A Plague Tale: Innocence - Vom Geheimtipp zum Atmosphäre-Hit - Test zum Action-Adventure - Update mit PC-Wertung

Test Christian Dörre 35,99 €
A Plague Tale: Innocence - Vom Geheimtipp zum Atmosphäre-Hit - Test zum Action-Adventure - Update mit PC-Wertung
Quelle: Focus Home Interactive

Im Vorfeld als Geheimtipp deklariert, machte das Action-Adventure A Plague Tale: Innocence bereits viele Zocker mit einer Vorliebe für storylastige Singleplayer-Spiele auf sich aufmerksam. Nach dem Test des im Mittelalter angesiedelten Spiels sagen wir jedoch ganz klar, dass der Titel viel mehr als "nur" ein Geheimtipp ist. Warum uns A Plague Tale so begeistert, lest ihr in diesem Artikel.

Wenn ein angekündigtes Spiel heutzutage mit einem klaren Fokus auf das Erzählen seiner Geschichte beworben wird, drängt sich schnell der Verdacht auf, es handele sich dabei um einen interaktiven Film. Das bedeutet, dass man wie bei Spielen von Telltale Games oder Quantic Dream hauptsächlich zuschaut und nur ab und zu mal in die Tasten hämmert, um Quick-Time-Events zu bestehen oder um eine Entscheidung zu treffen, welche den Verlauf der Story beeinflussen könnte. So sehr diese Art Spiel auch ihre Daseinsberechtigung hat, ist es jedoch schön, dass sich nun mehr Entwickler trauen, Geschichten mit echtem Gameplay zu untermauern. Ninja Theorys Hellblade: Senua's Sacrifice beispielsweise nutzte rudimentäres Action-Adventure-Gameplay, um seine Geschichte zu erzählen und die Spieler den mühsamen Weg der Protagonistin wirklich selbst erleben zu lassen.

A Plague Tale: Innocence (jetzt kaufen / 35,99 € ) von Asobo Studio schlägt in die gleiche Kerbe - es bietet verschiedene spielerische Elemente, die nicht ganz so tiefgängig wie bei anderen Spielen, aber stimmig sind und die Geschichte untermauern. Ihr schaut also keinen interaktiven Film im Mittelalter, sondern bewegt euch selbst durch dieses dunkle Kapitel der Geschichte und erlebt dabei das persönliche Drama der Protagonistin. Nach dem Ende der 17 Kapitel umfassenden und etwa 12 bis 14 Stunden dauernden Story, lässt sich sagen, dass der Titel als interaktiver Film auch bei Weitem nicht so gut funktionieren würde. Asobo Studio beweist nämlich viel Feingefühl und nutzt einige Kniffe, um die Immersion zu stärken.

Empfohlener redaktioneller Inhalt [EMBED_URL] An dieser Stelle findest du externe Inhalte von [PLATTFORM]. Zum Schutz deiner persönlichen Daten werden externe Einbindungen erst angezeigt, wenn du dies durch Klick auf "Alle externen Inhalte laden" bestätigst: Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Externe Inhalte Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

A Plague Tale im Test: Familiengeschichte

Im Frankreich des Jahres 1348 übernehmt ihr die Geschicke der etwa 16-jährigen Amicia de Rune. Während ihr sie anfangs noch bei einem Spaziergang durch den herbstlichen Wald steuert oder mit ihr durch das malerische Anwesen der de Runes streift, überschlagen sich bald die Ereignisse. Die Inquisition verwüstet das Château auf der Suche nach Amicias fünfjährigem Bruder Hugo, der von einer rätselhaften Krankheit befallen ist und daher fast sein ganzes Leben mit seiner Mutter im Krankenzimmer verbrachte. Während die Inquisition jeden Hofknecht brutal abschlachtet, können die beiden Kinder entkommen und machen sich auf die Suche nach dem Alchemisten Laurentius, der Hugo angeblich helfen kann. Das entfremdete Geschwisterpaar ist plötzlich allein und hat die Inquisition im Nacken. Außerdem wütet noch die Pest in Südfrankreich, es gibt eine Rattenplage und es tobt bereits der Hundertjährige Krieg.

