Endwar Online in der Vorschau: Ubisoft erfindet die Tom-Clancy-Marke neu

Special Sandro Odak

Endwar Online sollte Ubisofts Angriff auf das Strategie-Genre sein - und blieb im Sumpf seiner eigenen Sprachsteuerung stecken. Nun wird die Marke zu neuem Leben erweckt - als Free2Play Strategie-MOBA. In Arenen mit drei festen Lanes bekämpfen sich Spieler online im Browser. Wir haben as ausprobiert und sind vorsichtig optimistisch: Endwar Online ist zwar nicht komplex, macht aber Spaß.

Strategiespiele auf Konsole – das ging nie wirklich gut. Halo hat einen akzeptablen Versuch hingelegt, RUSE auch. Stormrise hingegen zeigte, wie man die coolsten Ideen mit dem behämmerten Gamedesign zunichtemacht. Und dann war da noch Endwar. Dieser Versuch, ein Strategiespiel durch Spracheingaben auf der einen Seite realistisch zu machen, auf der anderen Seite für Konsoleros zugänglich, scheiterte daran, dass man selbst mit der klobigen Gamepad-Steuerung schneller Truppen bewegen konnte, als über Sprachbefehle. Dabei funktionierte die Technik tadellos.

Nun bringt Ubisoft Endwar Online raus. Einen Free2Play-Nachfolger, der komplett ohne Installation in einem Webbrowser stattfindet. Was der Titel mit dem von 2008 zu tun hat? "Außer dem Setting eigentlich nichts mehr", erklärt uns ein Community Manager in Paris. Ubisoft hat die Marke von Grund auf verändert. Aus dem sprachgesteuerten Vollpreis-Strategiespiel ist ein MOBA-Strategiespiel geworden. Wie in League of Legends, Dota und Co. bewegen sich Einheiten in Endwar Online nicht frei umher, sondern müssen drei Spielpfaden, sogenannten Lanes, folgen. Das Gameplay wirkt dadurch aber nicht weniger strategisch – der Fokus verschiebt sich nur einfach.

Stein – Schere – PANZER!

Endwar Online in der Vorschau: Unkomplexe, schnelle Action mit schnellem Turnaround. (6) Quelle: Ubisoft. Endwar Online in der Vorschau: Unkomplexe, schnelle Action mit schnellem Turnaround. (6) Ubisoft hat darüber nachgedacht, welcher Teil von Endwar damals der wichtigste war. Und für viele der Entwickler war es ein perfekt ausbalanciertes Stein-Schere-Papier-Prinzip. Auch Michael Sosinka erwähnte 2008 im Endwar-Test das perfekt ineinander greifende Kampfsystem. Jede Einheit hat seine Stärken und Schwächen. Das Prinzip ist nun Kernbestandteil von Endwar Online. Die Einheitenzahl wurde dafür nach unten korrigiert. Im Spiel stehen nun Panzer (gegen Gebäude), Helis (gegen Panzer), Luftabwehr (gegen Helis) und Infanterie (um Gebäude einzunehmen) zur Verfügung. Mit Infanterie müssen wir Kommandoposten einnehmen, durch die wir Kommandopunkte erhalten. Die braucht man wiederum, um neue Einheiten auszuheben. Das ist auf den ersten Blick simpel und kurzweilig. Dank des kompetitiven Online-Gameplays und kurzer Rundenzeiten aber sehr intensiv.

Zusätzlich erschwert ein Kriegsnebel das Schlachtfeld. Feindliche Einheiten erkennt man erst, wenn sie in heimischem Terrain sind. Dann heißt es schnell reagieren und die entsprechende Gegeneinheit losschicken. So entbrennt ein Kampf, der auf Timing und Reaktionsgabe wert legt. Und jedes Spiel, jeder Spielzug ist anders. Bei einem Testspiel gegen Entwickler und andere Journalisten in Paris ist uns vor allem die kurze Rundenzeit von deutlich unter zehn Minuten aufgefallen. Ein Spiel soll schnell rum sein, die Entscheidung schnell fallen. Wenn Spieler stundenlang im Spiel bleiben müssten, um es zu beenden, hätte Endwar Online kein Browserspiel werden können.

Endwar Online in der Vorschau: Unkomplexe, schnelle Action mit schnellem Turnaround. (5) Quelle: Ubisoft. Endwar Online in der Vorschau: Unkomplexe, schnelle Action mit schnellem Turnaround. (5) Umfangreicher Singleplayer

Wer nicht online spielen will, bekommt in Endwar Online einen umfangreichen Singleplayer mit über 500 Einsätzen in zehn Kapiteln. In ihnen kann man sich auf Online-Schlachten vorbereiten – auch weil die Erfahrungspunkte übernommen werden. Eine großartige Inszenierung muss man jedoch nicht erwarten. Die Entwickler haben bewusst auf Zwischensequenzen verzichtet, stattdessen gibt es nur kleine Textfelder, in denen die Geschichte erzählt wird. Das könnte zum Problem werden, ist die Technik doch mittlerweile deutlich veraltet.

Bezahlmodell und Grafik

Endwar Online in der Vorschau: Unkomplexe, schnelle Action mit schnellem Turnaround. (8) Quelle: Ubisoft. Endwar Online in der Vorschau: Unkomplexe, schnelle Action mit schnellem Turnaround. (8) Zum Bezahlmodell will Ubisoft noch nicht zu viel verraten. Angeblich, so die Entwickler in Paris, sei in dem Feld noch nichts entschieden, nur Pay to Win will jeder vermeiden. Aber das sagt jeder in dem Markt. Einheiten lassen sich in einem RPG-System aufmöbeln, mit Erfahrung und Items. Wer sich auf eine Gattung spezialisiert, kann sie schneller, stärker oder ausdauernder machen. Das klingt für ein kompetitives Onlinespiel schon reichlich unausgewogen: Wenn Spieler A entweder durch Spielerfahrung oder durch Items plötzlich schnellere und stärkere Einheiten besitzt, als Neuzugang B, wird Endwar Online für ihn sicher kein großer Spaß. Solche Enttäuschungen kann Ubisoft eigentlich nur durch "perfektes" Matchmaking ausbremsen – oder eben durch ein Modell, durch das bezahlte Inhalte nicht besser da stehen als unbezahlte.

Grafisch wirkt Endwar Online solide – mehr nicht. Die 3D-Welt läuft komplett in einem Browser, viel erwarten sollte man von daher nicht. Am ehesten kann man den Titel mit dem neuen Command & Conquer vergleichen – aber selbst das ist dank abgespeckter Frostbite Engine hübscher und detaillierter als Endwar Online.

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