Dirt Rally im Test: Das beste Rally-Spiel dieser Konsolengeneration

Test Peter Grubmair
Dirt Rally im Gamezone-Test (3)
Quelle: Codemasters

Mit Dirt Rally liefert Codemasters das mit Abstand beste Rally-Spiel dieser Konsolengeneration ab. Ein Muss für Rennspieler!

Der Ralliesport zählt nach wie vor zu den kompromisslosesten Rennsportarten der Welt. Einzig die eingefahrene Zeit zählt im Kampf der Kombination aus Mensch und Maschine gegen die anspruchsvollsten Strecken die man sich vorstellen kann. Diese Sportart verzeiht keine Fehler, jede Unaufmerksamkeit kann zum sofortigen Totalausfall führen. Nur wenn das Gespann aus Beifahrer und Fahrer optimal funktioniert, rückt ein Sieg in erreichbare Nähe.

Dirt Rally im Gamezone-Test (15) Quelle: Codemasters Dirt Rally im Gamezone-Test (15) Genau dieses Erlebnis so wirklichkeitsnah wie nur möglich umzusetzen hat sich Codemasters mit Dirt auf die Fahnen geschrieben. Und nach der Veröffentlichung der PC-Version war es abzusehen, mit dem Titel steht uns das beste Rally-Spiel der aktuellen Konsolengeneration ins Haus. Dabei besann man sich wieder ganz auf die Wurzeln der Serie, was manchen Spieler vor längst vergessene Hürden stellen wird. Denn in Dirt gibt es keine Rückspulfunktion, wie sie inzwischen fast alle Rennspiele bieten. Wer einen Fehler macht, der muss diesen auch ausbaden, und wenn er mit drei Rädern über die Strecke kriecht oder im Finstern den Nachtkurs absolviert. Kommt man von der Strecke ab, kann man den Wagen zwar wieder zurücksetzen, wird dafür aber mit kräftigem Zeitaufschlag bestraft. Bei den Online-Herausforderungen gar ist nicht einmal ein zweiter Versuch möglich, es gilt die eingefahrene Zeit, die nicht mehr korrigiert werden kann. Das in Verbindung mit dem hohen Simulationsgrad macht Dirt zu einer richtigen Herausforderung, an der man genauso verzweifeln kann, wie unglaubliche Glücksgefühle erleben, wenn man eine Bestzeit einfährt und der Wagen noch in einem Stück ist.

Das Auto und das Team

Schon nach den ersten Etappen in Dirt bemerkt man, dass das Team genauso wichtig ist, wie das Auto selbst. Denn neben dem Beifahrer, der einem die überlebenswichtigen Infos aus dem Gebetsbuch vorträgt, gibt es noch den Teamleiter, sowie bis zu drei Mechaniker. Diese engagiert man mit barer Münze für einen gewissen Zeitraum. Dabei verfügt jedes Teammitglied über verschiedene Fähigkeiten. Darum sollte man sie mit Bedacht auswählen, bestenfalls auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten. Die aber herauszufinden ist gar nicht so einfach. Natürlich wünscht man sich immer möglichst viel Motorleistung und kann einen Spezialisten dafür anheuern, der einem dann aber mehr im Wege steht als nützt, wenn man in der Praxis immer zuerst seine Bremsen oder den Kühler ruiniert. Dabei sorgen die Mechaniker nicht dafür, dass das eigene Fahrzeug besser wird, sie können nur ihren Fähigkeiten nach schneller reparieren. Nach einer gewissen Zeit kann man ihnen ebenfalls eine Bonus-Fähigkeit zuweisen, weshalb ein längeres Verhältnis zu einem vielleicht nicht ganz so guten Mechaniker sich mehr auszahlen kann, als diese in kurzen Intervallen auszutauschen.

Dirt Rally im Gamezone-Test (16) Quelle: Codemasters Dirt Rally im Gamezone-Test (16) Mehr Leistung für die eigenen Fahrzeuge hingegen erspielt man sich durch schlichtes Fahren. Denn die Fahrzeuge werden in mehreren Stufen aufgelevelt, je mehr man sie benutzt. Auch hier zahlt sich also Treue aus. Das hat zur Folge, dass man mit einem neu gekauften Wagen erstmal kein Land sieht, man jedoch mit jeder weiteren Stufe mehr Motorleistung, einen stärkeren Turbolader und mehr Einstellmöglichkeiten freischaltet. Auch hierbei muss man also beim Autokauf achten. In der Praxis allerdings geht das recht flott, weswegen sich ein Autowechsel nur relativ kurzzeitig negativ auf die eigene Karriere auswirkt

