Die genialen Ideen in Sachen Inventar und Physik-Spielereien stehen dem komplett fehlenden Gruselfaktor gegenüber.
Physik ist überall
Alone in the Dark
Während das Spiel mit der fast vollständigen Abwesenheit von Schockmomenten und einer "Themaverfehlung des Horror-Genres" nicht so recht überzeugen kann, überrascht die technische Seite und vor allem die Detailverliebtheit der Entwickler. Grafisch ist Alone in the Dark schon recht ansprechend, vorallem die tollen Licht- und Schatteneffekte haben es uns angetan. Jedoch ist nicht alles was glänzt auch wahrlich aus Gold: Viel zu oft sehen wir ewig gleiche Räume vor uns, matschige Bodentexturen und immerwährend ähnlichaussehende, blutverschmierte Gänge. Sieht man mal von den matschigen Bodentexturen ab, weiß die Grafik jedoch zu überzeugen, ein zentraler Aspekt ist dabei das Feuer. Überall taucht es auf, was am Grad der Verwüstung, die die Höllenbrut hinter sich herzieht, nicht verwunderlich ist. Besonders erstaunlich daran ist, dass sich das Flammenmeer physikalisch korrekt ausbreitet und verwenden lässt, es wird somit nicht nur als Waffe gegen die Zombiebrut und Atmosphäre-Träger genutzt, sondern hilft auch aktiv bei der Lösung so mancher Rätselschwierigkeiten: Statt Hürden zu umklettern kann man sie teilweise einfach abfackeln, ein wenig Spiritus aus der Flasche und das Feuerzeug sind dabei unsere besten Freunde. Was jedoch enttäuscht, sind schwere Clippingfehler beim Einsatz des Feuerlöschers und an vielen Schlüsselmomenten des Spieles.
Alone in the Dark
Die eingangs erwähnte Detailberliebtheit bekommt man vor allem bei Items und deren Beschaffung zu spüren: Fast alle Gegenstände sind im Spiel auf irgend eine Art verwendbar, so kann Edward in viele Schränke und Schubladen gucken um sich dort aufzumunitionieren. Auch ein schönes Feature ist das Auto. Während die Fahrphysik schon fast unterirdisch ist und unser Auto bei kleinsten Bewegungen dutzende Meter in die Luft fliegt, erweist sich das Starten der Karren als realistisch. So können wir erst alle Stauräume im Innenraum nach dem Schlüssel durchsuchen und uns so das Kurzschließen sparen. Vorsicht ist jedoch geboten, wer den falschen Knopf drückt oder zur falschen Zeit kurzschließt kann die Hupe oder das Radio aktivieren und so die Aufmerksamkeit der Zombiebrut auf sich richten.
Alone in the Dark
Nette Idee zum Protagonisten: Schwere Verletzungen übersteht der von Amnesie geplagte Kerl nicht lange, ohne verbunden oder mit dem Erste-Hilfe-Spray verarztet zu werden. Dies geschieht in einer eigenen "First-Aid-Perspektive", in der man die unterschiedlichen Regionen des Körpers individuell und auf die Verletzung abgestimmt behandeln kann. Bei kleinen Schnittwunden reicht da schon das Pflasterspray, bei größeren muss man schon mal einen Verband anlegen. Auch schweres Gerät in Form von Feuerlöschern oder Schrotflinten kann Edward mitschleppen und benutzen, muss sie jedoch nach der Benutzung immer wieder ablegen, denn sprinten, hüpfen oder andere Manöver bestreiten kann er so schwer bepackt nicht. Ein weiterer Lichtblick ist das Inventar. Auf Knopfdruck wechselt die Perspektive, man blickt nun von oben herab auf seine geöffnete Jacke. Verstauen können wir darin nur eine vorher bestimmte Anzahl an Gegenständen, die Idee des "reellen Inventars" hat Atari sehr gut umsetzen können. Doch nicht nur des Aussehens wegen beeindruckt das Inventarsystem, auch die Kombinationsmöglichkeiten lassen Erfinder-Herzen höher schlagen. So gut wie alle Items können wir miteinander kombinieren oder benutzen, so entstehen neben skurrilen aber durchschlagkräftigen Bomben auch anderes brennbares Wurfmaterial und gar brennende Leuchtspurmunition. Der eigenen Vorstellungskraft sind dabei fast keine Grenzen gesetzt. Dabei geht das Spiel auch nicht allzu zimperlich mit Achievments um, für einige besonders wilde Kombinationen wie etwa dem Mix aus Spiritus und Munition, die Leuchtspurgeschosse ergeben. Besonders schwer ist es dabei nicht, an die begehrten Punkte zu gelangen.
Alone in the Dark
Was neben der beeindruckenden Physik, der übrigens die Havok-Engine zugrunde liegt, und der Grafik, die dem oberen Mittelfeld zuzuordnen ist, wirklich enttäuscht, ist die Soundkulisse des Grusel-Shooters. Atmosphäre erzeugt der Sound leider so gut wie gar keine, die immerwährend gleichen Samples sind meist total flach und nichtssagend. Wenn es dann musikalisch mal etwas lauter einhergeht und der imposante Soundtrack, eingespielt vom The Mystery of Bulgarian Voices-Orchester, triumphale Töne anschlägt, passt die Unterlegung irgendwie nicht so Recht zum Gezeigten. Wozu auch enge Gänge und Klohäuschen mit orchestraler Musik beschallen, wenn dann riesige Hallen plötzlich bis auf einige Gruselsamples wieder fast lautlos sind?
Alone in the Dark
Auch die Zombies sind dabei nicht sonderlich furchterregend, bis auf ein paar unverständliche Grunzer und provisorische Schreie in klaustrophobisch engen Gängen kommt auch von ihnen nicht mehr rüber. Viel schlimmer als die mangelhafte Soundunterlegung ist aber die noch viel schlimmere Dialog-Inszenierung. Wer im Hause Eden Games am Dialoge schreiben war, muss ein wirklich tristes Leben führen: Immer wieder nervt uns in den ersten Episoden unsere Begleiterin, die ab einem bestimmten Zeitpunkt kaum noch von unserer Seite weichen will, mit Sprüchen wie "Dein Stil gefällt mir!" gefolgt von "Lass mich in Ruh!" oder "Ih, töte Sie! Mach sie platt!". Obwohl sie im späteren Verlauf recht nützlich wird, braucht sie uns, beim besten Willen nicht tausend mal sagen, dass wir doch die Zombies töten sollen und dass die total eklig sind... Hygienisch ist so ein Leben nach dem Tod ja nicht sonderlich. Wer nun aber denkt, dass es schlechte Dialoge an sich schon der Gipfel des Eisberges sind, der hat weit gefehlt. Auch die deutsche Vertonung ist, obwohl wirklich komplett eingedeutscht und an manchen Stellen wahrlich gut gelungen, qualitativ größtenteils noch schlimmer, als der Rest. Wie man solche Synchronsprecher für ein angebliches Horror-Spiel anstellen konnte, bleibt für uns ungeklärt.
