G2A.com: Ist das denn wirklich legal? Unsere Reportage über Key-Reseller
SpecialWir waren bei G2A.com zu Besuch und haben uns mit den digitalen Marktplätzen für Spiele-Keys beschäftigt. Für unsere Reportage haben wir aber nicht nur mit dem CEO und den Angestellten von G2A unterhalten, sondern ebenso mehr oder minder erfolgreich Interviews mit Publishern geführt und auch euch um die Meinung zum sensiblen Thema gebeten. Im Artikel erfahrt ihr, welche Vor- und Nachteile das Kaufen bei nicht-autorisierten Key-Resellern hat, welche Gefahren es gibt und was wir von dem inoffiziellen Handel mit Game-Keys halten.
An so manchen Tagen kommt man als Spieler schon ins Grübeln. Da verlangen Publisher für digitale Versionen von Vollpreistiteln rund 60 Euro und anschließend werden wir nochmals zur Kasse gebeten, damit man entweder die frischen Inhalte für den Mehrspielermodus bekommt oder etwa im Falle von Mittelerde: Schatten des Krieges ohne lästiges Grinding die Kampagne abschließen kann. Laut dem statistischen Bundesamt geben deutsche Haushalte 252 Euro im Monat für Freizeit, Unterhaltung und Kultur aus - eigentlich eine Menge, wenn denn eine Familie die gesamte Summe tatsächlich nur für Videospiele ausgeben würde. Vielmehr dürfte hier aber in der Praxis ein guter Teil des Betrages für Urlaube, Kinobesuche und ähnliches draufgehen.
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Die in der Theorie hohe Summe dürfte auch den Spieleherstellern bekannt sein, vor allem wenn man im Hinterkopf behält, wie sehr den Vielspielern in den Ingame-Shops zusätzliche Kaufmöglichkeiten angeboten werden. Die Geldgier der großen Spielehersteller ist aber auch nachvollziehbar, denn es lässt sich kaum leugnen, dass die Produktionskosten in den letzten dreißig Jahren erheblich angestiegen sind und die oftmals börsennotierten Firmen nun mal weiterhin Profit machen möchten. Für viele der sogenannten AAA-Spiele setzen die Publisher riesige Entwicklerstudios ein, in denen oft mehr als 500 Angestellte arbeiten und so alleine die monatlichen Personalkosten in den Millionenbereich wandern. Doch die Kassen der Gamer sind hingegen in den letzten dreißig Jahren nicht unbedingt um bis zu 100 Prozent gewachsen und zudem gibt es auf der Welt viele Länder, in denen die Anschaffung eines einzigen Spiels mehr als ein Fünftel des durchschnittlichen Nettomonatslohns beansprucht - ganz zu schweigen von minderjährigen Gamern, die in den meisten Fällen auf den guten Willen der Eltern angewiesen sind und entsprechend kaum mehr als 30 bis 50 Euro im Monat für ihr liebstes Hobby ausgeben können.
Quelle: PC Games
Laut unserer Umfrage würde die Mehrheit unserer Leser für neue PC-Spiele für maximal 40 Euro bezahlen.
Key-Reseller-Reportage: Alles koscher?
Obendrein sind viele Menschen es heute gewohnt, nur knapp fünf Euro für Smartphone- und Tablet-Spiele auszugeben. Warum soll man denn am PC oder für Konsolenspiele auf einmal mehr als die zehnfache Summe ausgeben? So lässt sich ebenfalls leicht nachvollziehen, dass die meisten Spieler auf der Suche nach Schnäppchen sind. Wenn man nun über Google versucht, die besten Rabatte zu finden, landet man relativ schnell auf der Seite eines inoffiziellen Key-Resellers wie MMOGA oder Instant Gaming oder auf einem Key-Seller-Marktplatz wie G2A oder Kinguin und kann dort etwa das kommende Battlefield V für 40-45 anstatt für 55 Euro kaufen.
Da es sich um digitale Versionen, sprich Produktschlüssel für Steam, Origin oder uPlay handelt, denkt man als Kunde erst einmal, dass es eigentlich keine logischen Gründe gibt, die 15 Euro Aufpreis des offiziellen Händlers zu zahlen - schließlich kann man sich so pro Monat mitunter auch zwei statt nur einem Spiel leisten. So denkt auch anscheinend ein Großteil unserer Leser. Einer von uns gestarteten Umfrage zufolge haben mehr als 90 Prozent der Teilnehmer in den letzten zwölf Monaten Spiele bei einem Key-Reseller erworben.
Quelle: PC Games
Im Gegensatz zu G2A oder Kinguin verkauft zum Beispiel MMOGA Spiele-Keys direkt und fungiert nicht als Online-Martkplatz für Händler.