Nach der Flucht kümmert sich Amicia um ihren etwas weltfremden Bruder Hugo. Quelle: PC Games Nach der Flucht kümmert sich Amicia um ihren etwas weltfremden Bruder Hugo. Glücklicherweise treffen Amicia und Hugo jedoch nicht nur auf Nagetiere, Kranke und Soldaten, sondern auch auf ein paar Verbündete, die ihnen bei ihrem Abenteuer zur Seite stehen. Die Geschichte von A Plague Tale: Innocence nimmt schnell Fahrt auf und bleibt bis zum Ende spannend. Dabei fühlt sich das Spiel zu keinem Zeitpunkt gestreckt an. Jedes Kapitel führt die Story weiter und trägt zur Charakterentwicklung von Amicia, Hugo und einigen Nebenfiguren bei. Die beiden Kinder wachsen dem Spieler schnell ans Herz, da sie nachvollziehbar und mit viel Feingefühl geschrieben wurden.

Trotz der allgemein düsteren Atmosphäre bietet A Plague Tale auch immer wieder schön leichtherzige Momente. Quelle: PC Games Trotz der allgemein düsteren Atmosphäre bietet A Plague Tale auch immer wieder schön leichtherzige Momente. Amicia ist zwar kein wehrloses Burgfräulein, doch mit der Situa­tion immer wieder (verständlicherweise) überfordert. Dennoch tut sie alles, um ihren kleinen Bruder am Leben zu erhalten. Hugo hingegen ist von seiner Krankheit gebeutelt und von der Welt ein wenig eingeschüchtert, aber auch fasziniert davon. Teilweise erkennt der kleine Fratz den ernst der Lage nicht. Neben Action-Passagen und dem andauernden Gefühl der Bedrohung nimmt sich A Plague Tale immer wieder die Zeit, die Charaktere miteinander agieren zu lassen, und beschert ihnen auch leichtherzige Momente. Wenn Hugo zum ersten Mal in seinem Leben Frösche sieht oder beide de Runes das Echo in einer alten Ruine ausnutzen, sind das schöne kleine Momentaufnahmen, die viel zur Charakterbindung beitragen.

Laut Asobo waren die Spiele von Naughty Dog die Hauptinspiration für das Erzählen der Geschichte und Formen der Charaktere - und das merkt man A Plague Tale deutlich an. Asobo Studio versteht es ebenfalls hervorragend, dem Spieler Emotionen zu entlocken, ohne dass sich dies erzwungen anfühlt. Dabei bedient es sich kleiner Kniffe, die viel ausrichten. So fühlt man sich selbst direkt für Hugo verantwortlich, da man den kleinen Scheißer am Patschhändchen durch die Levels führt und mit ihm gemeinsam diverse Gefahren übersteht.

A Plague Tale im Test: Schönheit und Grauen

A Plague Tale: Innocence handelt zwar von Kindern, ist aber ganz sicher kein Spiel für Kinder. Asobo Studio scheut sich zu keinem Zeitpunkt davor, die Protagonisten mit dem Grauen der damaligen Zeit bekannt zu machen. Zwar verschlägt es euch im Verlaufe des Abenteuers auch in malerische Wälder, ihr betrachtet wunderschöne Gebäude, interessante kleine Dörfer oder faszinierende Ruinen in einer Schneelandschaft, doch ihr trefft auch auf Wahnsinnige, die verzweifelt nach Schuldigen für die Pest suchen, seht mit an, wie Menschen bei lebendigem Leib von Ratten gefressen werden, oder klettert über die Leichenberge auf einem Schlachtfeld, wo sich Engländer und Franzosen gegenüberstanden.

A Plague Tale richtet sich klar an ältere Spieler. Ihr streift zwar auch durch wunderschöne Landschaften, doch immer wieder führen euch die Entwickler die Grausamkeiten der damaligen Zeit vor Augen. Quelle: PC Games A Plague Tale richtet sich klar an ältere Spieler. Ihr streift zwar auch durch wunderschöne Landschaften, doch immer wieder führen euch die Entwickler die Grausamkeiten der damaligen Zeit vor Augen. A Plague Tale ist starker Tobak und vermittelt gut den Eindruck einer stetigen Bedrohung. Auch selbst wird man manchmal gezwungen, zu unangenehmen Mitteln zu greifen, indem man beispielsweise die Laterne einer Wache zerstört und so die Ratten auf sie hetzt oder gar Leichen zur Ablenkung nutzt. Doch egal ob ihr gerade durch eine wunderschöne Landschaft lauft oder ihr von Leichenbergen umgeben seid, A Plague Tale sieht wirklich super aus. Ja, ab und zu entdeckt man mal eine etwas matschige Textur, aber allgemein ist die Grafik sehr schön, detailreich und glänzt mit satten Farben sowie wunderbaren Lichteffekten. Überhaupt ist der Titel optisch sehr abwechslungsreich. Mal bewegt ihr euch durch zerfallene Katakomben, mal lauft ihr durch ein zerstörtes Dorf, mal schleicht ihr über einen Friedhof bei Nacht oder ein Château bei Schneefall. Kein Kapitel sieht so aus wie das vorherige.
Das Action-Adventure ist nicht nur verdammt hübsch, sondern fängt die optisch abwechslungsreichen Levels auch sehr stimmungsvoll ein. Quelle: PC Games Das Action-Adventure ist nicht nur verdammt hübsch, sondern fängt die optisch abwechslungsreichen Levels auch sehr stimmungsvoll ein.