Die Karriere

Auch die Karriere stellt eine richtige Herausforderung dar. Anders als wir es in herkömmlichen Rennspielen gewohnt sind, werden uns nicht einfach eine gewisse Anzahl Rennen vorgeschrieben, die wir nacheinander herunterspulen müssen. Stattdessen gibt es eine Auswahl aus klassischen Rallyes, Ralliecross-Events und Hill Climb-Herausforderungen, die in verschiedene Fähigkeitslevel eingeteilt sind. In allen dreien beginnen wir in den Open-Races und arbeiten uns dann über die Clubman bis zu den Profis hoch. Der Aufstieg in die nächste Liga erfolgt dabei nur, wenn wir die jeweilige Meisterschaft wenigstens als Dritter beenden. Schaffen wir das nicht, können wir es in einer anderen Fahrzeugklasse, oder derselben, erneut versuchen. So hat man also immer genug Abwechslung, da man von Anfang an jede Fahrzeugklasse fahren kann, wird aber irgendwann an dem Punkt ankommen, an dem man nicht mehr weiter aufsteigt, weil die Herausforderung immer größer wird. Dem im Wege steht nur, dass man sich Anfangs noch nicht jedes Fahrzeug leisten kann.Um es den Spielern nicht zu leicht zu machen, ändern sich die Austragungsorte der einzelnen Meisterschaften mit jedem Neubeginn. Klar, dass die Unteren noch recht kurz ausfallen, sie dann aber immer umfangreicher und anspruchsvoller werden. Dabei ruft Dirt nach und nach immer weitere Fähigkeiten des Spielers ab. Sind wir Anfangs noch viel bei hellem Sonnenschein unterwegs, werden die Etappen langsam immer länger und die Bedingungen anspruchsvoller. Wird die letzte Etappe zum Beispiel in der Nacht gefahren, muss man schon eine Etappe davor beginnen auf seine Scheinwerfer aufzupassen, da man nur alle zwei Etappen Schäden reparieren kann. Und aus irgendeinem Grund sind die Scheinwerfer nicht besonders stabil, sie verzeihen kaum einen Kontakt mit Fels oder Flora.

Die Online-Modi

Dirt Rally im Gamezone-Test (5) Quelle: Codemasters Dirt Rally im Gamezone-Test (5) Auch bei den Online-Modi versteigt sich Codemasters kein bisschen Richtung Arcade. Zwar kann man seine Zeiten aus der Offline-Karriere auch mit denen seiner Freunde und der Welt vergleichen, so richtig zur Sache aber geht es erst bei den täglichen, wöchentlichen und monatlichen Online-Events. Dabei handelt es sich um von den Entwicklern vorgegebene Events mit zunehmendem Umfang. Bei der täglichen Herausforderung gilt es nur eine Etappe zu absolvieren, bei der wöchentlichen eine ganze Meisterschaft und bei der monatlichen gleich mehrere in Folge. Diese müssen nicht an einem Stück gefahren werden, man kann sie über mehrere Tage verteilt in Angriff nehmen, bis zum Ablauf des jeweiligen Events. Wie bereits erwähnt, besteht die besondere Herausforderung darin, dass eine einmal eingefahrene Zeit gilt und man beendete Etappen nicht mehr wiederholen kann. Bricht man einen Online-Event ab, wird auch dies in den Online-Bestzeiten vermerkt. Für die Mühen belohnt wird man dann nach dem Ablauf der Events, nicht direkt nach den Rennen bzw. Meisterschaften. Denn erst dann ist klar, wo man sich im Feld schlussendlich positionierte.

Wer den direkten Kampf mit anderen Fahrern sucht, für den wurden die PvP-Events geschaffen. Dahinter verbergen sich allerdings nur die Ralliecross-Events in drei verschiedenen Fahrzeugklassen. Das macht zwar Spaß, ist aber trotzdem ein etwas mageres Angebot. Wohl bedingt durch den Anspruch möglichst nah an der Realität zu bleiben, weswegen es auch keine Rennen gegen die Ghosts anderer Fahrer gibt.