Mit ein wenig Recherche stößt man jedoch auf Artikel im Internet, die sehr negativ über die unterschiedlichen nicht-autorisierten Key-Reseller- beziehungsweise -Marktplätze berichten. Dort sollen angeblich viele schwarze Schafe unterwegs sein, die gar keine echte Spiele-Keys veräußern, sondern Codes, die entweder bereits verbraucht worden sind oder nie funktioniert haben. Außerdem soll es Key-Händler geben, die mit gefälschten Kreditkartennummern Spiele gekauft haben und sie anschließend auf den Marktplätzen zu Spottpreisen verkaufen. Ob man hier als Kunde eine Rückerstattung bekommt, wenn man solchen Leuten auf den Leim gegangen ist, dürften sich viele fragen. Ebenso dürfte es viele Menschen interessieren, wie - wenn es sich nicht um Kreditkartenbetrug oder andere kriminelle Aktivitäten handelt - die oftmals fast 25 Prozent günstigeren Preise als die unverbindliche Empfehlung des Herstellers zustande kommen.
Quelle: G2A.com
Bartosz Skwarczek (hier im Bild) und Dawid Rożek gründeten G2A unter dem Namen Go2Arena im Jahr 2010.
Auch wir wollten uns erkundigen, wie das Geschäft eines Key-Resellers in Wirklichkeit funktioniert und sind zum Hauptquartier von G2A.com ins polnische Rzeszów gereist. Die Firma wurde unter dem Namen Go2Arena im Jahr 2010 gegründet und bietet einen Online-Marktplatz für Spiele-Keys an. G2A.com selbst verkauft dabei keine Spiele, sondern liefert ähnlich wie eBay eine Plattform für Händler, die ihrem Falle Keys statt Gebrauchtmöbel veräußern wollen. In Polen konnten wir uns nicht nur die Büros anschauen, sondern ausgiebig mit dem CEO und Mitgründer Bartosz Skwarczek unterhalten. Ebenso konnten wir mit vielen anderen Mitarbeitern der Firma ganz offen über das sensible Thema der Key-Reseller sprechen, etwa dem Head of Communications, Maciej Kuc, und der Senior Communications Spezialistin Kataryna Szymczak-Skalska.
Key-Reseller-Reportage: Die Preisgestaltung von Videospielen
Bevor wir aber uns mit dem Geschäftsmodell von G2A beschäftigen, lohnt sich ein Blick auf die Preisgestaltung von Spielen -damit verständlich wird, wie es theoretisch auf legaler Basis zu den Rabatten bei den Key-Resellern kommen kann. Wie eingangs erwähnt, ist die Produktion von Spielen in der heutigen Zeit unheimlich teuer geworden - man könnte eher schon von einer Explosion der Kosten sprechen. Was vor dreißig Jahren noch mit einem kleinen Team programmiert werden konnte und auf eine Diskette passte, hat heute oft die Ausmaße von Hollywood-Blockbustern angenommen. Alleine die Produktionskosten eines Spiels bewegen sich auf ähnlichem Niveau wie das eines großen Films, sprich oftmals bei über 50 Millionen US-Dollar. Hierbei sind Posten wie das Marketingbudget oder Lizenzgebühren nicht einberechnet. Grand Theft Auto 5 hat Rockstar Games zum Beispiel 137,5 Millionen US-Dollar für die Produktion gekostet und man gab zusätzlich über 200 Millionen Dollar für das Marketing aus; summa summarum hat der Publisher über 337,5 US-Dollar ausgegeben, bevor er mit dem Gangster-Epos Einnahmen gemacht hat.
Quelle: Rockstar
Grand Theft Auto 5 gehört zu den bis dato teuersten jemals produzierten Spielen.
Wer nun denkt, dass man bei 60 Dollar pro verkauftes Spiel schnell die Kosten wieder drin hat, täuscht sich aber gewaltig - nach der Rechnung hätte der Publisher bereits nach rund fünf Millionen Exemplaren die Ausgaben erwirtschaftet. In Wahrheit bekommt ein Hersteller im Schnitt etwa 38 Prozent der Einnahmen, der Rest entfällt an Händler, für den Vertrieb, die Steuern, Lizenzgebühren und viele andere Kosten. Diese 38 Prozent sind auch der Spielraum, mit dem ein Publisher handeln kann und so möglichst hohe Gewinne erwirtschaften möchte. Natürlich könnten Hersteller auch die Produktionskosten von Spielen senken und so in Zukunft auf aufwendige Titel wie Tomb Raider, Call of Duty und Battlefield verzichten, die Gehälter ihres Personals massiv kürzen oder kleinere Marketingkampagnen fahren und darauf hoffen, dass alleine die Qualität des Produkts die breite Masse überzeugt - das wäre aber am Ende sehr naiv und der Verzicht auf AAA-Spiele ganz bestimmt nicht im Sinne von uns Gamern.
Wenn also neue Spiele günstiger als aktuell verkauft werden sollen und ihre Qualität dabei ähnlich hoch wie jetzt bleiben soll, müssten Händler wie etwa Amazon, Saturn, Gamestop oder Media Markt ihre Gewinnspannen senken. Schätzungsweise haben die Retail-Partner dabei je nach Verhandlungsgeschick etwa 30 Prozent Spielraum - sprich etwa 18 Dollar pro Spiel. Genau das ist auch der Betrag, den man meistens bei den Key-Reseller spart und oftmals die Begründung der Plattformen, warum der Verkauf der Produktschlüsseln ganz legal verläuft.