Watch Dogs in der Mega-Vorschau: Wir überprüfen, ob das Open-World-Game von Ubisoft Potential zum Spiel des Jahres hat

Special Peter Bathge
Watch Dogs: Abseits der Story warten zahlreiche Nebenbeschäftigungen. Unter anderem können wir uns mit Virtual-Reality-Spielen die Zeit vertreiben.
Quelle: Ubisoft

Nach den jüngsten Enthüllungen zu Grand Theft Auto 5 zieht Ubisoft nach und versorgt die Öffentlickeit mit jeder Menge neuer Informationen zum grafisch umwerfenden Open-World-Action-Adventure Watch Dogs. Wir waren vor Ort und berichten über die neuesten Einblicke in ein Spiel, das sich berechtigte Hoffnungen auf den Titel "Spiel des Jahres" machen darf.

Die große Watch Dogs Vorschau: Fünf Dinge, die jeder verantwortungsbewusste Spieleredakteur bei der Vorstellung eines noch nicht veröffentlichten Spiels im Gepäck haben muss? Ein Notizbuch, ein Stift, ein Diktiergerät, eine Kamera - und eine gehörige Portion Skepsis. Naivität und Leichtgläubigkeit lassen wir bei einem solchen Vor-Ort-Termin aber tunlichst zu Hause, ansonsten würden wir den Spieleentwicklern unbesehen Glauben schenken, wenn sie uns von der Spitzengrafik eines Aliens: Colonial Marines vorschwärmen oder hoch und heilig versichern, dass Release-Probleme mit dem Online-Kopierschutz von Sim City ausgeschlossen seien.

Das Hacker-Game: Watch Dogs 2

Und so nahmen wir uns auch vor der Reise nach Paris fest vor, nicht alles zu glauben, was uns die Mitarbeiter Ubisoft Montreal in einem düsteren Keller über ihr neues Open-World-Actionspiel Watch Dogs zu erzählen planten. Doch als die Präsentation nach einer Stunde vorbei war und wir endlich mit eigenen Augen gesehen hatten, wie realistisch, dynamisch und ungeskriptet die Welt von Watch Dogs wirkt, waren unsere vorherigen Bedenken wie weggeblasen - und an ihre Stelle ein paar neue getreten.

Watch Dogs: Vielfältige Freiheiten

Eine Stunde lang zeigte uns Ubisoft Watch Dogs - und zwar nicht irgendwelche Missionen oder Zwischensequenzen, sondern das Herz des Spiels, den Free-Roam-Modus, wie das im hippen Neudeutsch heutzutage heißt. Das heißt: Einer der Entwickler schnappte sich ein an einen PC angestöpseltes Gamepad und latschte frei nach Schnauze durch die zwei bislang vorgestellten Gebiete des virtuellen Chicago. Während in "The Wards" die Geringverdiener neben Drogendealern und anderen zwielichtigen Gestalten hausen, handelt es sich bei "The Loop" rund um den berühmten Willis Tower um das auf Hochglanz polierte Regierungsviertel. Dieser Rundgang durch einen kleinen Teil der im Spiel simulierten Stadt war ganz offensichtlich nicht vorab aufgenommen, sondern wurde uns live vorgespielt: Per Cheat ließen die Entwickler aufdringliche Polizeistreifen verschwinden und bei einer Verfolgungsjagd biss der Spielcharakter vorzeitig ins Gras. Es handelte sich also nicht um geskriptete Spielszenen, was die Präsentation umso eindrucksvoller machte.

Watch Dogs: Zwei Gebiete des virtuellen Chicago durften wir im Rahmen unserer Vorschau frei nach Schnauze erkundigen. Quelle: Ubisoft Watch Dogs: Zwei Gebiete des virtuellen Chicago durften wir im Rahmen unserer Vorschau frei nach Schnauze erkundigen. Denn Watch Dogs bietet - abseits der linearen Hauptgeschichte mit einer festen Abfolge vordefinierter Aufträge - jede Menge Zufallselemente, die theoretisch unendlichen, vollkommen dynamischen Missionsnachschub liefern. Verantwortlich dafür ist "The Grid", die grafische Präsentation des Netzwerks, mit dem die Behörden per ctOS-Betriebssystem alle Systeme des leicht futuristischen Chicago verwalten, von der Ampelkontrolle über den Polizeifunk bis hin zum Fahrplan der Hochbahn. Außerdem erlaubt "The Grid" auch Zugriff auf die persönlichen Daten aller Anwohner, den sogenannten digitalen Fußabdruck, also die Ansammlung von Facebook-Fotos, Kreditkartenrechnungen, Aktenvermerken und Online-Bestellverhalten, die in dieser beängstigenden Zukunftsvision das Leben jedes Menschen in ein paar Zeilen Code zusammenfasst.