A Plague Tale im Test: Mehr drin als gedacht

Offener Kampf ist selten eine Option. Gerade zu Anfang des Spiels müsst ihr meistens Wachen ablenken, um dann an ihnen vorbeizuschleichen. Quelle: PC Games Offener Kampf ist selten eine Option. Gerade zu Anfang des Spiels müsst ihr meistens Wachen ablenken, um dann an ihnen vorbeizuschleichen. In unserer letzten Vorschau, basierend auf einem Studiobesuch bei Asobo, waren wir von A Plague Tale bereits sehr angetan, jedoch noch etwas skeptisch, ob das Gameplay, das wir in den ersten vier Kapiteln sahen, wirklich über die komplette Spieldauer Spaß macht. Hier können wir jedoch Entwarnung geben, denn über fast das gesamte Spiel lernt Amicia neue Fähigkeiten, die sogar weiter ausgebaut werden. Anfangs besitzt Amicia zwar eine Schleuder, hat jedoch keine Chance im offenen Kampf. Daher lenkt ihr die Gegner mit Steinwürfen auf Metallteile ab und schleicht an ihnen vorbei.

Begegnen euch hingegen Ratten, müsst ihr darauf achten, im Licht zu bleiben, wenn ihr nicht auf der Speisekarte der Nager landen möchtet. Dafür entzündet ihr mit einer Fackel Feuerstellen, lauft schnell mit einem abbrennenden Stock durch die Viecher oder löst mit einem gezielten Schuss eurer Schleuder weitere Feuerbehälter von deren Verankerungen. Zudem gibt es immer wieder kleinere Passagen, in denen ihr vor Angreifern davonlaufen müsst oder Kisten verschiebt, um neue Orte zu erreichen. Diese Gameplay-Grundzüge bleiben gleich, werden aber weiter ausgebaut, da die Rätsel etwas komplexer und die Gegner stärker werden.

Die Ratten haben Angst vor Feuer, daher müsst ihr bei deren Erscheinen immer einen Weg suchen, um im Licht zu bleiben. Quelle: PC Games Die Ratten haben Angst vor Feuer, daher müsst ihr bei deren Erscheinen immer einen Weg suchen, um im Licht zu bleiben. Dann reicht es nicht mehr aus, nur eine Kiste in der Gegend herumzuschieben, da mehrere Mechanismen bedient werden müssen, teilweise sogar zeitgleich. Hierfür gebt ihr euren Begleitern Befehle, wann genau sie welchen Hebel/Mechanismus betätigen sollen. Für die Gegner und Ratten hingegen stehen euch andere Hilfsmittel zur Verfügung. So könnt ihr mit gesammelten Materialien Amicias Schleuder an Werkbänken verbessern und dadurch zur tödlichen Waffe machen. Entdeckt euch also ein Gegner, könnt ihr diesen mit einem Kopfschuss stoppen. Das gilt aber nur für Gegner ohne Helm.

Um Feinde in schwerer Rüstung zu überwältigen, erhaltet ihr weitere Möglichkeiten. Amicia lernt nämlich von ihren Verbündeten ein wenig Alchemie und kann dann - die gesammelten Ressourcen vorausgesetzt - neue Waffen und Hilfsmittel craften. Dafür ruft man einfach mit der linken Schultertaste das praktische Ringmenü auf, bewegt den Cursor auf den gewünschten Gegenstand und hält die Aktionstaste gedrückt. Nach und nach lernt ihr, wie man aus der Ferne Feuerstellen entzünden oder löschen kann, wie man eine Art Bombe herstellt, um Ratten zu beseitigen, oder wie man eine Substanz herstellt, welche die Helme der Gegner schmilzt und diese so dazu zwingt, sie abzunehmen. Im späteren Spielverlauf müsst ihr all diese Hilfsmittel und Fähigkeiten kombinieren, um heil durch den Level zu kommen. Amicia haucht nämlich bereits nach einem Pfeil oder Schwertschlag ihr Leben aus und auch ein Schritt in die Dunkelheit bedeutet bei der Anwesenheit von Ratten den sicheren Tod.

