Red Orchestra: Ostfront 41-45 im Gamezone-Test

Test Gonzo09

Wer auf Realismus in Egoshootern pocht, der kommt um Red Orchestra Ostfront nicht herum.

Dumme Bots und einsame Wanderungen

Red Orchestra: Ostfront 41-45 Red Orchestra: Ostfront 41-45 Spielerisch hat der Realismus interessante Auswirkungen, denn eine Runde Red Orchestra ist nicht mit den Thousand-Thrills-Per-Minute-Shootern wie Battlefield zu vergleichen. Das Tempo ist recht langsam, und die Karten groß und weit. Soldaten bewegen sich halt mit 6-10 Km/h über das Schlachtfeld und nicht wie der Roadrunner. Auch die Panzer der Ära waren mit teilweise Höchstgeschwindigkeiten von knapp 25 Km/h alles andere als flott. Letztendlich lässt man angesichts des Wissens, dass eine wohlgezielte Kugel das Ende bedeuten kann, auch sowieso mehr Vorsicht walten und sprintet so selten wie möglich über das freie Feld. Außer natürlich, man spielt gegen die Bots. Als Single-Player-Game kann Red Orchestra getrost abgehakt werden, denn diese erzdämlich, suizidalen, computergesteuerten Gestalten, die dort über das Schlachtfeld rennen, sind sowohl als Freund wie Feind unbrauchbar. Demnach ist dieser Mode mehr zur ersten Orientierung und Tuning der Steuerung zu gebrauchen. Ein Onlinespiel zu finden ist dagegen absolut kein Problem. Selbst wer nicht einer aktiven Gruppe angehört, findet zu jeder Zeit mehr als genug Server, auf denen sofort mitgemischt werden kann.

Red Orchestra: Ostfront 41-45 Red Orchestra: Ostfront 41-45 Die Aufteilung der Spezialisten ist jedoch so weit gefächert, dass ein wirklich effektives Spiel nur in einer zumindest grundlegend kooperationsbereiten Gruppe möglich wird. Der einfache Soldat ist mit einem Gewehr ausgestattet, Gruppenführer haben MP's, Experten für schwere Waffen großkalibrige MG's und verschiedene Scharfschützenspezialisten runden den Reigen ab. Auch kann nicht jeder einen Panzer kapern, dies dürfen nur Panzerfahrer, die dann allerdings nur mit einen kleinen Pistole bewaffnet sind und sich, sollte ihnen der Panzer abhanden kommen, auf dem Schlachtfeld eine fallengelassene Waffe suchen müssen. Eine solche zu finden kann allerdings eine beachtliche Zeit dauern, denn die Karten, auf denen Fahrzeuge zur Verfügung stehen, sind die größten. Die riesige Fläche mit Waldgebieten und teilweise mehreren Dörfern an sich ist kein Problem, leider ist jede Instanz auf maximal 32 Spieler begrenzt und das Gefühl der Einsamkeit stellt sich schnell ein, wenn man nicht dicht im Verband bleibt. Hier mal ein Panzer, da mal ein umherirrender Soldat, es wirkt alles mehr wie die Reste nach einer Auseinandersetzung als eine laufende Schlacht. Weniger dramatisch ist das Manko bei den Infanterie- und Combined-Arms Karten, die deutlich kleiner und damit spannender sind. An der generellen Gestaltung gibt es aber wenig auszusetzen, denn jede Map hat eine Menge taktische Möglichkeiten, sei es ein zu erobernder Bunkerposten im winterlichen Russland oder zerstörte Innenstädte am Schwarzmeer. Es gibt überall Geländeeigenheiten, die genutzt werden können und wollen und bei der stattlichen Anzahl von 15 sehr verschiedenen Maps in unterschiedlichsten Gegenden und Klimazonen wird es lange dauern, bis man alles gesehen und beschossen hat. Auch ist davon auszugehen, dass es in Zukunft Massen an neuen Community-basierten Maps geben wird, da dem Spiel die Red Orchestra SDK Beta beiliegt. Das Entwicklertool ist zwar noch etwas unhandlich zu bedienen, jedoch ausgesprochen leistungsfähig.

