarte spielen können und uns stattdessen für eines von sieben Gebieten - etwa den "Osten" oder "Westen" - entscheiden müssen.Ob Railway Empire nun das Zeug hat, aktuellen Konkurrenztiteln wie Transport Fever das Wasser zu reichen oder sie gar zu übertrumpfen, konnten drei unserer treuen Leser bereits vor zwei Monaten selbst prüfen. Dabei war das Trio so begeistert, dass alle drei Railway Empire ohne große Bedenken jedem Wirtschaftssimulationsfan ans Herz legten. Ob wir auch ähnlicher Meinung sind, haben wir für unseren Test anhand der fertigen Verkaufsfassung überprüft.
Railway Empire im Test: Kampagne als Tutorial
Wie es sich für eine moderne Wirtschaftssimulation gehört, bietet Railway Empire neben elf Herausforderungs-Szenarien und einem Sandkastenmodus auch eine Kampagne an - Multiplayer-Partien gibt es indes nicht. Die Kampagne ist in fünf Abschnitte aufgeteilt, in denen wir zum Beispiel an der Ostküste Nordamerikas die ersten Eisenbahnschienen des Kontinents legen oder dafür sorgen müssen, dass die Nordstaaten im amerikanischen Bürgerkrieg die Oberhand behalten. In den Kapiteln bekommen wir besondere Aufgaben, die wir innerhalb einer bestimmten Zeit erledigen müssen. So gilt es zum Beispiel des Öfteren, eine Zugverbindung zwischen zwei weit auseinander liegenden Städten herzustellen, oder eine bestimmte Menge Kleider oder Bauholz zur rechten Zeit an den rechten Ort zu liefern. Wenn wir die Aufträge nicht fristgerecht absolvieren, müssen wir die Kampagnenmission neu starten.
Quelle: PC Games
Während des Amerikanischen Bürgerkriegs transportieren wir Waffen für die Truppen des Nordens.
Insgesamt stellt die Kampagne uns nicht vor zu hohe Herausforderungen, vielmehr dient sie als eine Einführung in die relativ komplexe Spielmechanik. So lernen wir innerhalb der fünf Kapitel, wie man etwa Schienen baut, Ausweichgleise sowie Signale erstellt, Personal einstellt und Aktien anderer Firmen einkauft. Wenn es aber um Dramaturgie, Spannung oder interessante Wendungen geht, hat die Kampagne so gut wie keinen erzählerischen Anspruch. Immerhin lernen wir aber einige historisch belegte Charaktere der Zeit wie etwa den Unternehmer Cornelius Vanderbilt oder den Eisenbahnpionier Thomas C. Durant kennen. Die so gut wie nicht vorhandene Handlung stört jedoch kaum, denn schließlich handelt es sich hier um eine Wirtschaftssimulation und da kommt es unserer Meinung nach vor allem auf ein gutes Balancing und eine gute Bedienung an - eine tiefgründige Erzählung ist eine nette Dreingabe, aber noch lange keine Pflicht.
Railway Empire im Test: Schienen verlegen für Anfänger
Quelle: PC Games
Das Verlegen der Schienen geht dank des automatischen Systems sehr gut von der Hand.
Für ein Eisenbahn-Tycoon-Spiel ist Railway Empire recht einfach zu bedienen und sorgt dank der intuitiven Benutzeroberfläche stets für den nötigen Überblick über die Finanzen und über unsere Züge. Auch das Wichtigste im Spiel, das Verlegen der Schienen, geht sehr einfach von der Hand. Wir müssen lediglich eine Verbindung zwischen zwei Bahnhöfen festlegen und der Computer errechnet automatisch einen Gleisverlauf, der aber nicht immer die günstigste Variante darstellt. Falls wir wollen, können wir natürlich selbst eingreifen und so zum Beispiel darauf achten, dass die Steigungen nicht zu hoch ausfallen, oder entscheiden, ob wir uns Brücken an bestimmten Stellen wegen der Kosten sparen. Railway Empire wird erst dann in puncto Schienen herausfordernd, wenn wir uns vorab für das "komplexe Schienennetz" entscheiden - hier sind Kollisionen der Loks möglich, wir müssen uns also beispielsweise um Ausweichsgleise und Signale kümmern. Doch obwohl das Austüfteln eines verzweigten und gut funktionierenden Schienennetzes ein wichtiges Gameplay-Element für ein Eisenbahn-Tycoon-Spiel ist, müssen wir in der Kampagne von Railway Empire aktuell davon abraten. Das ist doppelt schade, denn wie schon erwähnt funktioniert das Verlegen der Schienen im Grunde genommen so gut wie in kaum einem anderen Spiel mit Eisenbahnthematik. Auch das Schalten der Signale, die für den Verkehr in eine bestimmte Richtung sorgen, ist vorbildlich umgesetzt. Wir müssen lediglich einen Signalpunkt und eine Signalart festlegen und sehen sofort, in welche Richtung die Züge auf dem jeweiligen Gleis noch fahren können. Wer das simple System nicht sofort begreift, dem helfen kurze Tutorial-Videos weiter - wie bei allen anderen anfallenden Fragen im Spiel.
