Nette Echtzeitstrategie, der es jedoch an Innovation und eigenen Ideen mangelt, um vorn mitzuspielen.
"Kommandieren Sie ihr Heer zum Ruhm!" - Das sagt uns der Klappentext auf der Rückseite des Pappkartonschubers, in dem 13th Century - Death or Glory geliefert wird. Doch schon hier erkennt der geneigte Spieler erste Gemeinsamkeiten zum "großen Vorbild" Medieval 2. Dabei schafft es 13th Century - Death or Glory leider nicht mal annähernd das qualitative Niveau der Total War Reihe zu erreichen oder gar zu überbieten. Was bei der russischen Produktion so alles schief lief und was dennoch brauchbar scheint, könnt ihr im folgenden Review nachlesen.
13th Century: Death or Glory
Die Thematik ist vermutlich bekannt: Das dreizehnte Jahrhundert war kein Zuckerschlecken, Arbeit gab es genug und für alle. Nämlich als Soldaten. Denn machthungrige Tyrannen, geldgierige Herrscher und revolutionäre Aufsässige bekamen wohl nie genug und bekämpften sich fast rund um die Uhr um entweder ihre Ehre, ihre Geldbeutel oder ihre Frauen zu verteidigen. 13th Century greift hier die Geschichte auf und lässt nun uns ran um den Lauf der Historie nachzuspielen. In insgesamt fünf unterschiedlichen Kampagnen führen wir die Deutschen, die Engländer, die Franzosen, die Russen und die Mongolen zu Felde und erringen, im Besten Falle, lauter Siege. Hat man die Kampagnen durchgespielt stehen zusätzlich noch Bonus-Maps bereit, sozusagen die Belohnung und der große Knall am Ende einer Reihe mittelalterlicher Missionen.
13th Century: Death or Glory
Interessant ist hier die historische Akkuratesse der Missionen. Zu jedem Handlungsstrang gibt es eine ausführliche (geschriebene) Einführung in die Materie, die Hintergründe jeder Schlacht werden zusätzlich durch ein Introvideo genauestens erklärt und die Geschichte so vorangetrieben. Von interessanten Videos kann hier jedoch nicht die Rede sein, viel mehr klickt man die schnöden Erklärungen und Kurzgeschichten eher weg als sie zu lesen. Eine zusammenhängende Story sucht man im dreizehnten Jahrhundert sowieso vergeblich. Denn nur die Missionen einer Kampagne sind untereinander halbwegs verknüpft, alles weitere passt irgendwie nicht so recht ins Konzept.
Das Schlachtgeschick liegt in deiner Hand!
13th Century: Death or Glory
Auch das möchte uns der Klappentext weiß machen. Doch hier muss man ganz klar verneinen: Jeder halbwegs begabte Taktiker, der seine Kavallerie wenigstens ansatzweise unter Kontrolle hat und mit ihr umzugehen weiß, schlägt die KI in nur wenigen Minuten und mit wenig Anstrengung. Passagen, in denen das Spiel mal knifflig wird und tatsächlich zum Nachdenken über den nächsten Spielzug anregt, gibt es kaum. Denn obwohl die feindlichen Truppen meist besser verteilt sind und in Deckung liegen als die unsrigen, so ist der schnellste und effektivste Weg zum Sieg oft auf den ersten Blick ersichtlich. Entweder können wir die natürlichen Gegebenheiten der Karte ausnutzen und Gegner an ein Flussbett drängen, um ihnen dann dort den Garaus zu machen, oder aber wir schnetzeln uns seitlich einen Weg vorbei und attackieren die Horde scheinbar Blinder über die Flanken. Taktisches Geschick ist hier nur grundlegendes benötigt.
Umfangreiches Statusfenster einer Einheit
Was wiederum gut gelungen ist, ist die Vielzahl an Einheiten-Eigenschaften. So hat ein jeder Trupp sein eigenes Statusfenster, dem wir entnehmen können wie viele Kämpfer noch im Verband sind, in welcher Verfassung eben diese sind und was genau sie denn können. Wenn unsere Truppen zu lange laufen oder reiten müssen, so haben sie dann auch weniger Kraft, die sie in den Kampf stecken können. Um dies zu vermeiden sollte man vor Kampfhandlungen seinen Kämpfern eine kleine Pause gönnen, kann diesen negativen Effekt aber auch bei Feinden ausnutzen. Denn auch die Moral und Kraft des Gegners sinkt, je länger eine Schlacht dauert. Abhilfe schafft hier nur taktisches Vorgehen, abwechselndes Einsetzen der eigenen Einheiten oder unser Anführer. Dieser besitzt das Horn der Moral, mit dem er die Truppe wieder auf Vordermann bringt. Unsere Einheiten werden plötzlich stärker, widerstandsfähiger und kämpfen bis zum letzten Mann, aus Furcht oder Respekt vor dem Armeefüher. Wenn der dieser jedoch stirbt oder wir ihn hinter den Schlachtreihen wohl behüten, so sinkt auch die Moral der Untergebenen und statt ihr Leben für König und Land hinzugeben, werfen diese dann schon mal das Handtuch und suchen das Weite.
13th Century: Death or Glory
Was einem schnell auffällt sind die schlecht ausbalancierten Einheitenklassen. Wie eingangs erwähnt sind berittene Einheiten viel zu stark, Spieler die ihre Kavallerie nun noch halbwegs klug einsetzen haben somit automatisch gewonnenen. Ansonsten kommt das Spiel mit einem rudimentären Stein-Schere-Papier System aus: Pikeniere schlagen Reiter(im Frontalangriff), Reiter metzeln Bogenschützen nieder und Bogenschützen heizen Bodeneinheiten ordentlich ein. Ein altbewährtes Prinzip also, dass auch schon in vielen großartigen Titeln zuvor brilliert hat. Nur so recht überzeugen kann das System in 13th Century leider nicht.
13th Century: Death or Glory
Ganz großer Nachteil im direkten Vergleich mit Rome und Medieval: Das Fehlen eines Strategiemodus. Wir haben weder eine große Landeskarte, auf der wir im Risiko-Stil unsere Truppen bewegen, ausheben und angreifen lassen, noch können wir die Startformation unserer Männer selbst bestimmen. In selbsterstellten Instantmatches ist es zwar möglich die Truppenstärke und -zusammenstellung zu regulieren, alles weitere macht aber nach wie vor der Rechner. Auch dies wieder ein Punkt, der verdeutlicht, dass 13th Century zwar gerne ein richtiges Strategiespiel wäre aber dabei völlig die hierfür relevanten Inhalte weglässt. Im Prinzip verbringen wir unsere Zeit in 13th Century nur mit dem Bekämpfen und Niederstrecken unserer Gegner, da bieten auch die seltenen Verteidigungsmissionen nur wenig Abwechslung. Wer hierbei an große Verteidigungsanlagen denkt ist jedoch falsch gewickelt, das Höchste der Gefühle ist ein Hügel oder Wald. Schon nach zwei oder drei Runden ist keine Neuerung mehr zu verbuchen, man muss nur noch die Gegner der restlichen Kampagnen abmurksen.