Wenig Blut und weites Land

Red Orchestra: Ostfront 41-45 Red Orchestra: Ostfront 41-45 Optisch weiß der Ausflug nach Osten durchaus zu gefallen. Die Landschaften selbst wirken durch ihre Weite sehr realistisch, die Innenstadtsettings machen einen überzeugenden Eindruck und solange man nicht mit den Maps ins letzte Detail geht, bleiben wenig Kritikpunkte. Der wichtigste davon ist sicher, dass man nie zu nah an Landschaftsobjekte, vor allem Wälder und Büsche herangehen sollte. Hier wurde dann ein wenig gespart und was auf die Entfernung noch leidlich ansehlich wirkt, ist dann nur noch schlechte Textur. Dieses Problem gibt es allerdings bei den kleinen Karten nur wenig, hier wirken nur gelegentlich einzelne Objekte wie z.B. ein Kistenstapel mitunter lieblos. Mit Freude am Detail ging es allerdings bei den Fahrzeugen, Soldaten und Ausrüstungsgegenständen zu Werke und auch wenn es manchmal etwas kantig wirkt, weiß die Genauigkeit der Umsetzung dann doch zu überzeugen.

Red Orchestra: Ostfront 41-45 Red Orchestra: Ostfront 41-45 Einer der vielen kleinen Effekte, die alles lebendig wirken lassen, ist beispielsweise die Bewegung des Gewehrs. Normalerweise führt die Figur des Spielers bei Schussbewegungen eine Art Ganzkörperdrehung aus, während die Waffe ganz gerade gehalten wird. Hier geht zuerst der Lauf in die Richtung und erst, wenn die weite Bewegung es erfordert, geht die Figur mit. Auch an einen netten Blur-Effekt wurde gedacht, wenn der Figur die Kugel links und rechts um die Ohren pfeifen. Insgesamt ist Red Orchestra keines der derzeit großen Grafiklichter und wirkt etwas angestaubt, von einem Ausfall kann jedoch nicht gesprochen werden. Beim Blut hat man sich in der deutschen Version zurückgehalten und es kann zwischen wenig und gar nichts gewählt werden. Zumindest bei den Schrecken des echten Krieges hat man dann doch Zugeständnisse bei der spielerischen Umsetzung zugunsten des Ratings "ab 16" gemacht. Dies mag sicher manchen stören, mir persönlich sagte dieser nicht realistische Aspekt zu. Wer unbedingt möchte, kann sich ja als Ausgleich noch einmal Private Ryan ansehen.

Red Orchestra: Ostfront 41-45 Red Orchestra: Ostfront 41-45 Akustisch gibt es dann auch wieder viel für die Freunde des Realismus, jede der Waffen hat charakteristische Geräusche und engagierte Spieler wissen sofort, von was sie da beschossen werden. Die Sprachausgabe beider Seite ist landestypisch gesprochen, entweder kommen die Schreie nach Unterstützung oder der Befehl zu Vorrücken auf Deutsch oder Russisch wobei ich die gelungene und akzentfreie Aussprache nur für das Deutsche bescheinigen kann. Für einen Nicht-Rusisch-Sprachler, klingt die andere Seite allerdings auch überzeugend genug. Zu der Steuerung bei einem Shooter sollte man heutzutage nicht mehr viele Worte verlieren müssen und Red Orchestra hält sich auch brav an die "Macht doch was ihr wollt"-Prämisse. Jede Taste kann frei umbelegt werden, so dass jeder hier seinen Präferenzen entsprechend glücklich werden sollte. Pflicht ist allerdings mal wieder einer der "gläsernen Spieler"-Accounts von Steam. Sollte noch kein Account vorhanden sein, ist man zunächst zu Anmeldung gezwungen, denn sonst ist kein Onlinespiel möglich. Wer schon einen Account hat, kann sofort Red Orchestra installieren.

Meinung

Wertung zu Red Orchestra: Ostfront 41-45 (PC)

Wertung:

8.1 /10
Pro & Contra
die realistischste Umsetzung des Kampfgeschehens überhaupteinfache Handhabung des Onlinemodusaktive Community mit vielen Servernkeine Onlinekostenausreichend viele MapsEntwicklerumgebung liegt beifrisches Szenario mit interessanten Schauplätzenviel taktischer Tiefganginsgesamt gelungene grafische und akustische Umsetzung
sehr harter Einstieg bis Waffen und Bewegung gemeistert sindteilweise extrem große Kartenmaximal 32 Spieler gleichzeitigSteam unbedingt erforderlicheinzelne Texturen wirken sehr laienhaftMissionsziele immer sehr ähnlichTeamarbeit zwingend
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