Agatha Christie: Mord im Orient Express im Gamezone-Test

Test BigJim

Typisch britischer Flair und eine gemächliche Krimi-Atmosphäre zeichnen dieses Adventure aus.

Observation und Orangensaft

Agatha Christie: Mord im Orient Express Agatha Christie: Mord im Orient Express Neben dem Befragen von Zeugen und Tatverdächtigen verbringt Antoinette viel Zeit mit kriminalistischem Kleinkram. Indizien, Fingerabdrücke und Fußspuren müssen gesichert, Passagierlisten überprüft, Abteile durchsucht, Reisepässe eingezogen und Zielpersonen belauscht werden. Die meisten Rätsel - so beispielsweise das Zusammenfügen eines Briefes aus vorhandenen Schnipseln oder die Kenntlichmachung der Schrift auf einem verkohlten Stück Papier unter Anwendung einer chemischen Reaktion - sind recht logisch und selbst für den ungeübteren Adventure-Spieler mit etwas Allgemeinbildung leicht nachvollziehbar. Einige andere Aufgaben hingegen erfordern ein ziemliches von-hinten-durch-die-rechte-Brust-ins-linke-Auge-Denken, wenn es dann darum geht, mit Hilfe von Kuchenteig, den Antoinette zuvor dem Küchenchef abgeluchst hat, einen Schuhabdruck im Schnee anzufertigen oder gar naturwissenschaftliche Kenntnisse gefordert sind. So setzen wir an einer späteren Stelle des Spiels ein stromloses Funkgerät mittels Orangensaft aus einer Schüssel in Betrieb. Dazu muß man zuvor nur bedacht haben, das Orangensaft stromleitendes Wasser enthält und das Gerätekabel entsprechend verbinden.

Agatha Christie: Mord im Orient Express Agatha Christie: Mord im Orient Express Immerhin gibt es zwischendurch immer mal wieder einen nützlichen Tipp von Poirot, selbst dann, wenn der Meisterdetektiv persönlich gar nicht anwesend ist. Die Hinweise erreichen Antoinette in diesen Fällen per Gedankenübertragung, bei der Poirot dann zu seiner jungen Assistentin spricht. Dies wirkt zwar irgendwie albern, ist in bestimmten Situationen aber ganz hilfreich und sorgt für eine gewisse Zügigkeit im Spielverlauf. Manchmal mischt sich der Herr auch unaufgefordert ein und teilt Antoinette - nicht ganz ohne belehrenden Unterton - mit, was er anders gemacht und sie besser zu machen hätte. Bei der abschließenden Lösung des Kriminalfalls erhält Antoinette vom Meisterdetektiv übrigens eine Abschlussbewertung, die ihre kriminalistischen Fähigkeiten punktemäßig erfasst.

Kleinere Nervereien

Agatha Christie: Mord im Orient Express Agatha Christie: Mord im Orient Express In Sachen Präsentation macht "Mord im Orient Express" eine ordentliche Figur. Etwas befremdlich die Tatsache, dass trotz ausgezeichneter Sprecher und einer stimmigen - wenn auch äußerst sparsam eingesetzten und nicht sehr abwechselungsreichen - Musik kaum Hintergrundgeräusche existieren, sieht man vom obligatorischen Eisenbahnlärm und einigen anderen winzigen Details einmal ab. Dadurch wirkt die Umgebungswelt oftmals leblos. Grafisch hätten ein paar zusätzliche Animationen sicher nicht schaden können, wobei die optische Darstellung des pompös ausgestatteten Luxus-Zuges mit all seinen edlen Verzierungen und kostbaren Einrichtungsgegenständen auf ganzer Linie überzeugen kann. Optisch ebenfalls vernünftig umgesetzt sind die (wenigen) Außenbereiche wie diverse Bahnhöfe, Gebäude oder der Marktplatz von Istanbul sowie die meist gelungenen Zwischensequenzen.

Agatha Christie: Mord im Orient Express Agatha Christie: Mord im Orient Express Nicht ganz so prima ausgefallen ist die Steuerung. Die Bedienung entspricht zwar der eines typischen Point&Click-Adventures - mit Linksklick wird navigiert, per Rechtsklick interagiert -, doch erweist sich die Führung des mit aufgesammelten Objekten wie Mehl, Gebissprothese, Lampe, Hut usw. rasch vollgestopften Inventars als recht umständlich. Bis man dort einen der nicht selten annähernd rund 100 Gegenstände aufgefunden hat, vergeht oft eine halbe Ewigkeit des Rumblätterns. Das frustet und lässt die mühselige Sucherei bisweilen zur zeitraubenden Klick-Orgie ausarten. Auch reagiert der Cusor nicht immer zielgenau. Peilen wir im Badezimmer des Zuges zum Beispiel nicht präzise genug ein Waschbecken an, entlockt dies Antoinette möglicherweise ein verzücktes "Ooooh, wie hübsch, eine Toilette!" Als positiv und überaus praktisch anzusehen ist die einblendbare Funktion oberhalb des Bildschirmrandes, mit deren Hilfe sich die Hauptperson in Sekundenschnelle per Mausklick von einem Waggon zum nächsten expedieren lässt. Das erspart unserer Heldin anstrengende Laufwege und schont ihre hübschen langen Beine.

Meinung

Wertung zu Agatha Christie: Mord im Orient Express (PC)

Wertung:

7.7 /10
Pro & Contra
stilechte Krimi-Atmosphäregelungene Charakterdarstellungausgezeichnete Synchronisationansprechende Grafik
mangelnde Abwechselung (Schauplätze)umständliche Inventarführungkleinere Logikfehler
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