Neben Schleich- und Rätsel-Passagen müsst ihr auch immer wieder fliehen. Diese Szenen sind spielerisch recht anspruchslos, aber toll inszeniert. Quelle: PC Games Neben Schleich- und Rätsel-Passagen müsst ihr auch immer wieder fliehen. Diese Szenen sind spielerisch recht anspruchslos, aber toll inszeniert. Obwohl ihr einige Gegner auch einfach erschießen könnt, werden auch die Kämpfe immer mehr zu Rätseln. Diese sind zwar keine superharten Kopfnüsse, doch oft genug muss man ein wenig um die Ecke denken oder die Aktionen zeitlich genau abstimmen. So bleibt das Gameplay stets frisch. Allerdings ist A Plague Tale: Innocence auch sehr linear. Nur an wenigen Stellen gibt es mehrere Lösungsmöglichkeiten. Solltet ihr also mal bei einer Knobelei auf dem berühmt-berüchtigten Schlauch stehen, werdet ihr ins Gras beißen. Spielerisch ist das nicht weiter schlimm, da ihr ohne Ladezeit am letzten der zahlreichen Kontrollpunkte abgesetzt werdet und der Schwierigkeitsgrad eh nicht sonderlich hoch ausfällt. Aber der Bildschirmtod reißt einen immer ein wenig aus der Immersion. Ein bekanntes Problem von Spielen mit starkem Story-Fokus, das auch Hellblade schon hatte.

Der Titel macht das Beste aus seinen überschaubaren Gameplay-Elementen. Ab und zu werden sogar toll inszenierte Bosskämpfe eingestreut. Quelle: PC Games Der Titel macht das Beste aus seinen überschaubaren Gameplay-Elementen. Ab und zu werden sogar toll inszenierte Bosskämpfe eingestreut. Wie das Spiel von Ninja Theory ist A Plague Tale jedoch so atmosphärisch und packend, dass man sich schnell wieder von dem Titel in seinen Bann ziehen lässt. Das geschieht quasi automatisch, da Asobo Studio einige hübsche Wendungen und Überraschungen eingebaut hat. So gibt es beispielsweise sogar toll inszenierte Bosskämpfe, in denen ihr einen besonders hartnäckigen Fiesling mit Amicias Fähigkeiten in die Schranken weisen müsst.

Auch die Geschichte selbst bietet später einige Dinge, mit denen man so nicht unbedingt rechnet. Storytechnisch ist das gut umgesetzt, aber die Antagonisten kamen uns hier wie Abziehbilder aus einem bekannten Film-Franchise vor. Das ist nicht unbedingt störend, allerdings ein bisschen schade, da die Franzosen mit dem Rest des Spiels beweisen, wie gut sie es verstehen, Story, Charaktere und Gameplay (mit eigenen Ideen) miteinander zu verbinden. Die genannten Kritikpunkte sind aber allesamt Meckern auf hohem Niveau. An Amicias und Hugos Geschichte werden wir uns jedenfalls lange zurückerinnern.

Update zur PC-Version: Auch auf dem PC macht A Plague Tale: Innocence eine gute Figur. Bugs, sonstige technische Probleme oder gar Crashes kamen nicht vor. Die Steuerung funktioniert sowohl mit dem Gamepad als auch mit Maus und Tastatur sehr gut. Daher bekommt der Titel die gleiche Wertung wie auf den Konsolen.

A Plague Tale im Test: Fazit und Wertung

Meinung

Wertung zu A Plague Tale: Innocence (PC)

Wertung:

9.0 /10

Wertung zu A Plague Tale: Innocence (PS4)

Wertung:

9.0 /10

Wertung zu A Plague Tale: Innocence (XBO)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
Durchweg spannende Geschichte mit gut geschriebenen CharakterenSehr schöne, detailreiche Grafik mit wunderbar satten FarbenOptisch abwechslungsreiche ArealeSehr guter Spielfluss (Wechsel zwischen Stealth-, Action-, Flucht- und Rätselpassagen)Gameplay-Elemente werden sinnvoll und spaßig ausgebaut.Gute deutsche und sehr gute eng­lische VertonungKeine Längen, die Story wird mit jedem Schritt weitererzählt.
Antagonisten wirken wie ein Abklatsch aus einem bekannten FranchiseMimik bei den Charaktermodellen ist teilweise ein wenig steifSammelkram wirkt etwas aufgesetztOftmals ein wenig dümmliche KI
Fazit

Ein toll geschriebenes, famos inszeniertes Abenteuer, das man nicht so schnell vergisst.

Bildergalerie

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk