Rennspiel-Fans mit Simulationsanspruch dürfen sich über ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk in Form von Dirt Rally freuen!
Der neuste Ableger der Dirt-Reihe von Codemasters ist bereits im Frühjahr 2015 als Early-Access-Titel auf Steam gestartet und vermittelte bereits in diesem frühen Stadium ein ausgezeichnetes Fahrgefühl. Im Gegensatz zu den direkten Vorgängern bedient Dirt Rally vor allem die Fans reinrassiger Simulationen und orientiert sich in puncto Gameplay an der ursprünglichen Colin McRae Rally-Serie.
Dirt Rally - kein Spiel für Sonntagsfahrer
Quelle: Codemasters
Wie es sich für eine anständige Simulation gehört, sind optionale Fahrhilfen in Dirt Rally eher eine Randerscheinung und eine Rückspul-Funktion sucht man ebenfalls vergeblich. Verursacht ihr im Eifer des Gefechts einen Unfall, müsst ihr die Konsequenzen tapfer hinnehmen, denn der Fahrfehler lässt sich nicht einfach mal schnell per Tastendruck rückgängig machen. So kristallisierte sich bei unserer Test-Session eine materialschonende Vorgehensweise als beste Strategie heraus, um bei den fordernden Etappen nicht ständig mit einem beschädigten Auto unterwegs zu sein. Die Auswirkungen größerer Unfälle nehmt ihr sogar in die nächste Etappe mit, denn eurem selbst zusammengestellten Team bleibt zwischen den Wertungsprüfungen jeweils nur eine halbe Stunde Zeit, um einen lädierten Wagen zu reparieren. Im Endeffekt handelt es sich um puren Stress und harte Arbeit, die insgesamt 39 enthaltenen Fahrzeuge aus verschiedenen Leistungsklassen unter wechselnden Bedingungen stets unter Kontrolle zu halten. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit macht das allerdings mehr Spaß als sämtliche Fun-Events aus den Vorgängern. In diesem Sinne verzichtet Dirt Rally auf jegliche Gymkhana-Modi, was uns jedoch in keinster Weise gestört hat.
Ausbaufähiger Umfang
Quelle: Codemasters
Die Herausforderungen im Spiel sollen eine möglichst realistische Rallye-Erfahrung vermitteln, weshalb sich Codemasters im neuesten Dirt-Ableger auf klassische Rallye-Events, Rallycross und Hillclimb beschränkt. Bislang stehen im Spiel sechs Umgebungen mit über 70 Strecken zur Verfügung. Dabei geht es recht abwechslungsreich zur Sache: In Wales erwarten euch beispielsweise schlammige Streckenbedingungen, während Griechenland traditionell mit staubigen Schotterpisten aufwartet. Monte Carlo sorgt mit vereisten Asphalt-Abschnitten für Aufregung und in Finnland und Schweden dürft ihr mit Vollgas durch großartige Landschaften brettern. Deutschland steht ebenfalls als Veranstaltungsort bereit und erfordert aufgrund der hauptsächlich auf Asphalt basierenden Strecken eine entsprechend angepasste Fahrweise. Hillclimb-Freaks dürfen sich dem Nervenkitzel des legendären Pikes-Peak-Events hingeben, nur leider handelt es sich dabei um die bislang einzige Herausforderung dieser Art im Spiel. Zu guter Letzt wurden noch drei offiziellen FIA World Rallyecross-Strecken (Lydden Hill, Holjes und Hell) implementiert. Hier dürft ihr auch online gegen eure Freunde antreten, um unterhaltsame Multiplayer-Duelle auszufechten. Selbstverständlich könnt ihr online auch an täglichen, wöchentlichen und monatlichen RaceNet-Events teilnehmen und die Community in klassischen Wertungsprüfungen gegen die Uhr herausfordern.
Offroad-Motorsport in Bestform
Quelle: Codemasters
Dirt Rally macht den Ursprüngen der Serie alle Ehre und vermittelt ein sensationelles, derzeit konkurrenzloses Offroad-Feeling. Das Spiel bildet jede noch so kleine Bodenunebenheit exakt ab, egal ob ihr mit dem Gamepad oder einem Force-Feedback-Lenkrad zockt (das Spiel unterstützt so ziemlich alle auf dem Markt erhältlichen Wheels). Wer die Kosten nicht scheut, bekommt mit einem Profi-Lenkrad - beispielsweise von Fanatec - ein nochmals realistischeres Gameplay geboten. Jedes Fahrzeug fühlt sich dabei anders an und reagiert völlig unterschiedlich auf eure Eingabekommandos. Während der Mini-Oldtimer aufgrund seiner relativ geringen Leistung problemlos durch rutschige Kurven eiert, ist der extrem giftige Lancia Stratos in der gleichen Situation kaum noch zu kontrollieren. Ein Allrad-Antrieb wie beim Subaru Impreza sorgt wiederum für eine spürbare Verbesserung des Fahrverhaltens und bietet auch bei widrigen Wetterbedingungen ein etwas gnädigeres Handling. Rallye-Neulinge müssen übrigens eine harte Einstiegsphase überstehen, denn so etwas wie einen Trainingsmodus gibt es leider nicht. Da die kniffligen Etappen in Dirt Rally keine Fehler verzeihen, dürften auch erfahrene Racing-Fans mit Rückschlägen konfrontiert werden. Die Versöhnung folgt spätestens beim ersten, schwer erkämpften Triumph, wenn viel Ehrgeiz und die getätigten Feineinstellungen am Fahrzeug-Setup endlich auf das Siegerpodest führen.
Fette Optik und magere Karriere
Quelle: Codemasters
An der Grafik von Dirt Rally gibt es im Prinzip nichts zu meckern, die authentischen Umgebungen sehen klasse aus und die Wetter-/Lichteffekte machen einiges her. Bei der Erstellung der Fahrzeuge hat Codemasters ebenfalls mit Liebe zum Detail gearbeitet, was sich in dem realgetreuen Rallye-Fuhrpark und einem gelungenen Schadensmodell widerspiegelt. Im Spiel dürft ihr selbstverständlich jederzeit die Kamera-Perspektive an eure Bedürfnisse anpassen. Neben zwei Außenansichten, sowie einer Stoßstangen- und Motorhauben-Perspektive, gibt es auch eine gelungene Cockpit-Ansicht, die ein aufregendes Spielerlebnis vermittelt. Der spärlich präsentierte Karriere-Modus sorgt dagegen für etwas Kritik: Ohne großes Drumherum bestreitet ihr ein Rennen nach dem anderen, um mit dem verdienten Geld neue Autos zu kaufen. Die Online-Komponente fesselt zwar mit ständig neuen Community-Events, doch die Langzeitmotivation lässt auch hier zu wünschen übrig. Was bleibt ist eine ordentlich ausgestattete Rallye-Simulation, die mit einem unglaublich griffigen Fahrgefühl die Konkurrenz auf die Plätze verweist. Da Codemasters in Zukunft weitere inhaltliche Erweiterungen plant, dürfte sich das Problem des überschaubaren Umfangs schon bald in Luft auflösen. Eine Info noch zum Abschluss: Die Retail-Version (PC) von Dirt Rally erscheint am 18. Dezember 2015 im Handel, während der Release des Spiels für PS4 und Xbox One erst am 5. April 2016 erfolgen soll.
