Battlefield 4 im Test: Ein Multiplayer-Fest für Next Gen und PC, auf Current Gen herrscht jedoch Stillstand

Test Sandro Odak
Battlefield 4 im Test: Dank dem Stein-Schere-Papier-Prinzip hat dieser Infanterist keine Chance gegen den Panzer.
Quelle: Gamezone

Mit Battlefield 4 kommt die Serie auf Next-Gen-Konsolen endlich da an, wo der PC schon seit Jahren schlummert: Im Multiplayer-Himmel. Auf Xbox One und Playstation 4 gibt es 64 Spieler, den Commander-Modus und tolle Grafik. Wir haben bei DICE die PS4-Version testen können und mit dem PC verglichen. Wie nah kommt das Konsolen-Erlebnis an das Original ran? Erfahrt es in unserem Test!

Wie hat Gamezone getestet?
Gamezone hat vorab auf einem dreitägigen Review-Event Battlefield 4 auf Einladung von Electronic Arts in Stockholm getestet. Die Kampagnen-Kritik basiert auf zwei Durchläufen auf einer Next-Gen-Konsole und einer Xbox 360. Für den Mehrspieler-Test haben wir alle Plattformen zusammen knapp 20 Stunden lang anspielen können. Die verwendete Hardware: Playstation 4 Devkits, handelsübliche Current-Gen-Konsolen und ein AMD Achtkern-Rechner mit 8GB Ram, 120 GB SSD und zwei Radeon HD7970 Grafikkarten im Crossfire-Betrieb. Battlefield 4 für Xbox One konnten wir ebenfalls testen - eine Reviewwertung dürfen wir jedoch wegen einer gesonderten Verschwiegenheitsvereinbarung erst zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlichen. Alle Screenshots (falls nicht anders angegeben) stammen von der Playstation 4.

Battlefield: Bad Company hat gezeigt, dass Shooter auch auf Konsolen eine Heimat haben. Battlefield 3 hat das Spielprinzip perfektioniert und ins rechte Licht gerückt. Aber richtig am Ziel war man noch nicht: Im Vergleich mit der stark überlegenen Computerfassung konnte die Konsole nie mithalten. Weniger Details, weniger Spieler, weniger Fahrzeuge. Mit Battlefield 4 wagt Electronic Arts nun den Schritt in die Next Gen: Auf Playstation 4 und Xbox One kommt der neue Ego-Shooter grafisch und technisch nah an die PC-Version ran. Wir haben bei DICE in Stockholm alle Spielfassungen ausführlich testen können und wagen einen Vergleich. Auf welcher Plattform ist Battlefield 4 am besten?

Pro Forma: Eine überflüssige Geschichte

Battlefield 4 im Test (26) Quelle: Gamezone Battlefield 4 im Test (26) Hand aufs Herz: Wer spielt schon Battlefield, weil er eine gute Geschichte erwartet? Ich jedenfalls nicht. Seit DICE dem Shooter in Bad Company zum ersten Mal eine Story verpasst hat, wird diese von Mal zu Mal schlechter. Battlefield 3 stellt den traurigen Tiefpunkt dar. Der Singleplayer hatte nur wenig mit dem grandiosen Multiplayer zu tun und war eine dreiste Kopie von Call of Duty. Hauptsache Emotionen, Pathos und eine verwinkelte Erzählstruktur. Viel geändert hat sich heuer nicht. Battlefield 4 setzt noch immer auf das CoD-Rezept. Nur beim Leveldesign und der Geschichte an sich bügeln die Macher die gröbsten Falten aus.

