Ein akzeptabler Egoshooter, der es aber angesichts der starken Konkurrenz recht schwer haben wird sich durchzusetzen.
Unter Tage
Alpha Prime (dt.)
Ähnlich wie in F.E.A.R. oder Doom 3 spielt sich Alpha Prime zu über neunzig Prozent in Innenbereichen ab. Außenlevel, zum Beispiel ein Raumflughafen oder eine karge Gebirgslandschaft, die wir im achten Level ("Auf der Oberfläche") Halo-mäßig mit Hilfe eines Buggys durchstreifen, bilden die absolute Ausnahme. Gruben-Arnolds Schutzanzug verfügt stets nur über geringe Sauerstoffvorräte, was Arnie dazu zwingt, außerhalb hermetisch abgeschlossener Gefilde in bestimmten Zeitabständen stationäre Sauerstoff-Tanks aufzusuchen. Letztere sind zum Glück in ausreichender Anzahl vorzufinden. Kein Problem also.
Alpha Prime (dt.)
Dass in Alpha Prime trotz des finsteren Szenarios so gut wie nie Grusel-Flair aufkommen will, hängt vor allem mit dem hohen Helligkeitsfaktor zusammen. Während unserer Expedition auf bzw. unter dem Planetenabschnitt durchqueren wir unterschiedliche Orte wie Generatorenräume, Fahrstuhlschächte, Lagerhallen, Korridore oder Bürokomplexe. Aber mit Ausnahme der letzten beiden Level, die ausschließlich im Inneren einer tief unterirdisch liegenden Mine spielen, ist es meist sehr hell. Unsere Taschenlampe benötigen wir daher nur in den seltensten Fällen. Dies nimmt viel von der Atmosphäre, zu viel. Auf knisternde Spannungsmomente oder gar Schockeffekte, wie sie in F.E.A.R. und Doom 3 psychologisch geschickt immer wieder eingestreut wurden und dort den Spieler regelmäßig vor dem Monitor zusammenzucken ließen, wartet man bei Alpha Prime vergeblich. Selbst die Gegner sind - mit Ausnahme des Boss-Gegners, mit dem es Arnold während des Showdowns zu tun bekommt und der sich als besonders hartnäckig entpuppen soll - alles andere als furchterregend. Die Betreffenden sind zwar "zombie-fiziert", sehen aber nicht etwa modrig oder blutverschmiert aus, sondern wie ganz normale Menschen oder Roboter, nur mit dem Unterschied, dass sie nach ihrer Verwandlung entsprechend aggressiv agieren. Außerdem erscheinen die Gegnertypen nicht sonderlich differenziert. Irgendwie sehen sie alle ähnlich aus. Bereits nach dem dritten der insgesamt zehn Levels kennt man sie eigentlich auswendig: Arbeiter tragen Schutzanzüge, Techniker gelbliche Westen und das Sicherheitspersonal rennt im Astronauten-Fummel rum. Danach kommt nichts mehr.
Alpha Prime (dt.)
Und noch eines hat die mutierte Kollegschaft gemeinsam: ein extrem hohes Maß an Widerstandsfähigkeit. Eigentlich sollte man ja meinen, dass ein Gegner spätestens nach dem dritten Treffer ins Wanken gerät. Nicht so in Alpha Prime. Um einen der Herrschaften auszuschalten, bedarf es auch schon mal locker einer halben Magazinfüllung. Folglich leidet Arnold unter ständiger Munitionsknappheit, selbst auf dem niedrigsten der drei einstellbaren Schwierigkeitsgrade. Spätestens nach der dritten Mission - ab etwa diesem Spielabschnitt nimmt die Zahl der Gegner deutlich zu - sitzen Ottonormalzocker und Niemals-Cheater nur noch staunend in der Ecke. Die Quicksave-Funktion legt man dann am besten gleich auf die rechte Maustaste. Sogar längere Salven aus einer unserer Automatik-Waffen nötigen den Zombies oftmals nur ein müdes Lächeln ab. Der Spieler empfindet solche Momente natürlich als weitaus weniger komisch, zumal unser Alter-Ego nicht viel aushält und die Medi-Stationen, die an den Wänden innerhalb der Basis installiert sind, nur begrenzt verfügbar sind. Daher sei es dringend angeraten, die einzelnen Räume auf Alpha Prime gründlich zu durchsuchen. In Ecken, Schränken oder Kisten finden sich gelegentlich Medikamente und Munitionsbestände. Frust und Verärgerung bleiben dennoch nicht aus. So ist es zwar erfreulich, dass sich - ähnlich wie einst in F.E.A.R. - eine Bullet Time-Funktion aktivieren lässt, doch bedauerlicherweise steht diese nur selten zur Verfügung. Denn besagte Zeitlupenfunktion läd sich nicht etwa von selbst auf, sondern erfordert den Besitz von Hubbardiumkapseln. Die aber sind im Sektor Mangelware. Und ohne Kapseln keine Bullet Time. Das ist blöd.
Alpha Prime (dt.)
Neben der Zombie-Belegschaft existieren auf Alpha Prime noch andere, maschinelle Gegnertypen. Allen voran die Service-Bots, die sich vor allem durch ihre Flinkheit auszeichnen. Immer dann, wenn diese Dinger über den Bildschirm huschen, riecht der Spieler nur noch Gummi. Die Roboter-Spinnen, eine Art vierbeinige Maschinengewehre, sind dagegen deutlich träger. Unterschätzen sollte man sie trotzdem nicht. Wie überhaupt keinen Gegner in Alpha Prime. Bisweilen gibt es zwar auch hier deutliche KI-Aussetzer (Feinde bleiben an Türen hängen o.ä.), aber für gewöhnlich verhält sich der Computer-Gegner der jeweiligen Situation angemessen, sucht Deckung hinter Kisten, reißt sogar die Waffe herum und schießt im Rennen hinter sich und tut auch sonst alles Mögliche, damit der gestresste Arnold ja nicht zur Ruhe kommt.
Ein Wort zur Technik
Alpha Prime (dt.)
Alpha Prime basiert auf der vom Entwicklerstudio Black Element Software selbst entworfenen Nforce2-Engine. Diese haut den Spieler des Jahres 2007 nicht unbedingt vom Hocker, entspricht aber solidem Durchschnitt und sorgt für akzeptable Effekte. Die Physik wirkt glaubwürdig. Patronenhülsen kullern auf dem Boden, Fässer mit brennbarem Inhalt explodieren bei Beschuß, Körper wirbeln durch die Luft und Gegenstände poltern bei Berührung oder anderen äußeren Faktoren nachvollziehbar vor sich hin. Auch in Sachen Sound kann man nicht klagen. Die treibende Musik passt zum Szenario und dreht meist immer dann auf, wenn die Action einsetzt. Lediglich an zwei Stellen im Spiel ist der Sound schlecht abgemischt. Dann sind die Hintergrundgeräusche so laut, dass man die Sprecher kaum noch hört und fast schon auf den Untertitel angewiesen ist, um der Konversation weiterhin beiwohnen zu dürfen. Die Steuerung entspricht üblichen Shooter-Standards. Neben den Bewegungstasten W, S, A, D, der obligatorischen Nachladetaste R, der C-Taste für "Ducken" und der Leertaste für "Springen" kann sich Arnold noch mit E bzw. Q um Ecken lehnen. Durch Druck der rechten Maustaste ziehen wir die Waffe näher an uns ran und können besser zielen. Einzig die Fahrzeugsteuerung ist übersensibel ausgefallen. Die Buggytour, die Arnold in einem der letzten Level über die Erdoberfläche von Alpha Prime führt, erinnert dadurch unweigerlich etwas an unsere erste Fahrschulstunde.
