Keine Edna aus der Anstalt und kein melancholischer Clown, sondern ein ernstes Thema im Adventure-Kleid.
Wo Daedalic draufsteht, ist in letzter Zeit auch immer ein qualitativ hochwertiges Adventure drin gewesen. Freunde des Point & Klick-Genres erinnern sich natürlich noch an die violette Unterhose von Edna und ihren blauen Hasen Harvey in "Edna bricht aus", sowie an den melancholischen Clown Sadwick aus "The Whispered World". So gegensätzlich die beiden Spiele auch waren, das eine brachte uns zum Lachen und das andere fast zum Weinen, ist ihnen doch gemein, dass sie immer neue Charaktere prägten die man so schnell nicht mehr vergisst. Mit "A New Beginning" steht uns nun das nächste Adventure von Daedalic ins Haus, welches sich einem recht aktuellen Thema annimmt, trotzdem aber nicht weniger fantastisch ausfällt als die vorher genannten Titel.
A New Beginning
Die Geschichte beginnt mit Ben Svensson, einem Wissenschaftler im Ruhestand der offensichtlich mit der Menschheit abgeschlossen hat. Denn sein ganzes Wirken galt einer alternativen Energiequelle, die aber keiner haben wollte, weil man mit Atomkraftwerken mehr verdienen konnte. Darum lebt er nun recht zurückgezogen und pflegt eigentlich nur noch mit seiner Psychotherapeutin Kontakt. Doch wie immer in solchen Situationen kommt es anders als man denkt und Svensson bekommt Besuch von einer Zeitreisenden. Die erzählt ihm eine aus seiner Sicht mehr als unglaubwürdige Geschichte vom bevorstehenden Weltuntergang, der er keinen Glauben schenken will und kann.
A New Beginning
Aus dieser Situation heraus entwickelt sich eine Geschichte die einem Hollywood Blockbuster gut zu Gesicht stünde. Wir erleben diverse Zeitsprünge der Protagonisten und erfahren eine mehr als spannende Geschichte rund um den Fortgang der Menschen die nicht mit Anspielungen auf unsere augenblickliche Situation spart. Dies geschieht mal ernsthaft, mitunter sogar gehässig, aber gerne auch mal mit einem zwinkernden Auge. Derweil verstehen es auch die Charaktere selbst zu überzeugen. Jeder von ihnen stellt wirklich eine Persönlichkeit dar mit der man sich identifizieren kann. Da gibt es beispielsweise den schon erwähnten Svensson, der anfangs noch kritisch, später dafür umso engagierter auftritt, oder die Zeitreisende Fay, die trotz besseren Wissens noch immer an das Gute im Mensch glaubt. Natürlich gibt es auch einen unangenehmen Charakter, ebenso wie einen Kumpel-Typ. Nicht fehlen darf bei solch einem Thema der geldgierige Industrielle, der eine tragende Rolle in dieser Geschichte einnimmt, auch wenn er selbst gar nicht so oft auftritt, sowie der Feind in den eigenen reihen, der offensichtlich seine eigenen Ziele verfolgt.
A New Beginning
Natürlich lebt ein Adventure nicht nur von der Geschichte sondern auch von der Rätselkost, und auch hier hat Daedalic ganze Arbeit geleistet, wenn man die einzelnen Rätsel für sich alleine betrachtet. Über das ganze Spiel hinweg aber bemerkt man, dass der Schwierigkeitsgrad recht unausgewogen ist. Auf schwerere Herausforderungen folgen wieder deutlich leichtere und umgekehrt. An wenigen Stellen auch gibt es welche die man eigentlich eher durch herumprobieren als mit logischem Verstand löst. Die meisten aber erschließen sich einem dann doch aus der Story heraus und durch die Antworten der Protagonisten. Auf ein Hilfssystem verzichtet das Adventure komplett, allerdings werden per Leertaste die Hotspots angezeigt. Da es aber durchaus einige Örtlichkeiten gibt die man mehrmals besucht und von dort erst nacheinander bestimmte Gegenstände braucht, kann einen dies manchmal sogar in die Irre führen, zumindest aber aufhalten. Mir persönlich gefiel das trotzdem, schließlich soll ein Adventure ja eine Herausforderung für die grauen Zellen sein und kein Spielfilm zum passiv konsumieren.
A New Beginning
A New Beginning verzichtet auch, vom Inventar abgesehen, komplett auf ein HUD oder anderweitige Einblendungen, was auch wegen dem genial einfachem Interaktionsmenü unter dem Mauszeiger gar nicht nötig ist. Wie in solchen Spielen üblich bewegen wir den jeweiligen Charakter indem wir einfach an die gewünschte Zielposition klicken. Ein Doppelklick auf einen der "Ausgänge" lässt unseren Charakter sofort dorthin springen. Der Clou aber ist, den Mauszeiger länger gedrückt zu halten, was uns alle Interaktionsmöglichkeiten anzeigt. So gibt uns das Spiel mitunter auch Hinweise was zu tun sein könnte, beispielsweise wenn wir irgendetwas nicht nur öffnen und schließen sondern auch anderweitig nutzen können. Nicht zuletzt machen sich an bestimmten Stellen die jeweils benötigten Objekte sogar bemerkbar, entweder weil sie grafisch hervorgehoben wurden oder, wie im Falle der tanzenden Waschmaschine, regelrecht anspringen. Wenn sich also irgendwo etwas auffällig bewegt, penetrant blinkt oder glänzt, sollte man einen näheren Blick riskieren.