Die Hintergrundgeschichte ist kurz: China und Amerika stehen sich in einem Konflikt, der zum neuen Weltkrieg ausarten könnte, gegenüber und lassen die Säbel rasseln. Ein Team von Spezialisten infiltriert Shanghai, um VIPs zu evakuieren. Sie bleiben nicht lange unbemerkt. Chinesische Truppen des Putsch-Generals Chang schlagen zurück und treffen unsere amerikanischen Truppen da, wo es am meisten wehtut: Sie greifen den Konvoi des Flaggschiffs Titan an. Später kommen noch die Russen ins Spielen und bilden eine typisch amerikanische Achse des Bösen: Die Roten zusammen gegen den Westen. Und das war es im Prinzip auch schon. Sechs Stunden hetzt man sich als Elite-Soldat Recker um die Welt, eine Verbindung zu den Charakteren des Teams baut man aber nie auf. Obwohl DICE schon in den ersten Minuten emotional aufwühlende Szenen zeigt, bleibt das Team Tombstone stets distanziert und bedeutungslos.

Das hängt auch mit dem stummen Helden und entsprechend stumpfsinnigen Dialogen zusammen. Weil Recker das Maul in der gesamten Kampagne nicht aufkriegt, sprechen seine Gesprächspartner in Zwischensequenzen immer in selbstreferentiellen Phrasen. Ganz oft machen Dialoge auch einfach keinen Sinn. In einer Szene führt das Team eben noch eine angeregte Unterhaltung mit einem ruppigen Major, im nächsten haben sie einen Auftrag - der jedoch nie wirklich erklärt wird. Meine Vermutung: Die Macher haben zum Ende hin aus welchen Gründen auch immer Teile herausschneiden müssen. Eine Story-Zusammenfassung, die mir EA zugeschickt hat, beschreibt mehrere Passagen, die im Spiel komplett anders verlaufen. Ein Indiz dafür, dass die Kampagne gekürzt wurde, sind riesige logische Sprünge. Eben noch erfriert man im Hochgebirge Tibets, einen Wimpernschlag später cruist man mit einem Jeep durch das subtropische Asien.

Nach knapp sechs Stunden ist der Ritt vorbei. Battlefield 4 fühlt sich an wie ein beliebiger Shooter, der einfach nur die Genre-Must-Haves aneinanderreiht. Hier ein Bootslevel, da eine Panzerfahrt und dann noch eine Schleichmission. Dass eine Moorhuhn-Jagd am Geschütz eines Helikopters fehlt, ist ein Wunder! DICE schneidet einfach nur Shooter-Klischees hintereinander, ohne jemals ein richtiges Abenteuer zu schaffen.

Die Kampagne hat auch gute Momente!

Battlefield 4 im Test: Auf Next- und Old-Gen sehen Lichteffekte wirklich toll aus. Quelle: Gamezone Battlefield 4 im Test: Auf Next- und Old-Gen sehen Lichteffekte wirklich toll aus. Logik, Tiefgang und Zusammenhalt - das alles sind Eigenschaften, die Battlefield 4 im Singleplayer fehlen. Aber die Kampagne hat auch ihre guten Seiten. Sie bereitet den Spieler endlich auf den richtigen Spielmodus vor. Dank einem Infrarot-Fernrohr lernen Singleplayer endlich, wie man Feinde markiert und dass man es permanent tun sollte. Auf derselben Controller-Taste gibt man seinem Squad auch Befehle. Das ist auf Servern nicht anders und bringt Frischlingen bei, im Team zu spielen.

Toll inszeniert sind außerdem die Fahrzeug-Passagen. Als wir mit einem Jeep die Küste entlangbrettern, prasselt die Gicht der Brandung auf die Frontscheibe nieder und vernebelt kurz den Blick. Und im Panzer blenden einen immer wieder Straßenlaternen. Das sieht fantastisch aus, ist perfekt inszeniert und sorgt für richtig angespannte Stimmung. Und auch das Wiedersehen mit einem Battlefield-3-Charakter sorgt für Schmunzeln. Wie bei allen Nebencharakteren fehlt aber eine tiefergehende Auseinandersetzung. Wer sind die anderen, was machen sie hier und was sind ihre Absichten? Das ergründet man nie.

  1. Seite 1 Battlefield 4 im Test: Der Singleplayer
  2. Seite 2 Battlefield 4 im Test: Der Multiplayer
  3. Seite 3 Battlefield 4 im Test: Die Technik
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