In der Rolle von Aiden Pearce, einem bitteren selbsternannten Schutzengel der Stadt, habt ihr mit eurem virtuellen Smartphone Zugriff auf "The Grid" und scannt beispielsweise Passanten, indem ihr einfach die Kamera auf sie richtet. Bei der anschließenden Anzeige von Charakterinformationen ("Hat Spielschulden", "Dealt mit Drogen", "Lässt sich gerade von ihrem Mann scheiden") weist eine im knalligen Gelb leuchtende Anzeige nach dem Zufallsprinzip auf interessante Umstände hin, etwa ein bevorstehendes Verbrechen. Ihr entscheidet, ob ihr dem nachgehen wollt, woraufhin das Spiel dann mir nichts, dir nichts Missionen generiert: Wenn ihr beispielsweise nach dem Abfangen einer verdächtigen Textnachricht einen bevorstehenden Mord verhindert, entwickelt sich daraus eine Verfolgungsjagd zu Fuß oder Auto. Wenn ihr euch abhängen lasst und der Täter entkommt, scheitert zwar der Auftrag, aber ihr bekommt trotzdem eine Belohnung in Form von Rufpunkten, sofern das potenzielle Opfer unverletzt überlebt. Opfer und Täter sind dabei wie gesagt zufallsbestimmt, es gibt keine geskripteten Situationen, die künstliche Intelligenz bestimmt das Handeln der Figuren.

Watch Dogs: Die Cops nehmen eine wichtige Rolle in dem Action-Titel ein. Wer Verbrechen vor den Augen von NPCs begeht, wird schon bald verfolgt. Quelle: Ubisoft Watch Dogs: Die Cops nehmen eine wichtige Rolle in dem Action-Titel ein. Wer Verbrechen vor den Augen von NPCs begeht, wird schon bald verfolgt. Die Rufanzeige beeinflusst, wie NPCs auf Aidan reagieren. Ein Beispiel: Als der Held in einem Waffenladen nach neuen Knarren shopt, läuft im Fernseher über der Theke gerade ein Bericht, der Aidan als Verdächtigen in einem Mordfall zeigt. Weil Aidans Ruf nicht der Beste ist (er hat kurz zuvor in einer Verfolgungsjagd mit der Polizei einen Zivilisten umgefahren), ruft der Ladenbesitzer die Bullen, sobald er in Aidan die gesuchte Person erkennt. Hätte sich Aidan zuvor einen Ruf als Schutzengel der Nachbarschaft erarbeitet, indem er Verbrechen verhindert, hätte er den Laden unter Umständen ohne Aufsehen verlassen können. Dann hätte er sich auch in aller Seelenruhe ein paar Crafting-Bauteile kaufen können, mit denen der Spieler im Eigenbau nützliche Gerätschaften wie eine Haftmine zusammenschweißt - oder einen kleinen Kasten, der auf Knopfdruck Lärm macht und so nahe Wachen oder nach dem Helden suchende Polizisten ablenkt.

Die Cops nehmen übrigens ähnlich wie in Grand Theft Auto eine zentrale Rolle ein. Wer wild um sich ballert, Verbrechen verübt oder sonstwie negativ auf sich aufmerksam macht, den verpfeifen nahe Passanten mit einem Notruf bei der Polizei. Genial: Greift einer der NPCs zum Hörer, bekommt ihr dessen Position auf der Minimap angezeigt, das Gespräch hört ihr automatisch mit. Wer jetzt schnell genug ist, kann einfach auf den Informanten zurennen und ihn mit vorgehaltener Knarre dazu zwingen, aufzulegen. Tada, schon hat man einen Besuch der Bullen vermieden.

Kommt so ein Notruf doch mal durch, scannen die Ordnungshüter das umliegende Gebiet, dargestellt durch einen gelben Kreis auf der Karte. Wer sich fix aus diesem Bereich verzieht, entkommt den Argusaugen der Polizei. Andernfalls macht sich eine Streife auf den Weg und versucht, euch zu verhaften; wer Widerstand leistet, dessen Fahnundgslevel steigt in fünf Stufen, bis die Polizei mit Hubschraubern und SWAT-Mannschaftswagen nach euch sucht.

  1. Seite 1 Watch Dogs Vorschau - Vielfältige Freiheiten, offene Spielwelt
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