Die Technik

Um es gleich ganz klar zu sagen, Dirt erreicht auf den Konsolen nicht ganz die grafische Güte der PC-Version, sieht aber immer noch verdammt gut aus und lässt alles andere aus diesem Genre meilenweit hinter sich. Während die PS4-Version durchgehend 1080p bietet, hat man sich bei der Xbox One für eine dynamische Auflösung entschieden. Allerdings ist mir während des ausführlichen Tests nie aufgefallen, dass die Auflösung irgendwann unter die 1080p geschaltet hätte. Das wird sicher so sein, in extremen Situationen, bei Schneefall zum Beispiel, aber mit bloßem Auge konnte ich das nicht entdecken.

Dirt Rally im Gamezone-Test (11) Quelle: Codemasters Dirt Rally im Gamezone-Test (11) Dafür begeistert die Detailverliebtheit, welche die Entwickler an den Tag legten. Selbst nach vielen gefahrenen Kilometern entdeckt man noch Neues, wie einen fahrenden Traktor auf dem Feld oder die Kameradrohne, die einem folgt. Vom detailliert umgesetzten Schadenssystem noch gar nicht gesprochen, welches uns die Kollision mit dem letzten Baum oder den vorangegangenen Überschlag nicht vergessen lässt.

Ganz besonders erwähnt werden muss die Soundkulisse. Mal abgesehen von den herrlich umgesetzten Motorsounds, begeistern vor allen Dingen die Nebengeräusche des Fahrzeugs wie der Aggregate. Abnutzungserscheinungen und Schäden fühlt man nicht nur, man hört sie auch. Die Bremsen beginnen zu kratzen und zu quietschen, die Kupplung fängt zu schlabbern an, die Reifen zu flattern und das Getriebe zu jammern. Mit geübtem Ohr kann man so schon bald bevorstehende Reparaturen am Geräusch erkennen. Ein herrliches Erlebnis.

Der gebotene Simulationsgrad ist erwartungsgemäß recht hoch angesiedelt. Doch wie es bei guten Simulationen zu sein hat, beginnt man die ersten Etappen erst einmal an den eigenen Fähigkeiten zu zweifeln. Doch dann tastet man sich heran und es entsteht ein Flow (verzeiht mir diesen Ausdruck), der einen immer besser werden lässt. Etappe für Etappe verbessern sich die Positionen und Zeiten und man bekommt tatsächlich etwas von dem Erlebnis geboten, wie es auch ein echter Rennfahrer haben muss. Mit der Ansage des Beifahrers im Ohr und bloß nicht zu viel Gas versucht man das letzte an Bodenhaftung auszunutzen und die inzwischen bekannten Pisten noch mehr zu schneiden und noch eine Sekunde herauszuholen. Und wenn man dann einen Tick zu spät bremst und man mit 160 Sachen an der Fichte hängen bleibt, dann weiß man ganz genau, dass man niemandem außer sich selbst die Schuld dafür geben kann.

Dirt Rally im Gamezone-Test (10) Quelle: Codemasters Dirt Rally im Gamezone-Test (10) Natürlich bietet uns Dirt ein paar Fahrhilfen an, wie ABS, eine Traktionskontrolle und ein Stabilitätssystem. Diese lassen sich nicht nur ein- oder ausschalten, sondern in fünf Stufen aktivieren. Dabei muss man aber ganz klar sagen, dass man vielleicht das ABS aktivieren sollte, auch wenn es in klassischen Fahrzeugen etwas deplatziert wirkt, man aber auf Traktionskontrolle und besonders das Stabilitätssystem lieber verzichtet. Denn egal wie sehr es die Bodenhaftung verbessert, es kostet unglaublich viel Zeit und gewinnen kann man damit kaum. Viel wichtiger ist es sich mit der Handbremse und der Kupplung auseinanderzusetzen, will man die Haarnadeln besonders eng nehmen ohne abzufliegen. Mit dem richtigen Einsatz der Kupplung nämlich kann man dem Wagen einen kurzzeitigen Schub verpassen, ideal um schnell aus einer Kehre herauszukommen. Bei Fahrzeugen mit Turbolader kann man diesen zudem regelrecht "aufladen", also hochdrehen um den Ladedruck zu erhöhen. Man kann nicht früh genug beginnen sich diese Technik anzueignen, will man gegen die harte Konkurrenz bestehen.

Meinung

Wertung zu Dirt Rally (XBO)

Wertung:

9.4 /10

Wertung zu Dirt Rally (PS4)

Wertung:

9.4 /10
Pro & Contra
herrliche Physikbester Beifahrersehr differenziertes Schadenssystemhervorragende Soundkulissetoll gestaltete Pisten mit vielen Detailsunglaublich motivierend
nicht für Gelegenheitsspieler geeignetnur wenige PvP-Modi (Ralliecross)

Bildergalerie

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